Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.08.2018


Bezirk Reutte

Protest wird zur Ursache hin verlegt

Das Transitforum Oberland/Außerfern will in Kürze im öffentlichen Raum ein Maßnahmenpaket zum Verkehr einfordern, derweil die FPÖ einen komplett gegenläufigen Antrag im Landtag eingebracht hat.

Bei Reutte Süd wird bei hohem Verkehrsaufkommen Richtung Süden die Dosierampel aktiviert.

© MittermayrBei Reutte Süd wird bei hohem Verkehrsaufkommen Richtung Süden die Dosierampel aktiviert.



Von Helmut Mittermayr

Reutte –„Nein, eine Straßenblockade wird es nicht werden. Aber was wir zu sagen haben, werden wir auf oder an der Straße loswerden.“ Fritz Gurgiser kündigt das Hinaufschrauben der Forderungen des Transitforums Oberland/Außerfern um eine Wahrnehmungsebene an. In zwei Wochen soll in einer öffentlichen Veranstaltung im Raum Reutte „ein Sofortmaßnahmenpaket zur raschen Entlastung der B179, B189 und B171“ vorgestellt werden. „Weil es notwendig ist, nach mehr als 30 Jahren diversester Tunneldebatten zumindest das anzugehen, was möglich, notwendig und für die Betroffenen unverzichtbar ist“, erklärt Gurgiser – auch im Namen von BM Alois Oberer (Reutte), Alt-BM Albert Linser (Bichlbach), BM Paul Mascher (Biberwier), BM Josef Leitner und Obstbauer Hubert Wammes (beide Haiming). Vor allem fünf Forderungen haben es den Transitgegnern angetan:

• Tägliche unangemeldete Kontrollen des Lkw-Verkehrs über den Fernpass auf Einhaltung des 7,5-t-Limits sowie aller Vorgaben aus der StVO, dem KFG und Überwachung der Lenk- und Ruhezeiten.

• Evaluieren und Neufassen des bestehenden 7,5-t-Lkw-Fahrverbotes.

• Dosiersysteme in Zusammenarbeit mit den bayerischen Behörden sowie aus den Seitentälern des Inntales in Zusammenarbeit mit der Seilbahnwirtschaft, den Tourismusverbänden und der Tourismuswirtschaft.

• Nachhaltige und dauerhafte Sicherstellung der strategischen Wasserreserven im Tschirgantmassiv.

• Schwerpunkt Rückverlagerung von Arbeitsplätzen, Kaufkraft und Einkommen in die Gemeinden.

Dieses „Sofortmaßnahmenpaket“ sei innerhalb eines Jahres mit Experten erarbeitet worden, wie die Gruppe bekannt gibt. „Wir wollen parteifrei und unabhängig von sonstigen Einflüssen allfälliger Tunnellobbyisten ein Zeichen der Vernunft setzen und einfordern“, sagt Gurgiser. Seit mehr als 30 Jahren werde der Bevölkerung (Tunnel-)Sand in die Augen gestreut. „Das hat zur beschämenden Ist-Situation geführt, bei der der Wochenendstau bereits zu einem wohlerworbenen Unrecht geworden ist.“

Unabhängig davon hatte der Außerferner Wirtschaftsbund-Obmann Peter Müller im Zuge eines Pressegesprächs vor wenigen Tagen eingeräumt, dass ihn die Wirkung der Dosierampel als Teil der Fernpassstrategie des Landes Tirol sehr positiv überrascht habe. „Ich war sehr skeptisch und hatte mir eigentlich nichts erwartet. Nun muss ich aber sagen, dass der Verkehrsfluss von Reutte Richtung Fernpass dadurch erstmals auch bei hohem Verkehrsaufkommen gewährleistet ist“, erklärt der VP-Mann. Der unvermeidliche Stau werde dadurch auf die Umfahrung Reutte und nach Deutschland verlegt.

Die Transitforum-Gruppe fordert die Verwirklichung dessen, „was zum Teil im Regierungsprogramm enthalten ist, und erwartet sich breiteste Unterstützung aller politisch Verantwortlichen, vor allem aber auch der zuständigen Behörden in den Bezirkshauptmannschaften und dem Land Tirol“.

Völlig konträr zum Transitforum steht der aktuelle Antrag der Freiheitlichen im Tiroler Landtag, den sie im Juni eingebracht haben. Tirols Blaue fordern das Land auf, „rasch Probebohrungen für das Projekt Gartnerwandtunnel durchzuführen, um die technisch-geologischen Möglichkeiten dieses Projektes zu prüfen und um dadurch Kosten für eventuelle Fehlplanungen wie den Scheiteltunnel zu sparen“. Damit favorisieren die Freiheitlichen große Infrastrukturprojekte wie auch NEOS oder Alt-LA Maria Zwölfer von Impuls. Die „unerträgliche Verkehrsbelastung und die enormen Zuwachsraten von Pkw und Lkw an der B179“ könnten nur mit baulichen Großprojekten abgefangen werden, sind sich die Freiheitlichen Tirols längst sicher.