Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.10.2018


Innsbruck-Land

Polit-Zank rund um Regionalbus im Sellrain

Der Öffi-Verkehr im Sellraintal und den angrenzenden Gemeinden sorgt für einen politischen Schlagabtausch zwischen LA Floria­n Riedl (VP) und dem Sellrainer Bürgermeister und SPÖ-Landtagsabgeordneten Geor­g Dornauer.

„Wir brauchen keine Nebelgranaten, die all jene, die seit einem Jahr am Projekt arbeiten, eher irritieren.“ Georg Dornauer
 (BM Sellrain)

© Andreas Rottensteiner„Wir brauchen keine Nebelgranaten, die all jene, die seit einem Jahr am Projekt arbeiten, eher irritieren.“ Georg Dornauer
 (BM Sellrain)



Sellrain – Der Öffi-Verkehr im Sellraintal und den angrenzenden Gemeinden sorgt für einen politischen Schlagabtausch zwischen LA Floria­n Riedl (VP) und dem Sellrainer Bürgermeister und SPÖ-Landtagsabgeordneten Geor­g Dornauer. Riedl wirft Dornaue­r „Blockadehaltung“ vor, weil die SPÖ im Verkehrsausschuss des Landtages „gegen die Einführung eines Regionalbusses für die Gemeinden des Sellraintales sowie Oberperfuss, Ranggen, Unterperfuss und Kematen“ votiert hab­e. Ziel des schwarz-grünen Antrags, über den im November-Landtag abgestimmt wird, sei eine „bessere Anbindung der zerstreuten Siedlungen an den öffentlichen Nahverkehr und somit die Schaffung eines zusätzlichen Mobilitätsangebotes bis nach Kematen“.

Riedl findet es „schade“, wenn ein betroffener Bürgermeister gegen die Einführung eines „Mikro-ÖV-Systems“ im eigenen Tal sei. Fakt sei, dass der Wunsch nach einer zusätzlichen Anbindung aus der Region komme, „seit Jahren nichts passiert sei“ und nun drei mögliche Varianten mit den Bürgermeistern, dem Land und dem Verkehrsverbund (VVT) diskutiert würden. „Das Ergebnis des Prozesses wird als Finanzierungsgrundlage dienen und auf ein Jahr ausgelegt sein.“

Der Kemater Vizebürgermeister Klaus Gritsch (Unser Kematen) ergänzt, dass es in seiner Gemeinde eine Lösung für den Zubringerverkehr brauche. „Sollte sich der Gemeinderat von Sellrain gegen diese einmalige Chance aussprechen, ist das natürlich sehr schade für das ganze Sellraintal. Allerdings bleibt dann noch die Variante mit Ranggen und Oberperfuss.“

GR Alexander Haider (Gemeinsam für Sellrain) betont, dass mit dem Antrag für Sellrain und die Region „ein lang­ersehntes Ansinnen endlich umgesetzt“ werden könne.

Für BM Georg Dornauer stellt sich die Debatte völlig anders dar: Nicht nur die SPÖ, sondern die gesamte Opposition habe in den Landtagsausschüssen gegen den Antrag von Schwarz-Grün gestimmt. „Denn tatsächlich ist das Ganze bereits auf Schiene“, betont Dornauer. „Die Initiative dazu läuft schon seit einem Jahr und wir arbeiten weiter an dem, was geplant war und ist: eine Ausschreibung für das gesamte Sellraintal und zwei neue, zusätzliche Achsen – eine über die Gasse nach Oberperfuss und Kematen, die andere über den Sellrainer Ortsteil Tann­eben und Grinzens bis Axams.“ Genau darüber habe er mit den Bürgermeisterkollegen von Oberperfuss und Grinzens sowie dem VVT einen Konsens herstellen können. Auch VVT-Geschäftsführer Alexander Jug sei klarerweise von Beginn an eingebunden gewesen, so Dornauer – wobei die ersten Besprechungen nachweislich in Sellrain stattgefunden hätten. „Wir sind jetzt bereits in der Ausschreibungsphase“, sagt er, „und brauchen keine schwarz-grünen Nebelgranaten, die all jene, die am Projekt arbeiten, eher irritieren.“ LA Riedl „hätte im Vorfeld das Gespräch mit den Akteuren in der Region suchen sollen“, schließt Dornauer. (md)