Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Landespolitik

Polizist abgezogen, Verhandlerin nicht

Grüne Bezirkssprecherin Karlen ortet zweierlei Maß bei Befangenheit. Thomas Zirknitzer, Sprecher der Gegner der Aussichtsplattform Seebensee, weist Vorwürfe, Demoaufrufe in Klassenzimmern verteilt zu haben, zurück.

© Mittermayr HelmutDie Demonstranten hatten sich zum stillen Protest gegen die geplante Aussichtsplattform vor dem Gemeindeamt in Ehrwald versammelt.Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Ehrwald – Die Demonstration gegen die geplante Aussichtsplattform vor dem Gemeindeamt Ehrwald am Dienstag und die Aufrufe dazu sorgen nun für Nachwehen. Thomas Schennach, der Chef des Tourismusverbandes Tiroler Zugspitz Arena, die die Plattform am Seebensee errichten will, hatte sich im TT-Interview beschwert, dass an Volksschule und Neuer Mittelschule Aufrufe zur Demonstrationsteilnahme im Unterricht verteilt worden seien. Dem widerspricht nun Thomas Zirknitzer, Sprecher der Initiative der Plattformgegner. „Ja, eine Lehrerin der Mittelschule wollte das machen, die Direktorin hat das aber sofort untersagt.“ Die Flugblätter seien dann vor der Schule den Kindern in die Hand gedrückt worden, damit sie sie mit zu ihren Eltern nach Hause nehmen können. „Da ist doch nur eine Information gewesen“, findet Zirknitzer nichts Anstößiges daran.

Wie berichtet, hatte sich auch Reuttes Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf im Vorfeld der Wasserechtsverhandlung zur Aussichtsplattform, die zeitgleich mit der Demo im Ehrwalder Gemeindeamt stattfand, intensiv mit der Frage beschäftigt, ob die BH-Juristin Maria Neururer als Verhandlungsleiterin befangen sein könnte, weil sie mit dem Ehrwalder Vizebürgermeister Haldor Schennach liiert ist – und die Gemeinde Ehrwald die Plattform befürwortet. Die Antwort war ein klares Nein, Neururer konnte die Verhandlung führen. Und hier hakt die Grünen-Bezirkssprecherin Regina Karlen ein. „Ich bin verwundert über den Umstand, dass die zuständige Sachbearbeiterin, die das Wasser für die Ehrwalder Bevölkerung verteidigt, als unbefangen erklärt wird, obwohl sie in enger Beziehung zum Vizebürgermeister und Projektbefürworter steht, aber ein Polizeibeamter, der für Ordnung während der Kundgebung zu sorgen gehabt hätte, wird als befangen von diesem Einsatz abgezogen, weil er in gleicher Beziehung zur Initiatorin der Protestkundgebung steht.“

Karlen weiter an Bürgermeister Martin Hohenegg gerichtet: „Bei der stillen Kundgebung vor dem Gemeindeamt in Ehrwald versammelten sich 120 Bürger und Bürgerinnen, 750 Menschen aus Ehrwald haben gegen das Projekt unterschrieben. Der Bürgermeister, Martin Hohenegg, sagt selbst, wäre die Idee von einem auswärtigen Investor gekommen, hätte er sie nicht unterstützt. Vielleicht sollte sein Ohr aber jetzt auch bei seinen Leuten und Gästen sein, und dem Projekt noch eine weitere Zeit der Interessenabwägung zugestanden werden.

Karlen sei nicht gegen Tourismus, sei er doch ein wesentlicher Faktor der Region. Und es gebe auch immer mehr Beispiele für sanften Tourismus, der allen zugutekommt, führt die Grüne weiter aus. Wer aber Tourismusattraktionen plane und umsetze, der müsse auch die Verantwortung für die negativen Auswirkungen übernehmen, fordert sie. An vielen Magneten des Tourismus, speziell aber auch im Seebenseegebiet, komme es vermehrt zu Klagen, dass hinter jedem Busch Taschentücher zu finden seien. „Entwickelt sich da eine neue Volkskultur, dass sich Menschen zum Schnäuzen verstecken, oder sollte sich der Tourismusverband überlegen, Gassisäckchen für Menschen positiv zu bewerben“, spottet Karlen zum Problemfeld Massentourismus und menschliche Bedürfnisse in freier Natur. All dies könne man jedenfalls in Zusammenhang mit den Sorgen der Ehrwalder und vieler Gäste bringen, die als ihre Protestbotschaft „Wasser ist Leben“ gewählt hätten. Für Karlen steht das Projekt Aussichtsplattform in direktem Zusammenhang mit dem Quellschutzgebiet von Ehrwald und damit der wasserrechtlichen Verhandlung.