Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.10.2018


Exklusiv

Fronten um TSD-Neustart bleiben hart

Mitarbeiter klagen laut Liste Fritz über anhaltende Mängel und Missstände. Landesrätin Fischer (Grüne) hält an Kurs fest.

null

© Thomas Boehm / TT



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — Die derzeitige interimistische Leitung der Landes-Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste (TSD) habe keinen Überblick über ihre Mitarbeiter. Mitarbeiter müssten sich im Krankheitsfall selbst Vertretungen organisieren. Seit 2016 habe die Personalleitung viermal, das Zeiterfassungssystem dreimal gewechselt. Das Telfer Heim (bis zu 90 Asylsuchende inkl. Außenhäuser) sei ohne Führung, erst Ende Oktober soll ein neuer Heimleiter gefunden sein — der aber zugleich die Schließung des Heims am Hofgarten in Innsbruck abwickeln müsse. Auch die Häuser in Imst seien über lange Zeit führungslos gewesen.

Das alles sind Vorwürfe, welche noch aktive TSD-Mitarbeiter der Liste Fritz geschildert haben sollen. Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider und LA Markus Sint gingen gestern damit an die Öffentlichkeit. Die Mitarbeiter, so betonen beide, seien engagiert und teils nur deshalb noch im Dienste der TSD, weil ihnen ihre Klienten am Herzen liegen würden. „Wenn dann aber genau solche Mitarbeiter in einer Landesgesellschaft am Verzweifeln sind, dann herrscht höchster Handlungsbedarf", sagt Haselwanter-Schneider.

„Eine schlechte Organisation wird nicht dadurch besser, dass man ihr einfach neue Aufgaben gibt“, so Markus Sint
.
„Eine schlechte Organisation wird nicht dadurch besser, dass man ihr einfach neue Aufgaben gibt“, so Markus Sint
.
- Foto TT / Rudy De Moor

Die Trennung von TSD-Geschäftsführer Harald Bachmeier hat das Land im September bekannt gegeben. Dass dieser bereits im Oktober als neuer Chef der Caritas München (mit 1. Jänner 2019) präsentiert wurde, stieß alle in Tirol vor den Kopf. Ex-Soziallandesrätin Christine Baur (Grüne) ist nicht mehr im Amt. Dass viele in den beiden die Hauptverantwortlichen für das „Desaster TSD" sehen, unterstrich Sint gestern neuerlich. Für ihn präsentiert sich die TSD derzeit „führungslos, konzeptlos und chaotisch". Die Schlussfolgerung der Liste Fritz daraus: Es brauche einen Neustart. Und zwar einen radikalen. Mit einem bloßen Köpfetausch in der Führungsebene und einer neuen Aufgabe (Obdachlosenbetreuung) sei es jedenfalls nicht getan, ist die Liste Fritz überzeugt. Darin irre die nunmehrige Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne), so Sint. Allen voran müsse das Land die ausgelagerte Gesellschaft wieder in die Landesverwaltung rückführen. Derzeit habe der Landtag keine Kontrolle über die Gesellschaft — weder politisch noch finanziell. Und dann müsste auch das neue Aufgabengebiet der TSD klar geregelt werden. Denn dass sich mit der bis Ende 2019 angestrebten Mitarbeiterreduktion von 281 auf 80 auch eine qualitätsvolle Betreuung der dann in Tirol zu betreuenden knapp 1650 Flüchtlinge gewährleistet werden kann — das bezweifelt Sint.

Während von Seiten der TSD gestern weder der zuständige Prokurist noch der Betriebsrat für eine Stellungnahme zu erreichen waren, wehrt sich Landesrätin Fischer gegen die Kritik der Liste Fritz: „Strukturell gesehen muss die Heimleitung nicht zwingend jeden Tag vor Ort sein." Man befinde sich in guter Abstimmung mit dem Betriebsrat, die Verunsicherung der Mitarbeiter könne sie verstehen. Man sei derzeit auf der Suche nach einer neuen Geschäftsführung — diese solle die nötigen Weichenstellungen vornehmen. Eine Rückführung der Gesellschaft zum Land werde es aber nicht geben, bleibt Fischer ihrem Kurs treu: „Es braucht Flexibilität. Ich halte das für die richtige Struktur."




Kommentieren


Schlagworte