Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Exklusiv

Nachbesetzung des Klinikdirektors: Erhöhter Puls am Herzzentrum

Wieder herrscht Aufruhr an der Kardiologie in Innsbruck. Es geht um die Nachbesetzung des Klinikdirektors. Medizin-Uni und Land verhandeln über ein Studium für Hausärzte.

Wer soll neuer Chef des Herzzentrums werden? Nicht allen gefällt der Dreiervorschlag der Uni.

© PaumgarttenWer soll neuer Chef des Herzzentrums werden? Nicht allen gefällt der Dreiervorschlag der Uni.



Von Gabriele Starck

Innsbruck – Eine ruhige Universität wäre eine tote Universität. Das meinte Medizin-Rektor Wolfgang Fleischhacker anlässlich seiner Amtseinführung vor einem Jahr – angesprochen auf die andauernden Auseinandersetzungen sowohl im Inneren als auch im Zusammenspiel mit Land und Tirol Kliniken. Ein Jahr später ist für den Uni-Chef „viel in Bewegung“ – im positiven Sinne. Ganz ruhig im Sinne von friedlich ist es allerdings auch nicht.

Für böses Blut sorgt derzeit die bevorstehende Neubesetzung der Kardiologie. Seit Wolfgang Michael Franz Ende 2015 als Klinikdirektor abberufen wurde, wird die Innere Medizin III interimistisch geleitet. Im Sommer 2017 wurde der vakante Posten ausgeschrieben, im Frühsommer folgten die Hearings. Der Dreiervorschlag, den die Berufungskommission daraufhin erstellte, ließ allerdings die Wogen hochgehen.

Ein hausinterner Bewerber mit einiger Forschungsreputation schien gar nicht auf, stattdessen zwei deutsche Herzspezialisten – Axel Baue­r von der Uni München und Christian Templin vom Universitären Herzzentrum Zürich. Der Erstgereihte aber ist ein alter Bekannter: Hanne­s Alber, einst enger Mitarbeiter des 2013 emeritierten Chef-Kardiologen Otmar Pachinger. Alber war bis 2016 an der Innsbrucker Kardiologie tätig und in der Zeit auch am Aufbau des Reha-Zentrums in Münster beteiligt. Seit 2017 leitet er die Abteilung Kardiologie am LKH Klagenfurt. Es ist kein Geheimnis, dass der 49-Jährige der Wunschkandidat der anderen Klinikchefs an der Inneren Medizin ist und er auch im Land Fürsprecher hat.

Dennoch sind nicht alle einverstanden mit dem Dreiervorschlag. Manch einer bemängelt etwa eine geringere Forschungsaktivität im Gegensatz zu anderen Bewerbern. Zudem gingen anonyme und auch wenig vornehme E-Mails herum. Und zu guter Letzt landete eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Ministerium. Nicht die Tatsache, dass sich keine Frau auf dem Dreiervorschlag befindet, war der Grund. Vielmehr warf man darin der Berufungskommission vor, die vorliegenden Gutachten zu wenig berücksichtigt zu haben.

Das aufsichtsbehördliche Verfahren sei mittlerweile eingestellt, sagt Rektor Fleischhacker. Man habe in Wien die Causa erörtert, sie wurde geprüft und nun abgehakt. Demnächst werde das Rektorat Gespräche mit den drei Bewerbern führen. Fleischhacker, der die Letztentscheidung trifft, betont, dass heute Forschungs-, Lehr- und Krankenversorgungskompetenz allein nicht mehr ausreichten. Es brauche auch Managementerfahrung mit besonderem Blick auf die Förderung der Mitarbeiter – alt wie jung. Es könne nicht nur von Impact-Punkten und der Höhe der Drittmitteleinwerbung abhängen. Ein Klinikdirektor müsse auch motivieren, leiten und kommunizieren können. Alle drei Bewerber versprächen dies, sagt der Rektor. Nun müsse geschaut werden, wer der passendste sei.

In Bewegung ist die Medizin-Uni auch, was die Ausbildung von mehr Hausärzten für Tirol angeht. Man verhandle mit dem Land gerade konkret darüber, sagt Fleischhacker. So könnte es ein eigenes Studium neben dem Human- und dem Zahnstudium geben oder zumindest ein Ergänzungsstudium, sagt er: Das hänge von der Finanzierung ab.

Auch habe er Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP) schon mehrfach daran erinnert, dass dieser in Vorwahlzeiten über eine Stiftungsprofessur des Landes für Allgemeinmedizin gesprochen habe. All das würde eine vom Land eingerichtete Medical School „nicht mehr notwendig machen, wenn ich diese vorsichtige Formulierung benutzen darf“. Eine Grundsatzentscheidung darüber erhofft sich der Medizin-Rektor noch in diesem Jahr.