Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.09.2018


Bezirk Kufstein

Aus für Vorsilvester: Kufstein lässt es nicht mehr krachen

Der Kufsteiner Stadtrat streicht das zur Tradition gewordene Großfeuerwerk am 30. Dezember. Damit ist das letzte Relikt des einst erfolgreichen Vorsilvesters der Top City Vergangenheit.

© Top City Wegen der Lärmbelästigung und aus Umweltgründen hat sich die Stadt laut Bürgermeister gegen das Feuerwerk entschieden.Foto: Top City



Von Jasmine Hrdina

und Wolfgang Otter

Kufstein – Das letzte Kapitel über das langsame Sterben des Kufsteiner Vorsilvesters (30. Dezember) ist geschrieben: Heuer wird die Stadt Kufstein auch das Feuerwerk am Tag vor dem eigentlichen Jahreswechsel streichen. Das beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung.

„Es hat angesichts der Feinstaubbelastung schon länger Diskussionen über den Sinn des Feuerwerks gegeben“, sagt Bürgermeister Martin Krumschnabel. Daher habe man sich aus Gründen der Umwelt- und Lärmbelastung dazu entschieden, die feurige und staubige Show zu streichen. Ersatzweise war über eine Lasershow gesprochen worden, „aber da haben wir nichts Besonderes gefunden“, fügt der Stadtchef an. Zugleich erspart man sich an die 10.000 Euro.

Mit dem Entschluss ist das letzte öffentliche Relikt der zwei Jahrzehnte lang erfolgreichen Mega-Party am Tag vor Silvester gefallen. Zwanzig Jahre lang hatte die städtische Festungsvermarktergesellschaft Top City das Fest mit zehntausend und mehr Besuchern organisiert. 2016 kam dann die Überraschung: Die Top City legte eine Pause ein, um letztlich ganz auf das Fest zu verzichten. Die Gründe lagen im monetären Bereich: Der Aufwand für die Sicherheitsauflagen war stark gestiegen, der Kartenverbrauch sank. Zudem war der Vorsilvester schon lange kein Fest für Kufsteiner mehr: 90 Prozent der Besucher kamen aus dem bayerischen Raum, teilweise mit Reisebüro-Bussen. Außerdem hatte sich ein wahrer Vorsilvesterboom entwickelt. In zahlreichen Nachbarorten gab es ähnliche Veranstaltungen.

Die Wirte am Unteren Stadtplatz versuchten, das Fest am Leben zu erhalten. Dafür gab es zumindest ein von der Stadt bezahltes Feuerwerk – gewissermaßen als Unterstützung. Eine gemeinsame Großveranstaltung scheiterte letztes Jahr aber an den gesetzlichen Rahmenbedingungen: Die behördlichen Auflagen machten es den Einzelunternehmen nicht leicht, erklärt Richard Hirschhuber (Auracher Löchl): „Wenn etwas passiert, haften auch die kleinen Betriebe – und das kann existenzbedrohend sein.“ So deutet alles darauf hin, dass es auch heuer wieder nur vereinzelte kleinere Partys geben wird. Auch Martin Stühlinger (Bar Albert) zieht dies in Erwägung, dass es kein Feuerwerk mehr geben wird, bedauert er aber. Hirschhuber hingegen begrüßt diese Entscheidung „wegen des Umweltgedankens“. Die vom TVB auch bei den Wirten kommunizierte Lasershow hätte er sich aber als Attraktion für die Feiernden schon gewünscht. „Andere Körperschaften müssten die Administration übernehmen, aber dann wären in Kufstein sehr viele Wirte motiviert, bei solchen Veranstaltungen mitzumachen“, ist der hiesige Unternehmer überzeugt.