Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Bezirk Schwaz

Tonnagebeschränkung soll Deponie verhindern

Rund 85.000 m³ Aushubmaterial sollen am Hartberg über zehn Jahre abgelagert werden. Vor allem die Zufahrt ruft Gegner auf den Plan.

© SchweinbergerAusweichmöglichkeiten sind auf der Kapellstraße in Hart dünn gesät.



Von Eva-Maria Fankhauser

Hart i. Z. – Was zu viel ist, ist zu viel. Und für den Harter VBM Daniel Schweinberger sind 85.000 m³ definitiv zu viel. So groß soll nämlich eine künftige Bodenaushubdeponie am Hartberg im Bereich des Säulinger Hofes werden. „Das entspricht etwa dem Aushub von150 Einfamilienhäusern“, rechnet Schweinberger vor. Hinzu kommt die Lage der Deponie.

Bis zu 15 Lkw pro Tag könnten bei einer Bewilligung dann über die einspurige Panorama- und Kapellstraße am Hartberg rollen. Die Deponie ist auf etwa 800 Metern Höhe geplant. „Das ist alles einspurig ohne genügend Ausweichmöglichkeiten. Das ist Wahnsinn“, sagt Schweinberger. Er sei nicht generell gegen Aushubdeponien. „Wir haben ja Standorte in Hart und ich verstehe, dass es das braucht. Aber nicht in diesem Ausmaß an diesem Ort. Das ist nicht zumutbar“, erklärt er und warnt, dass die Bergstraße bereits jetzt teilweise in einem desolaten Zustand sei.

Doch die Gemeinde hat keine Parteistellung beim Verfahren. Laut Markus Gasser vom Umweltamt der Bezirkshauptmannschaft Schwaz ist die Deponie bereits verhandelt. Derzeit laufe noch die Auflagefrist in der Gemeinde. „Wir werden alle Stellungnahmen abarbeiten und prüfen“, sagt Gasser.

Da die Gemeinde keine Parteistellung hat, versucht Schweinberger auf einem anderen Weg die Deponie zu verhindern. „Eine Gewichtsbeschränkung auf der betroffenen Straße wäre ein Mittel dagegen. Dazu braucht es aber entsprechende Ausnahmen, damit Milchführer oder Holzlieferungen trotzdem verkehren können“, sagt Schweinberger. In einer Gemeinderatssitzung stimmte die Mehrheit für ein Gutachten zu einer Tonnagebeschränkung. Das wurde nun in Auftrag gegeben. Dagegen war BM Hans Flörl. Er hat Bedenken: „Ich muss mich erst erkundigen, wie das abläuft, wer da dann fahren darf und wer nicht.“ Es gehe nicht, dass die einen fahren dürften und die anderen nicht. Zwar sieht auch er ein Verkehrsproblem durch die Lkw-Fahrten, aber es könne auch passieren, dass ein paar Wochen gar keine Lkw fahren. „Man muss da einmal mit dem Projektanten sprechen und genau verhandeln“, sagt der Ortschef.

So mancher Harter ist besorgt über die zusätzliche Verkehrsbelastung auf der schmalen Straße. Andere wiederum sehen Vorteile, wie etwa, dass Aushubmaterial auf kurzen Strecken transportiert werden könne. Gerade in Hart stünden in Zukunft zahlreiche Bauvorhaben an.

Ob die Zufahrt zu einer Deponie für Lkw geeignet ist, sei laut Gasser kein Prüfungsmaßstab für die BH. Falls die Gemeinde eine Tonnagebeschränkung beschließt, könnte die Deponie trotzdem befüllt werden. „Das kann auch mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen erfolgen. Da stellt sich dann natürlich die Frage, ob das noch wirtschaftlich ist. Das muss dann der Unternehmer entscheiden“, sagt Gasser.

Grundeigentümer Hannes Eberharter versteht den Wirbel um die Deponie nicht. Für ihn gehe es primär um Agrarstrukturverbesserungsarbeiten. „Jetzt muss ich die Hälfte des Feldes mit dem Handmäher mähen. Danach kann ich mit dem Traktor die Arbeiten erledigen“, sagt der Landwirt. In der Nähe der geplanten Deponie liege laut ihm auch ein Baugebiet. „So gäbe es kurze Transportwege. Dort hat auch der Vizebürgermeister einen Grund. Daher verstehe ich seine Aufregung nicht“, sagt Eberharter. Die Dauer sei zudem bewusst auf zehn Jahre angelegt, damit sich die Lkw-Fahrten pro Jahr in Grenzen hielten.