Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.11.2018


Bezirk Schwaz

Kletterer demonstrieren für Bouldergebiet im Zillertal

Bei Verhandlung zur Erweiterung des Blockstein-Abbaus im Zillergrund zeigten zahlreiche Kletterer, dass sie ihr Gebiet nicht kampflos aufgeben.

© Bernardo Gimenez



Von Eva-Maria Fankhauser

Brandberg – Gestern Früh um 9 Uhr wurde zur Verhandlung in Brandberg geladen. Wie berichtet, sucht das Unternehmen Hollaus Bau um eine Erweiterung des Blockstein-Abbaus im Zillergrund an. Doch es war keine normale Verhandlung. Denn neben den geladenen Parteien versammelten sich über 30 Kletterer vor der Verhandlungstür. Sie wollen ihr weit über die Grenzen Tirols hinaus bekanntes Bouldergebiet Zillergrund Wald retten. Denn die Erweiterung des Abbaus würde die rund 180 Felsblöcke mit etwa 320 erschlossenen Boulderrouten verschlingen.

Innerhalb kürzester Zeit hat es sich in der Kletterszene wie ein Lauffeuer verbreitet, dass der Zillergrund Wald bedroht ist. Verena Steiner startete vorige Woche eine Petition unter dem Titel „Save Zillergrund Wald“. Bis Redaktionsschluss gestern Abend haben sich über 12.900 Unterstützer eingetragen. „Das hatte ich mir so gar nicht erwartet“, freut sich die Kletterbegeisterte. Bis Donnerstag sammelt sie noch, dann wird die Petition im Landtag eingereicht.

Ohne Parteistellung, aber mit Überzeugungskraft war auch TVB-Obmann Andreas Hundsbichler gekommen. Bevor es zur Verhandlung hinter verschlossenen Türen ging, stellte er klar, dass der Tourismusverband Mayrhofen-Hippach voll und ganz hinter dem Klettergebiet stehe. „Es geht hier um einen Eingriff in Natur, Tourismus und Kletterszene. Ich bitte darum, künftig zu solchen Verhandlungen eingeladen zu werden. Das darf nicht hintenherum passieren“, sagte Hundsbichler. Er gab an Verhandlungsleiter Markus Gasser (Umwelt BH Schwaz) eine schriftliche Stellungnahme ab. BM Heinz Ebenbichler versprach, dass er die vielen Unterschriften und Stimmen der Kletterer bei der Verhandlung nicht außer Acht lassen werde. „Neben dem Schutz des Klettergebietes hat für uns als Gemeinde auch der Schutz unserer Trinkwasserquelle in unmittelbarer Nähe des Abbaus oberste Priorität“, sagte er.

Unter den Demonstranten war auch LA Gebi Mair (Grüne): „Ich appelliere an die Österreichischen Bundesforste als Grundbesitzer: Sie sollten nicht nur auf den Profit schauen, sondern Verantwortung gegenüber der Natur zeigen.“

Gasser konnte gestern noch kein Ergebnis liefern „Einige Gutachten erhalte ich erst jetzt bei der Verhandlung“, sagte er. Ein Gutachten ist schon vorab eingelangt. Die Abteilung Sport des Landes Tirol spricht sich klar für den Erhalt des Bouldergebietes aus.

Nachdem die Verhandlung begonnen hatte, harrten viele der Kletterer noch bis Mittag auf der Straße aus. Sie wollten zeigen, wie wichtig ihnen ihr Bouldergebiet ist. „Wir kommen nicht nur zum Klettern her, sondern verbringen auch so gerne Zeit hier in der Natur“, sagt Steiner. Regina Reichmann hat sich freigenommen und ist aus Wörgl angereist, um für das Bouldergebiet einzustehen. „Das ist es wert.“ Auch Jakob Schubert, Goldmedaillengewinner bei der Kletter-WM in Innsbruck, war schon oft im Zillergrund Wald bouldern. „Ich möchte nicht, dass diese tollen Blöcke dem Abbau zum Opfer fallen“, sagt er. Weiters ließ es sich Profi-Sportkletterin Anna Stöhr nicht nehmen, gestern dabei zu sein: „Die Leute sollen sehen, dass hier nicht nur ein paar Kletterer um ihr Gebiet kämpfen. Der Zillergrund Wald ist international bekannt und beliebt.“ Für Tobias Haller und Gerhard Hörhager war schon beim ersten Abbau-Ansuchen vor Jahren klar, dass es dabei nicht bleiben werde. „Wo soll das aufhören? Hier geht es um unwiederbringbare Ressourcen, die das Landschaftsbild prägen“, sagt Hörhager. Für Kletterprofi Alfons Dornauer gibt es kaum ein vergleichbares Gebiet. Sein Herz hängt daran, genauso wie das vieler anderer Kletterer.