Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Exklusiv

Fisser Golfanlage Driving Range war illegal

Einer Golfanlage in Fiss fehlte die Genehmigung – das Landesverwaltungsgericht bestätigte nun, dass die Driving Range rückgebaut werden muss. Laut Gemeinde hatte man „im guten Glauben“ gehandelt.

© ReichleDie Golfanlage wurde inzwischen gesperrt.Fotos: Reichle



Von Matthias Reichle

Fiss – Als „sonnigste Driving Range Tirols“ wurde sie im Internet beworben, nun sind dunkle Wolken aufgezogen.Wie sich herausstellte, hat der Golfclub Serfaus-Fiss-Ladis die Sportanlage direkt neben der Neuen Mittelschule in Fiss illegal errichtet. „Das stimmt“, bestätigt der Leiter der Umweltabteilung an der Bezirkshauptmannschaft Landeck, Manuel Wolf, eine anonyme E-Mail, in der die Tiroler Tageszeitung darauf hingewiesen wurde. Demnach fehlten dem rund ein Hektar großen Golfgelände nicht nur die naturschutzrechtliche Genehmigung, sondern auch die Widmung.

Nachdem die Behörde die Driving Range im Frühsommer eingestellt hatte, legten die Betreiber Beschwerde ein, die inzwischen auch vom Landesverwaltungsgericht Tirol behandelt wurde. „Wir wurden in zweiter Instanz bestätigt, es muss rückgebaut werden“, so Wolf. Das Gericht habe festgestellt, dass es sich bei der Anlage um einen Golfplatz handle. Der Golfclub, ein eingetragener Verein, hatte das Gelände circa seit 2015 betrieben. Es wurde auf Flyern und im Internet beworben – nicht nur auf der Seite der Golfer, sondern auch auf jener des Tourismusverbandes Serfaus-Fiss-Ladis. Das Angebot reichte von Schnupperstunden bis hin zu Platzreifekursen. Interessierte konnten auf einer Driving Range mit drei überdachten Plätzen ihren Abschlag trainieren, es gab aber auch eine Chipping Area für die flachen Annäherungsschläge, einen Sandbunker, ein Chipping Green und ein Putting Green.

Seit 2015 trainieren Golfer auf einer Anlage in Fiss. Wie sich herausstellte, war diese nicht genehmigt.
- Reichle

Die Frage ist, warum die Anlage so lange von der Behörde nicht entdeckt wurde? „Das ist eine gute Frage“, so Wolf, „es liegt etwas versteckt, wo man sonst nie hinschaut.“ Das Gelände befindet sich auf den Wiesen unterhalb der Parkgaragen am Ortseingang.

Der anonyme Absender der E-Mail sieht das anders: „Hier arbeiten die Behörden bei Kaffee und Kuchen wohl bestens zusammen. Nur durch eine Anzeige von Gemeindebürgern musste nun diese Anlage gesperrt werden, peinlich für die Behörden in Landeck und Innsbruck“, heißt es darin. Wolf weist diesen Vorwurf von sich. „Das stimmt so nicht, wir haben den Fall von Amts wegen aufgenommen. Es gab keine Anzeige.“ Die Sache sei aufgefallen, als man in der Nähe zu tun gehabt hätte. Das Strafverfahren wegen der illegalen Errichtung der Golfanlage sei derzeit noch im Laufen – die Betreiber dürfen demnach noch eine Strafzahlung erwarten.

Der Golfclub habe die Meinung vertreten, dass es sich um einen „Spielplatz für Erwachsene“ handle und dieser keine naturschutzrechtliche Bewilligung braucht, so Wolf. „Die Behörde ist da anderer Meinung. Auch ein Übungsgelände ist eine Sportanlage.“

Von einem „Spielplatz“ ist auch auf jenem Zettel zu lesen, mit dem das Golfgelände gesperrt wurde – nur in Klammer und in einer kleineren Schriftgröße räumt man ein, dass es sich um ein Golfübungsgelände gehandelt habe. Golfclub-Obmann Ludwig Ruetz verweist auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung auf Bürgermeister Markus Pale. Man habe im „guten Glauben“ gehandelt, erklärt dieser die Hintergründe. Demnach hätte es bereits seit rund zehn bis 15 Jahren eine Übungsanlage bei der Almbahn gegeben. Nachdem diese dem Bike Park weichen musste, hätte der Golfclub bei der Gemeinde wegen einer Alternative angefragt. Man schlug dem Verein die Wiese vor, die die Gemeinde Fiss selbst gepachtet hatte. Schließlich wurde die Driving Range von der Gemeinde auch nach dem Veranstaltungsgesetz als Spielplatz bewilligt. Mehr sei das auch nicht, so der Dorfchef. „Wir haben geglaubt, wir sind damit auf einem sicheren Weg.“

Die Golfanlage wurde nun behördlich gesperrt. Man will aber nicht aufgeben und sie nach Möglichkeit im kommenden Jahr wieder in Betrieb nehmen. Dazu sei bereits mit den entsprechenden Behörden ein erster Kontakt aufgenommen worden. Die Fläche ist immerhin seit Jahren im örtlichen Raumordnungskonzept als möglicher Platz für eine Sportanlage ausgewiesen worden, so Pale.




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