Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Exklusiv

Viel Lärm um mehr Tempo für den Schwerverkehr

80 statt 60 km/h in der Nacht für Lkw auf der Autobahn? Für diesen Vorschlag erntet Minister Hofer keine Sympathien in Tirol. Außer im Arlbergtunnel.

© Umweltbundesamt/OrtnerDas Nacht-Limit für Lkw von 60 km/h könnte jetzt fallen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Im Arlbergtunnel könnte es für den Schwerverkehr bald flotter zur Sache gehen. Wie es gestern aus dem Landhaus hieß, soll bereits von Seiten der Bezirkshauptmannschaft Landeck eine Verordnung in Vorbereitung sein, wonach Lkw über 7,5 Tonnen nicht mehr mit 60, sondern mit 80 km/h durch den Tunnel fahren dürfen. Parallel dazu ist auch eine Überwachung mittels „Section Control“ in Planung.

Im Tunnel ist die Lärmfrage keine prioritäre. Außerhalb sehr wohl. Umso mehr stemmt sich die schwarz-grüne Landesregierung gegen den Tempo-Vorstoß von FP-Verkehrsminister Norbert Hofer.

In einer Diskussionsrunde auf PULS 4 hatte Hofer kürzlich den Nacht-60er für Lkw mit den Worten „Der stört mich irrsinnig“ scharf kritisiert. Er wolle Maßnahmen ergreifen, um das Tempolimit anzuheben. Im Raum stehen 80 km/h. Weil eben moderne Lkw-Motoren hinsichtlich des Schadstoffausstoßes auf dieses Tempo optimiert seien. Auf TT-Nachfrage im Büro des Verkehrsministers hinsichtlich eines genaueren Fahrplans heißt es nur: „Momentan können wir dazu nichts Genaueres sagen.“

Weniger wortkarg gibt man sich in Tirol. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) kann zu Hofers Vorschlag nur den Kopf schütteln. Es stimme zwar, dass Lkw bei Tempo 80 am effizientesten arbeiten würden – jedoch sei das im Falle des Nacht-60ers nicht der Punkt: „Dieses Limit wurde aus Gründen des Lärmschutzes eingeführt. Eine Anhebung würde zu einer massiven Mehrbelastung führen.“ Und das in Zeiten, in denen Lärm in der Bevölkerung als Umweltbelastung Nummer eins wahrgenommen werde, so Felipe.

Zur Verdeutlichung:

Eine Erhöhung der Lkw-Geschwindigkeit von 60 auf 80 km/h würde die Schallemission um zwei Dezibel erhöhen, sagt Christoph Lechner, zuständig im Land für Lärmmessungen und -kartierungen: „Dies käme schalltechnisch betrachtet einer Erhöhung der Lkw-Fahrten um 60 Prozent gleich.“

Rechtlich ist das Nachttempo für Lkw über die Straßenverkehrsordnung geregelt. Hofer müsste für eine Tempoerhöhung wohl dort ansetzen. Dagegen aus Landessicht vorzugehen, wäre rechtlich sehr schwer, sagt Felipe. Im Fall des Falles würde sie aber prüfen lassen, wie Tirol dennoch mit Landesmaßnahmen dazwischengehen könnte. Am liebsten wäre ihr ohnedies ein Immissionsschutzgesetz-Lärm, analog zum bestehenden für Luft (IG-L).

Auch die Tiroler ÖVP stellt sich gegen Hofers Ansinnen. „Es gibt gute Gründe für die derzeit gültigen Beschränkungen. In keinem anderen Bundesland führt die Haupttransitstrecke so nah an dicht besiedelten Wohngebieten vorbei“, sagt Verkehrssprecher Florian Riedl. Anstatt Tempolimits aufzuweichen, erwarte man sich von Hofer „volle Rückendeckung im Kampf gegen den steigenden Transit“.