Letztes Update am Mo, 05.11.2018 07:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck-Land

Im Bezirk Innsbruck-Land sind Millionen in Bewegung

Die Halbzeit der laufenden Gemeinderatsperiode rückt näher. Die TT hat in Leitgemeinden des Bezirks Innsbruck-Land nachgefragt, wie die Zwischenbilanz ausfällt – und welche großen Brocken noch anstehen.

© MG Telfs/DietrichVerkehr, Bildung und Kinderbetreuung, Raumordnung und Wohnen – das sind nur einige der zentralen Herausforderungen in Innsbruck-Land – im Bild Telfs, mit 16.000 Einwohnern die größte Gemeinde im Bezirk.



Von Denise Daum und Michael Domanig

Telfs: Komplexe Vorhaben in der „Pipeline“

Neues Telfer Bad, Kletterzentrum, Kinderkompetenzzentrum, Griesbachverbauung: Seit 2016 wurde in Telfs eine Reihe von Großprojekten finalisiert. Doch BM Christian Härting richtet den Blick bei seiner Zwischenbilanz vor allem nach vorn: Im Februar startet der Bau des neuen Abfallwirtschaftszentrums, das gemeinsam mit den Umlandgemeinden realisiert wird – ebenso wie die Park&Ride-Anlage am Bahnhof Telfs-Pfaffenhofen. Zentral sei auch die Umsetzung weiterer Maßnahmen aus dem „Verkehrskonzept 2035“, von der geplanten Begegnungszone im Ortskern bis zum Umbau der Kreuzung beim Sicherheitszentrum in einen großen „Kreisel“. Im Altenheimverband werde man über Sanierung und Ausbau des Heims Wiesenweg diskutieren, auch über einen weiteren Kindergartenstandort denke man nach. Mit Straßenbau und Kanalisation in Bairbach und dem Hochwasserschutz Mösern/Pettnau stehen komplexe mehrjährige Projekte bevor.

Hall: Fokus auf Bildung und Verkehr

Das neue, viel diskutierte „Schulzentrum Hall in Tirol“, das diese Woche bezogen wird, steht im Zwischenfazit von BM Eva Posch an erster Stelle: „Im modernen Gebäude werden ganztägige Betreuung und Mittagstisch bestens möglich sein.“ Auch mit dem Ausbau von Kindergarten- und Krippenplätzen in der Bachlechnerstraße habe man wichtige Schritte gesetzt. Als nächste große Ziele im Bildungsbereich sollen die Errichtung von Volksschule und Kinderzentrum in Schönegg vorbereitet werden – samt Neupositionierung der dortigen Sportanlage. Das Reizthema Verkehr sei man nach den Wahlen 2016 im Planungsverband neu angegangen, so Posch, bei Öffi- und Radverkehr gebe es bereits Fortschritte. Beim Durchzugsverkehr arbeite man hartnäckig an einer Lösung, „die Untersuchungen der Fachleute laufen“. Großes Thema bleibt auch die Entwicklung des „Marktangers“ in der Altstadt, die nun mit einem Architekturwettbewerb fortgesetzt wird.

Wattens: „Vision Wattens“ bleibt die Leitlinie

Ein neues regionales Pflegeheim samt „Naturpark“ mitten im Dorf, ein spektakulär gestaltetes Museum, ein Gründerzentrum mit inzwischen fast 50 Unternehmen, ein breites E-Tankstellennetz: In kaum einer Gemeinde des Bezirks war in den letzten Jahren so viel in Bewegung wie in Wattens. Und auch in Halbzeit zwei dürfte es in dieser Intensität weitergehen. Zentral sei dafür „das gute und sachliche Klima im Gemeinderat“, betont BM Thomas Oberbeirsteiner, seit 2015 im Amt – und der übergeordnete Strategieplan „Vision Wattens“, den man mit Bürgern und Swarovski weiterentwickeln will: Die „Vision“ prägt alle bevorstehenden Projekte – von der Begegungszone, die das Ortszentrum attraktiver machen soll (Umsetzung ab Beginn 2019), bis zur Neukonzeptionierung des Sportareals. Unter dem Motto „Mobilität Wattens“ wird das Verkehrsthema systematisch angegangen – von Sharing-Modellen bis zur Neugestaltung des Bahnhofs Fritzens-­Wattens.

