Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.10.2018


Bezirk Schwaz

Vergabe von Wohnungen in Wiesing nach Gutdünken

Die Vergabe gemeinnütziger Wohnungen und ein Kaufvertrag beschäftigen den Wiesinger Gemeinderat. Was die Kinder-Reha anbetrifft, harrt man der Dinge, die da kommen.

© Dähling



Von Angela Dähling

Wiesing – Die geplante Kinder-­Reha ist aufgrund ihres verkehrsbelasteten und daher viel kritisierten Standorts derzeit das heißeste Them­a in Wiesing. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung kam sie allerdings nur unter dem Tagesordnungspunkt „Allfälliges“ kurz zur Sprache. Denn GR Maria Chelucci erklärte, wie traurig sie es fände und dass es ein Armutszeugnis sei, dass der Gemeinderat nicht einmal versucht hätte, einen besseren Platz für die Einrichtung im Ort zu finden. Bürgermeister Alois Aschberger erinnerte an den einst gefällten Beschluss: Zehn Gemeinderäte hatten sich bei fünf Gegenstimmen für die Realisierung des Projektes auf dem autobahnnahen Grundstück ausgesprochen, das bekanntlich BM Aschberger gehört. „Demokratische Entscheidung“ nannte Aschberger das. Als „verantwortungslos“ bezeichnete es Chelucci.

Aschberger gab zu bedenken: „Wenn das SeneCura-Projekt, das mit diesem Standort beim Bundesvergabegesetz Bestbieter war, nicht zum Zuge kommt, dürfte der Zweitbeste den Zuschlag erhalten.“ Damit wäre Wiesing komplett aus dem Rennen. „Wenn die Reha nicht kommt, geht die Welt in Wiesing nicht unter“, gab sich BM Aschberger gelassen. Mit seiner Gelassenheit nahm der Gemeindechef der Opposition an diesem Abend auch bei anderen Themen den Wind aus den Segeln. Etwa beim Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 11. Juli, das den Mandataren erst jetzt zugestellt wurde. Das nahm Aschberger auf seine Kappe und entschuldigte sich dafür. Er habe einfach zu viel anderes um die Ohren gehabt. Einstimmig wurden mehrere Beschlüsse bezüglich Grundstücksverschiebungen im neuen Gewerbegebiet gefasst.

Eine Sonderflächenwidmung, die ein bäuerliches Grundstück im Westen von Wiesing betrifft, wurde nicht beschlossen, sondern dem Bauausschuss zur Behandlung übergeben. Der Grundbesitzer war wegen einer Überdachung und geplanten Ausweitung an die Gemeinde herangetreten. „Wir wollen nicht, dass dort eine Hofstelle entsteht. Es braucht eine saubere Widmung“, erklärte BM Aschberger. Derzeit lautet die Widmung „Sonderfläche Landwirtschaftliche Geräte“. Weil sich dort u. a. auch ein Stall, eine Futterstelle, ein Güllekeller und eine Hackschnitzelanlage befinden, soll all das in die Sonderflächenwidmung mit aufgenommen werden, statt pauschal die Widmung „Hofstelle“ zu erteilen. Denn die würde den Bau eines Hauses ermöglichen. Auch dem Errichter eines Wohnhauses hat die Baubehörde auf die Finger bzw. in die neuen Räumlichkeiten geschaut. Für fünf Wohnungen wurde angesucht und der Baubescheid ausgestellt. Ab sechs hätte der Gemeinderat einen Bebauungsplan erlassen müssen. Das entfiel damit. Laut Schilderungen des Dorfchefs soll in dem inzwischen gebauten Haus nun aber eine große Wohnung offenbar in zwei kleinere geteilt werden. Das sei nicht legal, weshalb ein Bescheid zur Herstellung des bescheidmäßigen Zustands an den Bauherrn geschickt wurde und ein Verfahren läuft.

Apropos Wohnungen: Für die neuen Wohnungen, die der gemeinnützige Wohnbauträger WE im Ortszentrum baut, verlangte GR Chelucci das Festlegen von Vergabekriterien. Rund 30 Bewerber gibt es, die Wohnungsvergabe soll im November erfolgen. BM Aschberger hält Vergabekriterien für unnötig. Der Gemeinderat kenne ja die Leute und würde auf eine faire Vergabe achten, bei der Familien und soziale Hintergründe berücksichtigt würden.

In jenem WE-Baukörper, in dem auch das Gemeindeamt untergebracht werden soll, soll ein Geschäftslokal an GR Alexandra Zingerle, die ein Reisebüro betreibt, verkauft werden. Das hat bereits der ehemalige Gemeinderat vor Jahren beschlossen. Alle anderen Einheiten werden vermietet. Seit Längerem heißt es, der Kaufvertrag sei in Ausarbeitung. Das ließ sich Zingerle bei der Juli-Sitzung auch protokollieren. „Gehört habe ich noch immer nichts“, sagt sie. Dass eine Einheit in dem Gemeindebau privat und ohne Ausschreibung verkauft werden soll, sorgt hinter den Polit-Kulissen für einige Diskussionen. Bei der öffentlichen Sitzung letzte Woche fiel darüber allerdings kein Wort.