Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


Exklusiv

Kosten wären auf 150 Mio. € gestiegen: MCI wird neu vergeben

Eine Neuausschreibung ist notwendig, das Land will einen Generalunternehmer beauftragen und die Kosten auf 120 bis 125 Mio. € begrenzen. Blanik fordert klare Spielregeln.

© MitterwachauerDirekt angrenzend an die SoWi hätte das neue MCI für 3000 Studierende in der Innsbrucker Kaiserjägerstraße hochgezogen werden sollen.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Eines steht jetzt schon fest: Viel billiger wird es bei der Neuausschreibung nicht werden: 120 bis 125 Millionen Euro müssen für den Neubau des Management Center Innsbruck wohl veranschlagt werden. Wegen einer drohenden Kostenexplosion auf mehr als 130 Millionen Euro hat der für den Hochbau des Landes zuständige Landesrat, Johannes Tratter (ÖVP), das Vorhaben im Sommer gestoppt. Aber bereits ab Jänner 2017 zeichnete sich ab, dass die im Architektenwettbewerb festgelegten 80 Millionen Euro plus 15 Prozent Preisspanne nicht zu halten sind. Schließlich erhielt Ende 2016 ein Siegerprojekt den Zuschlag, das eine um 24.000 m³ größere Kubatur als die ausgeschriebenen 102.282 m³ aufwies. Ohne spätere Wertanpassung dürften schon damals Baukosten von mehr als 100 Mio. Euro realistisch gewesen sein.

Verhandlungen und Gespräche in den vergangenen Wochen führten schlussendlich zum Ergebnis, dass das Land rechtlich gar nicht an einer Neuausschreibung herumkommt. Das Budget kann nicht einfach um 50 Millionen Euro erhöht werden, sonst drohen nämlich Einsprüche der seinerzeitigen 87 Mitbewerber. Gleiches gilt für ein Abspecken des Neubaus mit den fünf ineinander verschränkten Gebäuden. Schließlich würde das MCI nach völlig anderen Vorgaben realisiert werden, gleichzeitig würde das Raum- und Funktionsprogramm gehörig darunter leiden.

Zuletzt ergaben überdies Berechnungen, dass die ursprünglichen Pläne sogar Kosten von 150 Millionen Euro verursacht hätten. Eine Neuausschreibung im heurigen Jahr ist nicht mehr realistisch. Das sei aber kein Beinbruch, wie es heißt. Ein Baustart im kommenden Jahr sei ohnehin nicht geplant, andererseits könne man auf den Erfahrungen des Architektenwettbewerbs 2016 aufbauen.

Was aber überlegt wird, ist eine neue Form der Abwicklung. Das Land überlegt derzeit, den Neubau an einen Generalunternehmer zu vergeben – mit einer fix vereinbarten Summe. Und die wird nach aktuellen Kostenschätzungen auch zwischen 120 und 150 Millionen Euro liegen.

SPÖ-Parteivorsitzende Elisabeth Blanik ist froh, dass die Stopptaste gedruckt wurde. „Es braucht einen klar strukturierten Ausschreibevorgang, die Vorgaben des Landes müssen eingehalten werden.“ Es könne einfach nicht sein, dass sich die einreichenden Architekten nicht an die Rahmenbedingungen halten. „Deshalb ist auch das Raum- und Funktionsprogramm so wichtig, nicht nur das Budget.“ Und die Politiker, die in der Jury sitzen, müssen laut Blanik ihren Auftrag auch wahrnehmen. Schließlich wussten seinerzeit die Verantwortlichen um LR Patrizia Zoller-Frischauf (VP) und Innsbrucks Ex-Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, dass sich das damals gekürte Siegerprojekt zu den (finanziellen) Bedingungen von Stadt und Land niemals ausgehen werde.

Und wie geht es in Innsbruck weiter? Die Stadt verhandelt derzeit mit dem Bund über zusätzliche Grundstücksflächen. An der Pkw-Garage will Innsbruck festhalten, die Busgarage dürfte jedoch keine Priorität mehr genießen. Hier sind oberirdische Stellplätze geplant.