Steinach: Projekte für alle Generationen

Bauprojekt­e sowohl für die Kleinsten als auch für die Älteren beschäftigen die Marktgemeinde Steinach. Während beim Neubau des Kindergartens mit Kinderkrippe (Investitionsvolumen 4,4 Millionen Euro) vor Kurzem die Firstfeier stattgefunden hat, wurde das Projekt „Betreutes Wohnen“ soeben erst eingereicht. Südlich an das bestehende Altenheim sollen 30 Einheiten angebaut werden, Steinach kooperiert hierbei mit der Nachbargemeinde Matrei. Bürgermeister Josef Hautz hofft auf einen Baustart im Jahr 2020. Vorher noch soll der Neubau des Recyclinghofs für die sieben Gemeinden des Oberen Wipptals begonnen werden. Von den insgesamt 2,4 Millionen Euro Investitionskosten hat Steinach fast die Hälfte zu tragen.

„Wir haben eigentlich alles, was wir uns vorgenommen haben, auf Schiene gebracht“, freut sich Hautz. Im Gemeinderat selbst herrsche – bis auf kleinere Ausreißer – ein sehr gutes Klima. „Die Arbeit macht Spaß.“

Neustift: Nach dem Schulbau kommt Wohnpark

In Neustift steht ein Riesenprojekt vor dem Abschluss: Rund 33 Millionen sind in den neuen Schulcampus mit Internat für die Ski-Mittelschule in Kampl investiert worden, das Internat wird nach den Weihnachtsferien bezogen, die Schulen übersiedeln nach den Semesterferien 2019. Abseits vom Schulneubau hielten die Gemeinde in der ersten Hälfte der laufenden Periode vor allem die heftigen Naturereignisse in Atem. „Diese haben uns auch finanziell sehr gebunden“, erklärt Bürgermeister Peter Schönherr. Die Schadensbehebung ist mittlerweile so gut wie abgeschlossen.

Im Frühjahr 2019 soll bereits der Baustart für ein weiteres Großprojekt erfolgen: den Wohnpark Scheibe. In dem Neubau sollen sowohl Räume für das betreute Wohnen und die Tagespflege als auch Miet-Kauf- und Eigentumswohnungen entstehen. Die Bauverhandlung hat bereits stattgefunden, der Bürgermeister wartet nur noch auf den Baubescheid.

Axams: Zuzug ist die größte Herausforderung

Seit dem Amtsantritt im Jahr 2016 beschäftigt Bürgermeister Christian Abenthung vor allem ein Thema: der anhaltende Zuzu­g und alle Herausforderungen, die er mit sich bringt. „Wir haben 80 Prozent Auspendler in der Gemeinde und bleiben auf den Infrastrukturkosten sitzen“, erklärt Abenthung. Über das nun in Kraft getretene neue Raumordnungskonzept soll die Dimension künftiger Bauprojekte eingedämmt werden. Die Regelungen sollen nun sogar nochmals nachgeschärft werden. Gleichzeitig wurde in der Gemeinde in den vergangenen Jahren der Fokus auf leistbares Wohnen für Einheimische gelegt, für ein entsprechendes Projekt fand erst vor Kurzem der Baubeginn statt. Abseits davon stehe­n Investitionen in die Sicherheit an: Ein Entwässerungsprojekt mit Baukosten in der Höhe von 1,8 Mio. soll kommendes Jahr starten.

Die Zusammenarbeit im Gemeinderat beurteilt Abenthung mit Bestnoten: „Der Umgang ist sehr wertschätzend.“