Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.10.2018


Exklusiv

Eine große Ehre auf Regimentskosten

Am Festakt 100 Jahre Republik von Salzburg in Wien nehmen auch die Traditionsverbände von Matrei in Osttirol teil. Daraus wurde ein zweitägiger Ausflug für 250 Personen.

© IseppDie Matreier Trachtenträger haben heute ihren großen Auftritt in Wien. Das Land finanziert den zweitägigen Ausflug kräftig mit.Foto: Isep



Matrei in Osttirol – In dieser Woche wurde im Gemeinderat der kritische Bericht der Bezirkshauptmannschaft Lienz zur finanziellen Situation der Marktgemeinde Matrei in Osttirol behandelt. Wie bereits im Juli berichtet, hat die Gemeinde nicht gedeckte Verbindlichkeiten von rund 3,7 Mio. Euro und die Girokonten sind mit 1,2 Millionen Euro überzogen. Bei den Sozialbeiträgen des Landes haben sich erneut Außenstände von 1,2 Millionen Euro angesammelt, im September hat Sozialreferentin LR Gabriele Fischer (Grüne) deshalb angekündigt, dass sie die Rückstände fällig stellt.

Doch offenbar gibt es in der Tiroler Landesregierung einen Schutzschirm für den Matreier ÖVP-Bürgermeister Andreas Köll. Trotz der Kritik der Bezirkshauptmannschaft, dass sich die finanzielle Lage der Gemeinde in den vergangenen Jahren nicht wirklich verbessert hat und Matrei als voll- bzw. überschuldet eingestuft wird, zögert das Land. Auch bei der Fälligstellung der Sozialabgaben. Und nicht nur das.

Natürlich ist es eine große Ehre, wenn die Traditionsverbände der Marktgemeinde und die Schützen im Speziellen als Ehrenformation zum großen Festakt des Landes Salzburg zu 100 Jahre Republik heute am Heldenplatz nach Wien eingeladen werden. Doch wie BM Andreas Köll betont, habe sich die Gemeindeführung außerdem erlaubt, gleich eine zweitägige Reise nach Wien, inklusive Schifffahrt auf der Donau mit der „MS Wachau“ für die Musikkapellen Matrei und Huben, die Schützenkompanie Matrei in Osttirol sowie den „Matreier Trachtenzug“, zu organisieren. 250 Personen umfasst die Matreier Delegation.

Natürlich muss das alles bezahlt werden. Da spielen offenbar die Abgabenrückstände beim Land keine Rolle. Und die knapp 55.000 Euro, die die Gemeinde ihren Bediensteten aufgrund der Neuberechnung des Vorrückungsstichtages eigentlich nachzahlen muss, wohl ebenfalls nicht. Eine Auszahlung sei bislang noch nicht erfolgt, heißt es dazu im Prüfbericht der Bezirkshauptmannschaft.

Rund 70.000 Euro kostet der Ausflug nach Wien, mehr als 15.000 Euro muss die Gemeinde jedoch selbst aufbringen. Während Finanzreferent und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) derzeit strenge Budgetverhandlungen führt und bei den Ermessensausgaben (u. a. Förderungen) zehn Prozent gekürzt werden, gibt es hingegen Geld für die seit Jahren säumige Marktgemeinde Matrei. So frohlockt Bürgremeister Andreas Köll, dass „die Buskosten dankenswerterweise von der Abteilung Repräsentationswesen des Landes Tirol – über persönliche Zusage von LH Günther Platter – übernommen“ werden. Während die Sozialabteilung des Landes seit Monaten auf Geld aus Matrei wartet, unterstützt der Landeshauptmann die zweitägige Reise nach Wien.

In Platters Büro bestätigt man die Unterstützung. „Für die Delegation aus Matrei hat das Land Tirol zweckgebunden eine Unterstützung für die Kosten der fünf Reisebusse zugesichert. Die Kosten wurden mit 13.500 Euro gedeckelt und werden erst nach Rechnungslegung zur Auszahlung gebracht“, heißt es in einer Stellungnahme.

Doch nicht nur das Land, sondern weitere öffentliche Institutionen finanzieren den zweitägigen Ausflug mit: Die Übernachtungskosten werden etwa vom Tourismusverband Osttirol übernommen, für den Heurigen-Besuch gestern Abend kommt die Felbertauernstraße AG auf. Vorstand Karl Poppeller fährt laut offizieller Mitteilung der Markgemeinde Matrei auch mit.

Für Bürgermeister Andreas Köll stellt es naturgemäß „eine große Ehre dar, an diesem einmaligen Ereignis in Wien“ teilnehmen zu können. Im Landhaus in Innsbruck sieht man das hingegen anders, wenngleich den Mitgliedern von Schützen und Musik die Teilnahme gegönnt werde. Offenbar würden diejenigen auch noch belohnt werden, die dem Land seit Jahren auf der Nase herumtanzen würden, heißt es hinter vorgehaltener Hand. (pn)