Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.11.2018


Bezirk Kufstein

Notschlafstelle für Obdachlose in Kufstein: Kritik am Schweigen der TSD

Die Anrainer wurden nicht über die Notschlafstelle für Obdachlose im Kufsteiner Asylwerberheim informiert. Vizebürgermeister Hannes Rauch fürchtet einen Anziehungseffekt durch die Einrichtung.

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© Hammerle(Symbolbild)



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Seit gestern sollten in der Festungsstadt Obdach- oder Wohnungslose einen warmen Unterschlupf für die Nacht finden. Dazu adaptierten die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) Räume des Flüchtlingsheimes als Notschlafstelle. Laut Bürgermeister Martin Krumschnabe­l werde sich die Eröffnung noch etwas verschieben, wie ihm seitens der Gesellschaft mitgeteilt wurde. Wann die Räume zur Verfügung stünden, sei noch offen. Derzeit, so der Bürgermeister, sei „die Informations­lage nicht sehr gut“.

Dieser Umstand sorgte am Mittwochabend bei der Gemeinderatssitzung ebenfalls für Debatten. Dabei ging es weniger um die Einrichtung des Quartiers als solches, was durchaus begrüßt wurde, sondern um den Umstand der Kommunikation der TSD mit den Anrainern. Die ist nämlich, auf den Punkt gebracht, überhaupt nicht vorhanden. Daher sei sie laut Vizebürgermeister Johannes Rauch (ÖVP) freundlich ausgedrückt „optimierungswürdig“. Gemeinderätin Birgit Obermüller (Parteifreie) nannte die Zusammenarbeit auch aus früheren Erfahrungen heraus gar „schlecht“ und auch Alexander Gfäller-Einsank (SPÖ) sparte nicht mit Kritik.

Man müsse mehr auf die Ängste der Leute rund ums Haus eingehen, forderte Rauch die TSD und die zuständige grüne Landesrätin Gabriele Fischer auf. „Aber ich möchte in diesem Gremium keine öffentliche Diskussion auf dem Rücken der Ärmsten führen“, meinte er weiter. Nur so viel: „Eine solche Einrichtung kann auch zu einem Anziehungseffekt führen“, fürchtet Rauch. Er möchte diesbezüglich mehr Informationen seitens der Landesrätin.

Dass die Kommunikation mit der Stadt über die Notschlafstelle nur eingeschränkt geschah, zeigte sich auch an der Wortmeldung von Gemeinderat Gfäller-Einsank. „Wie wurde eigentlich der Bedarf erhoben? Mir ist nämlich kein einziger Obdachloser bekannt, der Sozialabteilung auch nicht. Angeblich werden sogar Leute nach Innsbruck geschickt, auf welche Veranlassung hin? Ich halte das alles für Gerüchte, die ich so nicht stehen lassen will.“ GR Obermüller konnte hingegen von Menschen berichten, die von Kufstein aus nach Innsbruck verwiesen worden sind, weil eben kein Platz zur Verfügung stand. „Ich habe auf alle Fälle eine Sozialarbeiterin für die Betreuung eingefordert“, gab Obermülle­r bekann­t.

Eine Forderung, die laut Bürgermeister Martin Krumschnabel auch erfüllt wird. „Obdachlose stehen in keinem Melderegister“, meinte er zum Bedarf. Es seien in Kufstein Schlafstellen unter der Autobahnbrücke gefunden worden. „Da finde ich ein Zimmer schon einen Fortschritt“, fügte Krumschnabel an. Aber Kufstein „habe keinen Bedarf von sich aus gemeldet“, stellte der Bürgermeister klar.

Wie berichtet, können in Kufstein bis zu 20 Personen in der Einrichtung Platz finden. Es bestehe die Möglichkeit zu duschen, und man erhalte eine warme Mahlzeit. Der Einlass erfolge von 18 Uhr bis 21 Uhr, bis 8 Uhr Früh dürften sich Klienten dann dort aufhalten. Für BM Krumschnabel werde sich der Bedarf erst zeigen, „seien wir froh, wenn die Unterkunft nicht benötigt wird, aber sollte es notwendig sein, ist sie vorhanden“. Und bezüglich der Informationspolitik konnte er sich der Kritik nicht ganz anschließen: „Stellt euch vor, die TSD hätten im April gesagt, wir bringen dort Obdachlose unter. Das hätte einen Wirbel gegeben. Man sollte so ein Projekt nicht im Vorfeld problematisieren. Vielleicht merkt man gar nichts davon.“

Es gehe auch nicht nur um Obdachlose, wie aus dem Büro von Landesrätin Gabriel­e Fischer zu erfahren ist. Es gebe auch eine Wohnungs­losigkeit. Einen Anziehungseffekt erwarte man sich jedoch nicht. Der kommende Winter sei ein Probelauf, dann werde der Bedarf evaluiert und über die weitere Vorgangsweise entschieden. Was die fehlende Kommunikation anbelange, „bedauern wir den Fehler“. Man hoffe, dass diese von den TSD noch nachgeholt werde.

Auch die Tiroler Tageszeitung erhielt seitens der Tiroler Sozialen Dienste keine Stellung­nahme.