Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.09.2018


Landespolitik

Land könnte MCI ohne Stadt realisieren

Neuausschreibung für das Management Center stockt, weil Innsbruck intern diskutiert und säumig ist.

© TT/Julia Hammerle3300 Studierende hat das MCI, die Hochschule ist derzeit auf fünf Standorte verteilt. Ein Neubau wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert.Foto: Hammerle



Innsbruck – Mitte Juli hat das Land Tirol in Absprache mit der Stadt Innsbruck den geplanten Neubau für das Management Center Innsbruck (MCI) gestoppt. Die aktuelle Kostenschätzung wies nicht wie ursprünglich veranschlagt 80 Millionen Euro aus, sondern rund 132 Millionen. Interne Analysen ergaben, dass alleine 30 Mio. Euro auf Marktpreisschwankungen sowie Indexsteigerungen zurückzuführen sind und diese ursprünglich offenbar viel zu gering bewertet wurden.

Andererseits waren die 80 Mio. Euro bereits nach dem Architektenwettbewerb 2016 nicht mehr realistisch, weil das Siegerprojekt eine deutlich größere Kubatur aufweist: nämlich knapp 126.000 statt 102.000 Kubikmeter.

Die projektübergreifenden Kosten mit der Stadt Innsbruck wie die Tiefgarage für Pkw und Busse trieben die Kosten darüber hinaus um fünf Millionen Euro nach oben. Die Neuausschreibung soll jetzt im Herbst erfolgen, wobei es erste Risse in der Partnerschaft mit der Landeshauptstadt gibt. Für das Land steht jedenfalls fest: Am MCI-Neubau wird festgehalten, der Standort ist ebenfalls fix, die Rahmenbedingungen müssen jedoch noch festgezurrt werden. Zuvor geht es noch darum, die alte Ausschreibung formal zu beenden.

Um 80 Millionen Euro wird sich die Hochschule nicht mehr realisieren lassen, zu sehr schnellten die Baukosten in den vergangenen zwei Jahren in die Höhe. Doch das größte Problem stellt derzeit die Stadt Innsbruck dar. Politisch hat sich die Stadtführung in eine Diskussion darüber verheddert, wie sie unter den neuen Voraussetzungen ihren Teil am angrenzenden Fennerareal nützen möchte. Soll es überhaupt einen Busparkplatz geben? Wenn ja, dann stellt sich die Frage, ob aus Kostengründen nicht oberirdisch. Fragezeichen stehen ebenfalls hinter der Pkw-Tiefgarage, dem Fußballplatz und der dafür gewünschten Tribüne.

Die Stadt wollte schon vor Wochen die Grundlagen abklären, auch mit dem Bund. Doch zwischenzeitlich herrscht Funkstille, obwohl die Zeit für eine Neuausschreibung im Herbst knapp wird.

Deshalb gibt es jetzt Überlegungen im Land, den MCI-Neubau alleine durchzuziehen – unabhängig von den Entscheidungen der Stadt. Die Entscheidungsschwäche der Stadt blockiert das Vorhaben, das Land hat seine Pläne in der Schublade. Ohne Innsbruck wäre das Land außerdem flexibler und müsste keine Rücksicht mehr auf die Stadt nehmen. Bereits in den nächsten Tagen könne das Land beschließen, den MCI-Neubau aus dem ursprünglichen Gesamtprojekt mit der Stadt herauszulösen. (pn)