Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.09.2018


Bezirk Schwaz

Weiter warten bei der Achenseebahn

Bund und Land geben sich abwartend in Sachen Achenseebahn. Studien sollten zeigen, wie sinnvoll eine Elektrifizierung ist. Dass dafür Fremdgrund nötig wäre, ist auch Thema.

© DählingWohin der Weg für die Achenseebahn geht, bleibt unklar. Fest steht, so wie derzeit geht es nicht weiter.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Jenbach – Im Mai saßen LH Günther Platter (ÖVP) und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) an einem Tisch, um u. a. über die Zukunft der Achenseebahn zu sprechen. Das Ergebnis: die Bildung einer Arbeitsgruppe, die bis Ende Juni den Investitionsbedarf der Bahn ermitteln und eine strategische Planung für die nächsten Jahre auf die Beine stellen sollte.

Dieses Ziel ist mit Anfang September noch nicht erreicht, wie die TT auf Nachfrage im Verkehrsministerium erfuhr. „Es werden in dieser Arbeitsgruppe auf Beamten­ebene die verschiedenen Szenarien zwischen Bund und Land diskutiert. Eine Studie über den elektrifizierten Personenverkehr ist in Ausarbeitung und wird in ein paar Monaten vorliegen. Erst danach kann eine seriöse Aussage getroffen werden“, teilt ein Sprecher des Ministeriums mit. Nachsatz: Weil die Privatbahn bekanntlich 2015 aus dem MIP-Förderprogramm herausfiel, habe man rechtlich keine Verpflichtung, etwas zu unternehmen. Die Bahn erhalten wolle man aber, heißt es weiter. Es handle sich um eine vergleichsweise kurze Strecke für ein öffentliches Nahverkehrsmittel. Ob die Bahn durch beträchtliche Investitionen in eine Elektrifizierung zu einem effizienten öffentlichen Nahverkehrsmittel werden sollte, weiß man erst nach Vorlage der Studien­ergebnisse. An den Daten dazu arbeitet der Geschäftsführer der Achenseebahn, Georg Fuchshuber, selbst mit. Er liefert u. a. die Verkehrsfluss­analysen, über die die TT Samstag berichtet hatte. Und er sagte, der Bund sei für die Elektrifizierung und die Gleisverlängerung bis Pertisau. Aus dem Verkehrsministerium klingt es verhaltener. „Es ist ein Zukunftsprojekt, das zur Diskussion steht. Grundsätzlich dagegen sind wir nicht, sonst würden wir das Ganze nicht untersuchen“, teilt der Pressesprecher von Minister Hofer mit. Auch beim Land Tirol, wo die Bahn in den Zuständigkeitsbereich von LH Günther Platter fällt, gibt man sich abwartend. „Unser aktueller Kenntnisstand ist, dass das Bundesministerium für Verkehr intensiv Fördermöglichkeiten prüft. Bisher ist uns noch kein Ergebnis dieser Beratungen bekannt. Wir gehen aber davon aus, dass wir – sobald es hierzu Ergebnisse gibt – als Erstes davon in Kenntnis gesetzt werden, um entsprechende weitere Maßnahmen zu setzen“, erklärt Platters Pressesprecherin Katrin Pitt­racher.

Und was sagen die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden? „Die Elektrifizierung und eine Gleisverlängerung bis zu den Karwendeltälern ist eine interessante Perspektive, die mit Bund und Land besprochen wurde. Es braucht aber ein klares Bekenntnis samt Finanzierung“, meint BM Dietmar Wallner aus Jenbach, der von Kosten jenseits von 30 Mio. Euro ausgeht. So wie bisher gehe es nicht weiter. Ein sporadischer Dampfbetrieb sei etwas, das die Region aus touristischen Gründen wolle, aber keinen stündlichen Hauptverkehrsbetrieb. „Wenn man die Bahn will, wird man sich zur öffentlichen Nahverkehrsperspektive bekennen müssen. Sonst hat man den Bund nicht im Finanzboot“, betont Wallner.

Sein Amtskollege Josef Hausberger aus Eben bleibt zurückhaltend. Denn man benötige Fremdgrund zur Umsetzung der Elektrifizierung – auch ohne Gleisverlängerung. „Es braucht ein Projekt, eine Trasse und eine breite politische Diskussion mit den Betroffenen. Man wird nicht enteignen wollen. Solange die Betroffenen nicht eingebunden sind, will ich mich nicht näher äußern“, erklärt Hausberger. Man müsse sich aber selbstverständlich mit den Fragen beschäftigen, ob Pendler und Gäste mit Bus oder Bahn ins und aus dem Achental fahren. Das sei auch eine Kostenfrage.