Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Tirol

Oberländer Bauern richten Resolution an die Politik

Angesichts der Trockenheit auf Almen und Wiesen sollen Futterzukäufe sofort sowie mittelfristig Bewässerungen verstärkt unterstützt werden.

© JaritzBM Alois Thurner, Bauernobmann BM Rudolf Köll, Philipp Gaugg mit Lebensgefährtin Maria Krajic, Vize-BM Anton Koler und Bezirkshauptmann Raimund Waldner (v. l.) beim Besuch der Venetalm.



Imst, Landeck, Reutte – „Wir haben eine Resolution verfasst und diese bei den Sommergesprächen in Zirl übergeben“, sagt der Tarrenzer Bürgermeister und Obmann der Imster Bezirkslandwirtschaftskammer, Rudolf Köll. Die Kammern der Bezirke Imst, Landeck und Reutte hatten sich Donnerstagmittag in See zur Regionstagung zusammengesetzt und am Abend ihr gemeinsames Papier präsentiert. Inhalt: Das Oberland sei am härtesten von der herrschenden Trockenheit betroffen. Die Landesregierung möge den wohl notwendigen Futtermittelzukauf unterstützen – der Fonds solle auf zwei Millionen Euro aufgestockt werden. Daneben müsse man auch mittelfristig ein Förderprogramm für Beregnungs- und Bewässerungsanlagen angehen. Zu überlegen sind auch Nachsaaten von Gräsern, die hitzebeständiger sind. Die Resolution wurde an LH Günther Platter sowie LHStv. Josef Geisler übergeben.

Im Vorfeld des Regionstages beauftragte LK-Präsident Josef Hechenberger auch die Mitarbeiter der LK-Bezirksstelle Imst, die Auswirkungen der Trockenheit bzw. den aktuellen Zustand der Felder zu eruieren. „Es war ein Trauerspiel“, berichtet Martin Kapeller nach dem Lokalaugenschein im Pitztal und Gurgltal, „das hintere Pitztal scheint mit einem blauen Auge davonzukommen, auf den nach Süden ausgerichteten Hängen im Vorderpitztal sieht’s katastrophal aus.“ Die Ernteeinbuße im zweiten Schnitt, dem Grummet, schätzt Kapeller auf mindestens 80 Prozent. „Auf den Feldern um Karrösten und Karres ist mit einem Totalausfall zu rechnen“, ergänzt der Imster LK-Bezirkschef Otmar Juen. Zudem herrscht auf den Almen Wasser- und Futtermangel, sodass mit einem früheren Abtrieb zu rechnen ist. Kapeller: „Die Simmeringalm beispielsweise wird seit einem Monat mit Wasser vom Tal versorgt. Dreimal täglich transportieren die Bauern abwechslungsweise mit einem Container das ,weiße Gold‘ in die Höhe.“

Speziell die tierhaltenden Grünlandbetriebe drehen sich heuer in einem Teufelskreis: Auf Grund der mageren Ernte muss Futter dazugekauft werden. Da die Trockenheit nahezu ganz Europa im Würgegriff hält, wird der Heupreis empfindlich steigen. Und für jene Betriebe, die sogar Tiere mangels Futter verkaufen müssen, ist klar: Der Viehpreis sinkt, weil das Angebot weit höher sein wird als in normalen Jahren. Martin Kapeller als Obmann des Agrarzentrums West weiß das auch: „Genau das werden wir bereits bei der ersten Versteige-rung Ende August erleben.“

Auch der Imster Bezirkshauptmann Raimund Waldner machte sich beim traditionellen Almbesuch ein Bild von der herrschenden Trockenheit: Unter der sachkundigen Führung von Rudolf Köll und im Beisein des Imsterberger Bürgermeisters Alois Thurner und Vize Anton Koler war heuer das Ziel die generalsanierte Imsterberger Alm, die Venet­alm. Die auf 1994 m Seehöhe gelegene Alm wurde 1935 errichtet und 2017/2018 fast komplett um rund 1,2 Millionen Euro erneuert. Letzten Sonntag, 5. 8., wurde sie offiziell wieder eröffnet.

Kölls Resümee: „Im Bezirk Imst leiden alle Almen unter der Trockenheit. Bis jetzt ist aber nicht bekannt, ob das Vieh von einer Alm vorzeitig ins Tal kommt. Auch bedingt durch das knappe Futterangebot des zweiten Schnittes wird versucht, das Vieh so lange wie möglich auf den Almen zu halten.“ Einem guten Beginn der Almsaison folgte nun die Hitzeperiode, die Almen in Kalkgebieten mehr als jenen im Urgestein zusetzte. (pascal, huda, peja)

Der zweite Schnitt, das so genannte Grummet, ist vielerorts nicht mehr zu retten, wie hier auf einem Feld im Gurgltal. Den Landwirten bleibt nur der so genannte Reinigungsschnitt – ohne Ausbeute.
- Daum