Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.08.2018


Exklusiv

Beim Seilbahnprogramm gerät Schwarz-Grün ins Schwitzen

Transitforum und Cipra für Wachstumsgrenzen in den Skigebieten. Felipe teilt Inhalte, aber nicht den Ton. Tratter: „Keine Neuerschließungen.“

© Thomas Boehm / TT



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Seilbahngrundsätze des Landes müssen bis Jahresende überarbeitet und ein neues Raumordnungsprogramm muss dafür erlassen werden. Die schwarz-grüne Landeskoalition verhandelt derzeit über neue Liftanlagen, Zubringerbahnen mit und ohne Pisten, Skigebietsgrenzen und die Erweiterung über mehrere Geländekammern hinaus. Eines ist allerdings fix: Neuerschließungen wird es keine geben. Doch das alles ist den Umweltorganisationen zu wenig, Fritz Gurgiser (Transitforum) und Peter Hasslacher von der Alpeninitiative Cipra nehmen deshalb LH Günter Platter und Raumordnungsreferent Hannes Tratter, beide ÖVP, im Allgemeinen und die Grünen im Besonderen in die Pflicht.

Gurgiser und Hasslacher orten eine Rückwärtsentwicklung mit einem isolierten Gondelblick sowie eine Aushöhlung der anfangs von Ex-LH Wendelin Weingartner (VP) ambitionierten Zielsetzungen. „Seit 2011 fand keine Weiterentwicklung statt“, kritisiert Hasslacher. Gurgiser sieht im Verkehr das große Problem und spricht sich für ein Ende der Wachstumsstrategie im Ski-Tourismus aus. Der zentrale Appell: keine neuen Erweiterungen, Zubringerbahnen und Zusammenschlüsse in verkehrsübersättigten Tourismusregionen, Endausbaugrenzen für die Skigebiete, Sicherung von bedeutsamen Sommertourismus- und Skitourengebieten und die volle Berücksichtigung der Alpenkonvention. Und die Skigebietsbetreiber müssten sich an innovativen Lösungen beteiligen, so Gurgiser.

Sichtlich enttäuscht ist der Transitforumchef von den grünen Umweltfightern, „was seit 2013 politisch in diesem Bereich erfolgt, möchte ich gar nicht kommentieren“, meinte er. Ein klares Nein kommt von Hasslacher und Gurgiser zum geplanten Zusammenschluss des Pitztaler mit dem Ötztaler Gletscher.

Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) teilt inhaltlich die Positionen der beiden Umweltorganisationen, „doch der Ton ist oft schon ein bisschen heftig“. Selbstverständlich würden alle diese Punkte in der Arbeitsgruppe diskutiert, großen Zusammenschlüssen etwa von Weer bis Tux stehe sie ebenfalls ablehnend gegenüber. „Ziel ist eine Fortschreibung des Programms im nächsten Jahr, jetzt erfolgt der Feinschliff. Und der Verkehr ist natürlich ein zentrales Thema“, fügt Felipe hinzu.

Bei den Gesprächen soll es sich derzeit bei den Geländekammern und den von den Touristikern gewünschten Pisten bei Zubringerbahnen spießen. Außerdem seien die forcierten neuen Liftanlagen noch zu unkonkret beschrieben, heißt es.

Tratter meinte in einer Reaktion auf die Kritik von den NGOs, dass die Tiroler Landesregierung derzeit an der Weiterentwicklung des Seilbahn- und Schigebietsprogramms arbeite. Sie bekenne sich in diesem Zusammenhang dazu, dass es zu keinen Neuerschließungen von Skigebieten in Tirol mehr kommt. „Skigebietszusammenschlüsse sollen dort möglich sein, wo sie sinnvoll und ökologisch verträglich sind“, betont Tratter. An diesen Grundsätzen werde sich die Regierung bei der Weiterentwicklung der Seilbahngrundsätze mit der nötigen Sensibilität für die Umwelt wie auch für den wirtschaftlichen Standort orientieren, stellt der Raumordnungsreferent fest.




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