Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.11.2018


Politik in Kürze

Transitforum gibt beim Lärmschutz Gas

Gurgiser und Mitstreiter präsentierten umfassenden Forderungskatalog. Behörden stünden in der Pflicht.

Transitforum-Chef Fritz Gurgiser mit Mitstreitern der Ortsgruppen: keine Ausreden mehr beim Lärmschutz.

© BöhmTransitforum-Chef Fritz Gurgiser mit Mitstreitern der Ortsgruppen: keine Ausreden mehr beim Lärmschutz.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser hat schon viele Verkehrsminister kommen und gehen sehen. Mit Norbert Hofer (FPÖ) tut sich aber auch er nach eigenen Angaben „blutig hart“. Wie berichtet, will Hofer den Nacht-60er für Lkw auf Österreichs Autobahnen auf 70 km/h erhöhen. Was solle man mit einem tun, der meint, dieses Tempolimit sei wegen der Abgase und nicht des Lärms wegen eingeführt worden? Gurgisers Frage gestern Abend im Festsaal der Arbeiterkammer in Innsbruck hallt nach. Mit Vertretern seiner Ortsgruppen stellte er eine Art Handbuch für all jene vor, die sich auch in Zukunft dem Kampf gegen den Lärm im Land verschreiben wollen: Die Sonderpublikation nennt sich „Enkeltaugliche“ Lärmschutzoffensive 2018.

Denn die massive Zunahme des Verkehrslärms treibe die Bevölkerung entlang der Verkehrsachsen schier zur Verzweiflung, verweist Gurgiser auf unzählige Gemeinden landauf, landab. Zur Autobahn haben sich in den vergangenen Jahrzehnten der Fernpass, der Zirlerberg, das Wipp-, Achen- und Zillertal, die Lofererstrecke, das Hahntennjoch und auch das Lech- und Tannheimer Tal lautstark hinzugesellt. Gurgiser ortet hier beim Lärmschutz, unterstützt durch seine zahlreichen Mitstreiter, massiven Aufholbedarf. Bisherige Maßnahmen des Landes, der Asfinag, der ÖBB sowie der Behörden seien aufgrund zu hoher Lärmschwellenwerte und einer ebenso viel zu langen Umsetzungsdauer bei Weitem nicht so wirksam, wie es die Notwendigkeit gebiete, so Gurgiser. Straße wie Schiene seien gleichermaßen betroffen. Die Senkung der Lärmgrenzen im alpinen Raum auf 50 Dezibel bei Tag und 40 bei Nacht seien unerlässlich. Bestehende Umgebungslärmkarten bezeichnet Gurgiser als mangelhaft – sie würden halb Tirol quasi der Po-Ebene gleichstellen: „Im gesamten Land haben wir an den Hanglagen massive Lärmprobleme.“ Die Folgen: Menschen werden krank, siedeln ab. Nicht nur für Gurgiser ein Horrorszenario.

Die neue, letztlich aber auch ursprünglichste Stoßrichtung des Transitforums: Man wolle nicht länger um Lärmschutz betteln, sondern selbigen auf Basis aktueller rechtlicher wie ärztlicher Grundlagen von Politik wie Beamtenschaft einfordern. Lärmschutz müsse „zeitgemäß und auf technisch bestem Niveau“ umgesetzt werden, so Gurgiser. Ausnahmen oder Verzögerungen werde man nicht länger dulden. Auch brauche es hierfür keine neuerlichen Willensbekundungen seitens der Politik. Alle Voraussetzungen seien vorhanden, zählt Gurgiser die EU-Grundrechtecharta, das Durchführungsprotokoll der Alpenkonvention und die Straßenverkehrsordnung auf. Lärmschutz sei inzwischen nichts Geringeres als „öffentliches Tiroler Interesse“.

Lärmschutz, also Einhausungen wie in Innsbruck, Wände, Dämme oder Wälle sowie Drainasphalt – das alles solle nach dem Verursacherprinzip finanziert werden, so das Transitforum. Unerlässlicher Partner eines effektiven Lärmschutzes sei aber auch eine lückenlose Kontrolle bestehender Tempolimits und Lkw-Fahrverbote. Das, so Gurgiser, komme derzeit viel zu kurz. Adressat: die Polizei. Und die Behörden. Letztere müssten bei der Umsetzung des Lärmschutzes endlich aktiv werden, fordert Gurgiser. Denn eines werde man den Tirolern nicht zumuten können: „Dass wir in Reservate aussiedeln, nur weil unser Lebens- und Wirtschaftsraum vom Verkehr überrollt wird.“

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