Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


Landespolitik

Wolf schickt Abwerzger zur Nachhilfe

© Thomas Boehm / TTDie Seilbahngrundsätze sind umstritten, die ÖVP hält jedoch an Seilbahnverbindungen bzw. Zusammenschlüssen fest.Foto Böhm



Innsbruck – Politisch sind die neu ausgehandelten Seilbahngrundsätze derzeit das heißeste Eisen in der Landespolitik. Der Tiroler Alpenverein fordert wie die Bundesorganisation eine dreijährige Nachdenkpause und verbindliche Ausbaugrenzen. Er ruft auch seine 115.000 Mitglieder in Tirol zum Protest gegen den vorgelegten Verordnungsentwurf auf.

In der Tiroler Volkspartei will man von den Eckpfeilern des neuen Seilbahnprogramms nicht abrücken. „Wir werden uns die in der Begutachtung eingelangten Stellungnahmen anschauen, dann werden wir entscheiden. Die Linie der ÖVP ist aber klar: Es gibt keine neuen Erschließungen, vernünftige Zusammenschlüsse etwa zur Verkehrsvermeidung befürworten wir“, sagt ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf. Niemand müsse sich allerdings Sorgen machen, dass „Monster-Neuerschließungen realisiert werden könnten“. Da habe die Tiroler ÖVP genügend Gespür für das Land, „was es braucht und was nicht geht“.

Kein Verständnis hat der ÖVP-Klubchef für die aktuelle Politik der Freiheitlichen, die sich bekanntlich darüber beklagen, dass das Seilbahnprogramm im stillen Kämmerlein ausverhandelt werde. Die Blauen wollen deshalb die Seilbahngrundsätze in der aktuellen Stunde des November-Landtags thematisieren. Es könne nicht sein, dass sich die schwarz-grüne Landesregierung mit dem Alpenverein diese wichtigen Entscheidungen für Tirol ausmachen würden, kritisiert FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Für Wolf sind diese Vorwürfe nichts als Populismus des „Herrn Abwerz- ger“. Und das in Reinkultur.

Wie Wolf erklärt, habe die Tiroler FPÖ im Begutachtungsverfahren eine Stellungnahme abgegeben, „was jeder im Landtag vertretenen Partei zusteht“. Noch hätte es keine Nachfrage beim zuständigen Raumordnungsreferenten LR Johannes Tratter (VP) oder in der Raum­ordnungsabteilung gegeben. Wolf: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass die Freiheitlichen im Allgemeinen und Markus Abwerzger im Besonderen den Entwurf der Seilbahngrundsätze überhaupt nicht kennen.“ Das sei ein Armutszeugnis für eine Partei, die nach der Landtagswahl unbedingt Regierungsverantwortung in Tirol übernehmen wollte.

Der ÖVP-Klubchef Wolf freut sich übrigens schon auf die Aktuelle Stunde im Landtag, wie er erklärt. „Da werden wir der FPÖ Nachhilfeunterricht bei den Seilbahngrundsätzen geben.“ (pn)