Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.09.2018


Landespolitik

Vom Kraftwerksprotest zum e5-Programm

Pfunds war eine der ersten e5-Gemeinden in Tirol. Gestern feierte das Programm für Energieeffizienz dort seinen 20. Geburtstag.

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© Reichle



Von Matthias Reichle

Pfunds – Der Protest gegen das Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) war der Auslöser dafür, dass sich die Gemeinde Pfunds Gedanken über den eigenen Stromverbrauch zu machen begann. Mitte der 90er-Jahre stand das Megaprojekt, das sich inzwischen in Bau befindet, noch ganz am Anfang. „Wir haben gesagt, wenn wir schon dagegen sind, müssen wir etwas für die Energieeffizienz tun“, erinnert sich Bürgermeister Rupert Schuchter an die Diskussion.

Der damalige Dorfchef Peter Schwienbacher und Altbürgermeister Gerhard Witting traten an den Verein Energie Tirol heran. Damit sei Pfunds ein Vorreiter gewesen, erklärt dessen Geschäftsführer Bruno Oberhuber. Auch für ihn war das Neuland. „Wir brauchten ein Tool, um Gemeinden zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit Vorarlberg und Salzburg hat sich daraus das e5-Modell entwickelt. 20 Jahre ist das her – und Pfunds gehört zu den ersten Kommunen, die ihm beigetreten sind.“ Darum hatte Energie Tirol gestern auch in die Obergrichter Gemeinde geladen, um nach zwei Jahrzehnten Bilanz zu ziehen.

 Auf Holztafeln hatten die Gemeindevertreter ihre Visionen für mehr Energieeffizienz notiert.
Auf Holztafeln hatten die Gemeindevertreter ihre Visionen für mehr Energieeffizienz notiert.
- Reichle

Mit dem Programm, dessen Geldgeber Bund und Land sind, unterstützt der Verein Gemeinden bei der Steigerung ihrer Energieeffizienz. Die fünf „e“ werden wie die Hauben in der Spitzen­gastronomie den Kommunen verliehen und dienen nicht nur als Auszeichnung, sondern auch als Anreiz. „Jedes e ist viel Arbeit und wird auch regelmäßig evaluiert“, so Oberhuber.

Längst ist Pfunds, das drei „e“ sein Eigen nennt, nicht mehr allein – in den drei Bezirken Landeck, Imst und Reutte gibt es inzwischen zehn teilnehmende Kommunen: Arzl im Pitztal, Holzgau, Imst, Mieming, Mötz, Nassereith, Reutte, Roppen und Stams. Letztere ist mit derzeit vier „e“ Spitzenreiter im Oberland. Tirolweit sind 50 Gemeinden beim Programm dabei.

In Pfunds wurden seit Beginn zahlreiche Projekte umgesetzt: vom Kleinkraftwerk bis hin zur thermischen Sanierung, wie BM Schuchter und Vize-BM Peter Wille berichteten. Heute gibt es nicht nur einen zertifizierten Energieberater, sondern auch Schulprojekte, bei denen die Jugendlichen für das Thema sensibilisiert werden. „Wenn die was lernen, kommen sie heim und sagen: Mama, Papa, da können wir was anders machen“, so Wille. LHStv. Josef Geisler betonte, wie wichtig die e5-Gemeinden auch für die Energiestrategie des Landes seien. Sie setzen nicht nur zahlreiche Projekte um, sondern bringen auch den ein oder anderen Privaten dazu, etwas zu tun.