Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.10.2018


Bezirk Landeck

Baustart für „Achterbahn“ am Venet

Der Bau des Rollbobs am Venet hat in dieser Woche begonnen. Der Landesumweltanwalt verzichtete auf sein Beschwerderecht. Wenn das Wetter mitspielt, könnte die Anlage noch heuer in Betrieb gehen.

Ein erstes Probesitzen: Vorstand Werner Millinger und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Hittler im Bob, Vorstand Peter Vöhl und BM Wolfgang Jörg (v. r.) sowie BM Siggi Geiger (l.). Der Originalbob wird schwarz-grün.

© ReichleEin erstes Probesitzen: Vorstand Werner Millinger und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Hittler im Bob, Vorstand Peter Vöhl und BM Wolfgang Jörg (v. r.) sowie BM Siggi Geiger (l.). Der Originalbob wird schwarz-grün.



Von Matthias Reichle

Landeck, Zams – Am 4. Oktober fand die naturschutz- und forstrechtliche Verhandlung statt, vier Tage später kam der positive Bescheid, und am 10. Oktober verzichtete auch der Landesumweltanwalt auf sein Beschwerderecht – womit die Venet Bergbahnen AG grünes Licht hatte. Auch dann ging es Schlag auf Schlag. Ein erster Teil des Rollbobs wurde am Freitag vergangener Woche geliefert. Sechs Sattelschlepper luden die neue Attraktion für den Krahberg in der Fließerau ab – von dort wurde das Baumaterial auf den Berg transportiert. Am Montag begannen dann die Bauarbeiten.

Der Verzicht mache für die Landesumweltanwaltschaft durchaus Sinn, wie es aus deren Büro heißt. Es wurden keine gravierenden Beeinträchtigungen attestiert. So könne man nun außerhalb der Vegetationsperiode starten und rechtzeitig mit der Renaturierung beginnen.

Auf der gelb eingezeichneten Strecke geht’s bergab.
Auf der gelb eingezeichneten Strecke geht’s bergab.
- Reichle

Es sei kein herkömmlicher Coaster, den die Venet Bergbahn AG hier baue, „es ist eine Achterbahn im Gelände“, stellte Vorstand Werner Millinger bei der Präsentation eines Bobs diese Woche klar. In den engen Kurven wirken bis zu 2,3 G auf die Bob-Piloten. Zum Fototermin hatte er das Sportgerät in Geschenkspapier einpacken lassen und überließ es den Standortbürgermeistern, es auszuwickeln.

Zwölf solcher Bobs und ein Räumfahrzeug für den Winter wurden bestellt. Auf Schienen können die Benützer der Anlage damit den Berg hinunterflitzen. Sie ist rund 800 Meter lang und überwindet dabei 100 Höhenmeter. Geplant ist, dass nach dem Aufbau, ab 15. November, die Abnahme- und Inbetriebnahmephase beginnt, diese dürfte zwei Wochen dauern. Womit ein Start zu Beginn der Wintersaison möglich wäre. „Das ist total wetterabhängig“, so Millinger. Wobei das Wetter bisher perfekt mitgespielt habe, wie die beiden Vorstandskollegen und Bürgermeister Wolfgang Jörg (Landeck) und Siggi Geiger (Zams) betonten. Was derzeit noch fehlt, sind die Bobs, einzelne Kurvenelemente und ein Plexiglas-Tunnel, der die Bahn bis hin zur ersten Kurve überdacht und der erst produziert werden muss – in vier bis sechs Wochen soll auch er geliefert werden.

Der Rollbob ist mit 1,4 Mio. Euro das teuerste Projekt, in einem Investitionspaket, das die Mehrheitseigentümer der Bergbahnen, die Gemeinden Landeck und Zams, erst heuer abgesegnet haben. In fünf Jahren fließen 2,5 Mio. Euro in das Unternehmen, das in den letzten Jahren immer wieder Zuschüsse benötigte. Man habe die Möglichkeit, zuzusperren oder zu investieren und etwas daraus zu machen, hatte Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Hittler bei der Präsentation der Investitionen erklärt.

Das Material für den Bau ist bereits auf dem Berg.
Das Material für den Bau ist bereits auf dem Berg.
- Millinger

Für Millinger ist der Rollbob ein weiterer Einnahmenbringer: „Es ist Österreichs erste derartige Anlage“, betont er. Es sei ein Ganzjahresangebot und nicht nur für den Tagesgast gedacht, sondern auch für den Hotelgast. Die Kapazität des Rollbobs sind 250 Personen pro Stunde. Millinger will noch keine genaue Schätzung abgeben, wie viele Fahrten man tatsächlich verzeichnen wird. „Es können 1000 am Tag sein, aber auch 200.“ Für den Betrieb benötige man nur einen Mitarbeiter.

Mit dem heurigen Sommer sei man übrigens zufrieden. Die Venet Bergbahnen AG verzeichnete 20 Prozent mehr Fahrten – auch weil heuer der Sessellift Süd für die Tobi Carts in Betrieb war. Allein die E5-Wanderer hätten 20.000 Tickets auf den Krahberg gelöst.

Außerdem hat das Unternehmen kürzlich eine Auszeichnung bekommen. Die Venet Bahn wurde als „Beste Österreichische Sommer-Bergbahn“ in den Kategorien „Genuss“ und „Natur-Erlebnis“ zertifiziert. Tirolweit tragen 25 Bergbahnen dieses Zertifikat, in den beiden Kategorien nur drei.

Symbolisch wurde ein Rollbob vom Vorstand ausgepackt.
Symbolisch wurde ein Rollbob vom Vorstand ausgepackt.
- Reichle