Letztes Update am Di, 23.10.2018 16:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Südtirol-Wahl

Causa Doppelpass: Südtirols Schützen nehmen Platter unter Beschuss

Das Land Tirol werde die Doppelpass-Initiative der türkis-blauen Bundesregierung nicht forcieren, erklärte Tirols LH Platter am Dienstag. Vom Südtiroler Schützenbund hagelte es dafür heftige Kritik.

Landeshauptmann Günther Platter mit Südtirols LH Arno Kompatscher.

© APA/EXPA/GroderLandeshauptmann Günther Platter mit Südtirols LH Arno Kompatscher.



Innsbruck, Bozen - Nach der Landtagswahl in Südtirol hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter die türkis-blaue Initiative für den Doppelpass in Frage gestellt. Wie Platter am Dienstag betonte, wird das Land Tirol die Pläne der Bundesregierung für die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler nicht forcieren.

Platter erklärte, dass man bei der Wahl in Südtirol gesehen habe, dass der Doppelpass in der Bevölkerung keine Rolle spiele. Auf die Frage, ob er auch der Bundesregierung empfehlen werde, die Pläne für die Umsetzung des Doppelpasses einzustellen, meinte Platter: "Die Wünsche werde ich in einem persönlichen Gespräch übermitteln."

Südtiroler Schützenbund attackiert Platter scharf

Platters Aussagen wurden daraufhin vom Südtiroler Schützenbund scharf kritisiert. Platter verprelle mit seinem Vorstoß viele Österreich- und Tirol-freundliche Kräfte in Südtirol, erklärte Landeskommandant Elmar Thaler in einer Aussendung.

"Das ist sehr schade und hätten wir von ihm nicht erwartet", zeigte sich Thaler vom Tiroler Landeschef enttäuscht. Noch im Jahr 2014 habe Platter bei der Gedenkrede in Meran angekündigt, dass man in ihm einen sehr verlässlichen Partner in Sachen doppelter Staatsbürgerschaft haben werde. "Wie man sieht, ist die Überzeugung von Politikern je nach tagesaktuellen Ereignissen vergänglich und austauschbar - ein Umstand, den sich die Wählerschaft, wie in Südtirol vorgeführt, stets vor Augen halten sollte", griff der Landeskommandant den Landeshauptmann frontal an.

"Ein denkbar schlechter Wahlanalytiker"

Platter scheine ein "denkbar schlechter Wahlanalytiker" zu sein, bezog sich Thaler auf dessen Aussagen, wonach sich im Landtagswahlergebnis vom Sonntag auch die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft bzw. deren angeblich geringe Bedeutung für viele Südtiroler widerspiegle. "Wer die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft unmittelbar mit dem Wahlausgang in Südtirol verknüpft, denkt entweder zu kurz oder geht medialen Opportunisten auf den Leim", so Thaler.

So gut wie alle Parteien, die bisher im Südtiroler Landtag vertreten waren, hätten bei der Wahl verloren ? ganz unabhängig davon, ob sie Befürworter oder vehemente Gegner des Doppelpasses waren. Gewonnen habe hingegen das Team Köllensperger.

Dessen Vorsitzender, Paul Köllensperger, sei genau einer jener 19 Landtagsabgeordneten gewesen, die sich im November 2017 in einem Schreiben an die Chefs von ÖVP und FPÖ gewandt hatten - mit der Bitte, die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler in das künftige Koalitionsabkommen der türkis-blauen Regierung aufzunehmen, erinnerte der Landeskommandant der Schützen. (TT.com)