Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Tirol

Innsbrucks Recyclinghof stößt an die Grenzen

Seit 2005 können in der Rossau unter anderem Sperrmüll, Problemstoffe und Elektrogeräte entsorgt werden. An Spitzentagen gibt es über 1200 Einfahrten.

© StegmayrIm Recyclinghof herrscht Hochbetrieb.



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Während an dem heißen Sommertag in so manchem Geschäft der Innsbrucker Innenstadt gähnende Leere herrscht, ist am Recyclinghof Rossau der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) Hochbetrieb. Von einem Sommerloch weiß man hier nichts. Obwohl die hektischsten Zeiten normalerweise im Frühjahr und im Herbst anstehen, wie der Geschäftsbereichsleiter Abfallwirtschaft und Gruppenleiter der Gruppe Recycling, Reinhard Oberguggenberger, verrät, gibt es vor allem im heurigen Sommer keinen signifikanten Frequenzrückgang. Kein Wunder irgendwie: 228.000 Einfahrten im Jahr 2017 und ein aktueller Spitzenwert von 1250 Einfahrten an nur einem Tag bringen die Einrichtung stellenweise an ihre Grenzen.

Daran hat, wie Oberguggenberger meint, die derzeit gute Konjunktur ihren Anteil. Grund für die durchgehend hohe Frequenz ist aber auch, dass Innsbruck ständig wächst und im Gegensatz zu manch anderer Landeshauptstadt, Linz hat beispielsweise vier Recyclinghöfe, über nur einen Recyclinghof verfügt. Geht man davon aus, dass Innsbruck im Jahr 2025 rund 150.000 Einwohner haben könnte, werden sich die Einfahrten noch deutlich erhöhen – auf 260.000, wie man IKB-intern schätzt. „Das kann dann der jetzige Recyclinghof allein nicht mehr bewältigen“, meint Oberguggenberger dazu. Schon jetzt gebe es Tage, an denen sich lange Schlangen vor dem Recyclinghof bildeten und sich die Entsorgungswilligen dann vor Ort selbst blockierten und im Weg stünden. Zumindest Letzteres ist an diesem Tag aber nicht der Fall.

Reinhard Oberguggenberger und Markus Falger (v.?r.) sind zwei der zentralen Köpfe des Recyclinghofs der IKB in der Innsbrucker Rossau.
- Stegmayr

Dennoch haben Vorarbeiter Markus Falger und das Recyclinghof-Team auch an diesem Tag alle Hände voll zu tun. Bereits bei der Einfahrt muss zuerst entschieden werden, ob dem Recyclinghof-Kunden eine Münze oder ein Zettel ausgehändigt wird. Erstere bedeutet freie Entsorgung und freie Ausfahrt, zweiterer Kostenpflicht, etwa im Falle von Altreifen oder Bauresten. Manches entgeht den kritischen Blicken der Mitarbeiter. „Es gibt Leute, die sind wahre Versteckkünstler“, sagt Falger lachend. Entdeckt ein Mitarbeiter dann bei der Entsorgung die eigentlich kostenpflichtigen Mitbringsel, bittet man, Münze hin oder her, den unaufrichtigen Entsorger dennoch zur Kasse. Kontrolle und Beratung sind dabei kein leichtes Unterfangen, schließlich gibt es 35 Container mit einem Volumen zwischen 20 und 30 Kubikmetern und sieben Pressen mit 20 Kubikmetern. Im Jahr 2017 sind 17.000 Tonnen Abfälle jeglicher Art angefallen. Sperrmüll war der größte Posten.

Der Laden läuft also. Auch wenn man wohl gerne mehr Zeit für die Betreuung jedes einzelnen Recyclinghof-Gastes hätte, die laut Oberguggenberger durchschnittlich 16 Minuten pro Besuch hier verbringen, oder man an manchem Tag ob der Menge an wartenden und parkenden Autos mehr Platz herbeisehnt, beklagen sich weder Oberguggenberger noch Falger. „Das zeigt ja schließlich auch, dass der Recylinghof gut angenommen wird“, zeigt er sich erfreut. Positiv stimmt den Geschäftsbereichsleiter auch, dass bereits Gespräche bezüglich eines weiteren Recyclinghofes im Westen der Stadt am Laufen sind. Bis zum Jahr 2025, dem Jahr, in dem aufgrund von demographischen Entwicklungen der Recyclinghof spätestens aus allen Nähten platzen wird, dürfte der Standort in der Rossau schon Verstärkung an einem anderen Ort bekommen haben.