Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Pitztaler Gletscher

Platter sauer wegen Pitztal: Dem Ruf des Tourismus wird geschadet

Große Empörung wegen illegaler Bautätigkeiten am Pitztaler Gletscher. Mair für temporäre Bausperre, Gletscherbahnen sprechen von Sanierung.

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© Thomas Boehm / TT



Von Peter Nindler und Verena Langegger

Innsbruck – Um 120 Mio. Euro soll der Pitztaler mit dem Ötztaler Gletscher verbunden werden, mit Verzögerung werden die verbesserten Unterlagen für die Seilbahnverbindung jetzt für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorgelegt. 42 Gutachter sind am Werk. Doch die illegalen Bautätigkeiten für einen Skiweg am Pitztaler Gletscher samt teilweiser Zerstörung des Grats zum Brunnenkogel stellen das Vorhaben in den Schatten. Der Skiweg wurde dieser Tage von der Behörde gesperrt.

Ohne naturschutzrechtliche Genehmigung wurde Fels abgetragen und der Weg verbreitert. „Wir waren der Meinung, dass dies im Rahmen der ordentlichen Instandhaltungsarbeiten möglich sei. Ein Verfahren zur Klärung ist derzeit anhängig“, hieß es gestern in einer Stellungnahme der Gletscherbahnen. Zwischenzeitlich wird im Land geprüft, ob dafür nicht eine UVP notwendig wäre, trotzdem erfolgten weitere Bautätigkeiten: Stangen für ein Sicherheitsnetz wurden in das Gestein gebohrt. Wieder ohne Bewilligung. Was sagen die Gletscherbahnen dazu? „Wir waren der Ansicht, dass dies im Rahmen der Sorgfaltspflichten zum Schutz der Menschen notwendig sei, um einen sicheren Skibetrieb zu gewährleisten.“

Tourismusreferent LH Günther Platter (VP) schäumt und steht hinter der Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft Imst. „Es war notwendig, dass die Bezirkshauptmannschaft als zuständige Behörde umgehend reagiert hat.“ Damit wird laut Platter ein unmissverständliches Zeichen gesetzt, dass im Land Tirol Gesetze einzuhalten sind. „Das muss ein für alle Mal klargestellt sein. Mit solch unüberlegten Aktionen wird dem Ruf des Tourismus insgesamt geschadet.“

Nicht glücklich ist auch der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner: „So wie das im Pitztal gelaufen ist, war das nicht günstig. Allerdings haben wir auf den Gletschern ein Sicherheitsthema. Das heißt, die gesetzlichen Vorgaben lassen sich manchmal nicht mit dem vereinbaren, was aktuell passiert.“ Trotzdem: Es sei nicht ideal gewesen, aber von der Logik her sei es ein Gebiet umgeben von Liften und Pisten. Falkner: „Es war eine Situation, in der man handeln musste. Denn man kann nicht gegen die Natur arbeiten.“

Der grüne Klubchef Gebi Mair will sich nicht nur mit Sanktionen zufrieden geben. Wie schon im Frühjahr fordert er erneut eine vorläufige Bausperre für Pitztal/Ötztal. „Bei Verstößen gegen das Naturschutzgesetz soll dort automatisch eine temporäre Sperre in Form eines Schutzgebietes entstehen.“ Vom Koalitionspartner ÖVP kommt postwendend die Absage: „Verfassungsrechtlich ist das nicht möglich und auch für uns kein Thema“, sagt VP-Klubchef Jakob Wolf.

Liste-Fritz-Mandatar Markus Sint ist gegen die Mega-Gletscher-Ehe und verlangt den Stopp aller Förderungen für Seilbahnunternehmen, die sich nicht an Gesetze halten. „Die schwarz-grüne Platter-Regierung muss ein Zeichen setzen.“ SP-Vize Georg Dornauer schlägt einen Krisengipfel zum Zusammenschluss von Ötztaler und Pitztaler Gletscher vor. „Eine ehrliche Aussprache würde dem Projekt eine neue Basis geben“, betont Dorn­auer und unterstreicht, dass die SPÖ hinter dem Zusammenschluss stehe.

Von einem Affront gegenüber dem Gesetzgeber und allen, die sich für ein vor allem in Tirol notwendiges Miteinander von Natur und Wirtschaft engagieren, spricht Transitforum-Chef Fritz Gurgiser. „Wer mit der einzigartigen Natur am Berg derart umgeht, sich im Tal nicht um die Belastungen in den Zu- und Abbringergemeinden schert, verdient es nicht, als Gesprächspartner ernst genommen zu werden.“