Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Bezirk Reutte

Verkehrsbilanz Außerfern: Lechaschauer Brücke wie Fernpass

Die tägliche Verkehrsbelastung der Lechaschauer Brücke ist für Reuttes Bürgermeister Alois Oberer ein Grund zum sofortigen Handeln, das dortige Lkw-Aufkommen „unfassbar“. Tunnel in Reutte seien denkbar.

© TscholIm Jahr 2017 querten 4,94 Millionen Fahrzeuge die Lechaschauer Brücke. 317.000 davon waren Schwerfahrzeuge.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Donnerstagabend hatten sich wieder Reuttes Mandatare zur Gemeinderatssitzung im Sitzungssaal Säuling der Bezirkshauptmannschaft versammelt. Bürgermeister Alois Oberer präsentierte die aktuellen Verkehrszahlen des Bezirks Reutte für 2017. Für den Reuttener Marktchef fiel vor allem ein Vergleich dramatisch aus. Nämlich die praktisch identischen Verkehrsströme, die an der Messstelle B179 Fernsteinsee und an der Messstelle Lechaschauer Brücke erhoben wurden. Am Fernpass wurden im Jahr 2017 täglich durchschnittlich 13.885 Fahrzeuge erfasst, auf der Lechaschauer Brücke jeden Tag 13.657. Für Oberer eine unglaubliche Zahl, sei sie doch zu mehr als 80 Prozent hausgemacht. „Wir brauchen einen gemeindeübergreifenden Schulterschluss. So kann es nicht weitergehen.“

Jeden Tag rollen mehr als 1000 Lkw über die Brücke. „Im Jahr 2017 waren das 371.000. Eine unfassbare Zahl“, schüttelte es den Gemeindechef. Gerade das Gewerbegebiet Höfen laufe gut und erzeuge enormes Lkw-Aufkommen. Am verkehrsreichsten Tag hatten 18.625 Fahrzeuge die Lechaschauer Brücke gequert. An Sonn- und Feiertagen sind es immer noch 8995. Nur in der Nacht ging die Belastung von 22 bis 5 Uhr auf 575 Verkehrsteilnehmer zurück. Der Bürgermeister sieht eine immense Belastung für die Anrainer, gerade in der Lindenstraße.

An der Messstelle Höfen (Hornberg Richtung Weißenbach) ist der durchschnittliche tägliche Verkehr (dtV) schon auf 4861 zurückgegangen. Täglich 8796 Verkehrsbewegungen auf der Lechaschauer Brücke werden also allein durch Höfen, Wängle und Lechaschau generiert. „Die Nachbargemeinden können auch nicht mehr sagen, das geht uns nichts an“, versucht Oberer alle für eine gemeinsame Strategie ins Boot zu holen. Auch das Land müsse mitmachen, sieht er nur im Zusammenschluss aller eine Chance. „Und das wird schon schwer genug.“ BM Oberer kann sich auch vorstellen, über Tunnellösungen im Bezirkshauptort nachzudenken, wie sie in anderen Tiroler Orten schon erfolgreich angewendet werden.

-

Die grüne Gemeinderätin Barbara Brejla sorgte sich, ob damit nun eine Tunneldiskussion in Reutte eröffnet sei, und regte an, doch besser Öffis im 30-Minuten-Takt fahren zu lassen. Gemeinderat Ernst Hornstein merkte an, dass der öffentliche Personennahverkehr im Talkessel von Reutte „leider gestorben“ ist. BM Oberer: „1,4 Fahrgäste wurden pro Fahrt gezählt. Und da wurde ich noch gefragt, ob der Chauffeur mitgerechnet ist.“ Für Bauausschuss­obmann Robert Bader waren Umschichtungen immer denkbar: „Als die Lindenstraße Monate gesperrt war, hat es doch auch funktioniert. Es gibt Möglichkeiten.“ Oberer relativierend: „Aber auf Kosten anderer.“ Vizebürgermeister Klaus Schimana musste dem Bürgermeister Recht geben. „Wir müssen hier wirklich das Gespräch mit allen Nachbarn und dem Land Tirol suchen.“ Malermeister Hornstein schilderte auch das Unauskömmliche, wie seine Leute derzeit wegen eines Auftrages die Lechaschauer Brücke täglich zehnmal queren müssten.