Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.09.2018


Exklusiv

Anteilsverwaltung wird aufgelöst: Hypo Tirol wieder ganz beim Land

Seit 1998 verwaltete die Hypo Anteilsverwaltung die Aktien für die Landesbank. Ab 2019 sind das Land und der Landtag wieder direkt für die Hypo zuständig.

© Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es waren höchst wechselvolle und schicksalshafte 20 Jahre für die Hypo Tirol Bank. Mit der seinerzeit durch Altlandeshauptmann Wendelin Weingartner (VP) vorangetriebenen Umwandlung der Landesbank in eine Aktiengesellschaft wollte die Politik der dynamischen Entwicklung im Bankenwesen Rechnung tragen und der Landesbank einen flexiblen Handlungsspielraum geben. 1998 folgte die Umsetzung, die auch als Vorbereitung für die ursprünglich angedachte, aber letztlich gescheiterte Fusion mit der Südtiroler Sparkasse im Jahr 2001 dienen sollte.

Aus der zu 100 Prozent im Eigentum des Landes stehenden Hypo Bank – bis damals als Sondervermögen des Landes – wurde am 1. Jänner 1998 eine Aktiengesellschaft. Die bisherige Hypo gab ihre gesamten Bankgeschäfte ab und verwaltete bis heute als „Landes-Hypothekenbank Tirol Anteilsverwaltung“ das Aktienpaket. Und sie bestellt den Hypo-Aufsichtsrat, der wiederum den Vorstand besetzt. Im Hintergrund hat allerdings nach wie vor das Land das Sagen. Es haftet im Falle von Zahlungsunfähigkeit und entscheidet über einen möglichen Verkauf von Aktien an andere Unternehmen.

Die Politik sollte durch die Zwischenschaltung einer Anteilsverwaltung ebenfalls aus dem Tagesgeschäft hinausgedrängt werden. Ein frommer Wunsch, der sich so nicht erfüllte. Jetzt wird die Anteilsverwaltung mit dem Aufsichtsrat und dem Vorstand aufgelöst. So sieht es zumindest ein der TT vorliegender Gesetzesentwurf des Landes vor. Ab 1. Jänner 2019 wird das Land Tirol wieder unmittelbar alleiniger Eigentümer der Hypo Tirol Bank AG. Die Anteilsrechte bzw. die Aktien fallen in das Landesvermögen zurück und werden dort verwaltet.

Obsolet geworden ist mittlerweile die Gewährträgerhaftung des Landes für die Hypo. Denn die Verbindlichkeiten, die vom April 2003 bis April 2007 eingegangen wurden, sind ausgelaufen. Die Gewährträgerhaftung betrug 2006 noch elf Milliarden Euro. Übrig bleiben nur noch die unbefristeten Hypo-Haftungen von derzeit rund 192 Mio. Euro, die 2003 übernommen wurden. Die Bilanzsumme der Hypo Tirol lag im ersten Halbjahr 2018 bei 7,1 Mrd. Euro.

Künftig bestimmen also wieder direkt die Landesregierung und der Landtag über die Hypo. Nach der Begutachtung dürfte der Landtag bereits im Oktober die neue Struktur beschließen und nach Jahren einen Schlussstrich unter die Hypo-Anteilsverwaltung setzen.