Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Exklusiv

Umweltanwaltschaft: Hälfte der Fälle folgt Strafverfahren

Das Beschwerdemanagement hat sich zu einem wichtigen Standbein der Landesumweltanwaltschaft entwickelt. Allein 2017 gingen 147 Anzeigen ein – Tendenz steigend. Gewandelt hat sich die Themenpriorität.

© vDas Massensterben von Grasfröschen am Kofel-Speicherteich erregte laut Tschon die Gemüter.Foto: Landesumweltanwaltschaft



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Tausende Amphibien waren im vergangenen Jahr im Patscherkofel-Speicherteich an der Römerstraße verendet. Das Massensterben betraf in erster Linie Grasfrösche. Einige wurden zur pathologischen Untersuchung bis nach Berlin und Belgien geschickt, um die zunächst für Experten rätselhafte Todesursache zu klären. Schuld war ein Giftstoff. Wie selbiger in das Gewässer kam und wer dafür verantwortlich zeichnet, konnte nie geklärt werden.

Es sind Fälle wie diese, die der Landesumweltantwaltschaft zugetragen werden. Von besorgten und alarmierten Bürgern, die mit wachen Augen durch die Tiroler Natur spazieren und selbige erkunden. Beschwerdemanagement heißt das in der Verwaltungssprache, was die Umweltanwaltschaft vor nunmehr sieben Jahren eingerichtet hat.

Die Fallzahlen, die seither dort aufschlagen, sprechen eine eindeutige Sprache, wie der stellvertretende Landesumweltanwalt, Walter Tschon, bestätigt: „Das Beschwerdemanagement spielt mittlerweile eine wesentliche Rolle im Rahmen unseres Aufgabenbereichs.“

Allein im vergangenen Jahr gingen 147 Meldungen ein. Ein neuer Höchststand. 2014 waren es 145 Anzeigen. Mit Mitte August des heurigen Jahres belief sich die Zahl bereits auf 112 Fälle – die Landesumweltanwaltschaft rechnet bis Jahresende deshalb mit knapp 200.

Thematisch lagen im Vorjahr bei den gemeldeten Verdachtsfälle noch Umweltsünden im und am Wasser auf dem ersten Platz (siehe Faktbox), gefolgt von Fragen hinsichtlich der ordnungsgemäßen behördlichen Bewilligung von Projekten unterschiedlichster Natur und Beschwerden betreffend Luft, Lärm und Verkehr. Doch der Fokus des öffentlichen Interesses scheint sich zu verlagern, wie Tschon anhand der Auswertungen im heurigen Jahr feststellt. Derzufolge geht es in den eingelangten Meldungen in erster Linie um den Komplex „Spritzmittel“. Hier scheint die Bevölkerung im Bezug auf die Verwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Landwirtschaft besorgt zu sein. Auf dem Vormarsch sind aber auch Hinweise auf Geländekorrekturen aller Art, wie etwa Aufschüttungen, Kleindeponien oder auch diverse Zwischenlager. Diese sorgen nämlich für Lärm, Staub und zusätzlichem Lkw-Verkehr. Feuerwerke (in Skigebieten), Schneeentsorgung in kleinere Gewässern und unterschiedlichste Waldverwüstungen würden ebenso in gehäuftem Maße der Landesumweltanwaltschaft gemeldet.

Wichtig ist Tschon, dass Hinweise und Beschwerden anonym behandelt werden. Mitunter können Sachverhalte bereits am Telefon aufgeklärt werden. In der Regel erstattet die Landesumweltanwaltschaft (nach interner Überprüfung) zur Aufklärung Meldung an die Behörden. Was folgt, sind mitunter behördlich angeordnete Wiederherstellungsbescheide oder Entfernungsaufträge. „In über 50 Prozent der Fälle wird auch ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet“, bestätigt Tschon. Und zwar über die Bezirkshauptmannschaften. Über deren Ausgang bekommt Tschon keine Auskunft.

Inzwischen würden sich auch Unternehmer melden, sofern sie sich bei Projektdetails nicht ganz sicher seien, sagt Tschon. Die Meldungen und somit auch das Beschwerdemanagement lieferten einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung einer möglichst unbeeinträchtigten Natur, sagt Tschon. Und damit letztlich auch für einen gesunden Wirtschafts- und Tourismusstandort.