Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.11.2018


Tirol

Telfer wehren sich gegen Abschiebung: „Er hat in Heimat keine Zukunft“

Ein 20-jähriger Nigerianer muss in drei Wochen Österreich verlassen. In Telfs stemmt man sich gegen die Abschiebung des Lehrlings.

© BurgstallerAbraham Okojie soll laut Bescheid Österreich in drei Wochen verlassen – trotz eines gültigen Lehrvertrags in Innsbruck.



Telfs – Die Zeit läuft. In drei Wochen muss Abraham Okojie Österreich eigentlich verlassen. So will es der Aslybescheid, den der 20-jährige Nigerianer vor wenigen Tagen erhalten hat. Doch dagegen stemmt man sich jetzt in Telfs, wo der junge Mann seit 2016 eine neue Heimat gefunden hat. Auch weil Abraham seit Juli einen Lehrplatz erhalten hat und fleißig in der Gastronomie arbeitet – einem Mangelberuf in Tirol.

Weder die Beschäftigungsbewilligung bis 2021 noch die Deutschkenntnisse des 20-Jährigen (er steht kurz vor der B1-Prüfung) hätten ausgereicht, beklagt Andrea Burgstaller, die den jungen Mann 2016 kennen gelernt hat. „Er ist sehr fleißig, ein bisschen scheu, aber sehr lernwillig“, sagt Burgstaller, die Abraham mittlerweile „als Freund unserer Familie“ sieht. Ein halbes Jahr habe sie gekurbelt, um einen Lehrplatz für den Burschen zu finden. Im Juli klappte es dann. Jetzt arbeitet Abraham als Kellner in Innsbruck. „Er hat in seiner Heimat keine Zukunft“, sagt die Telferin und versucht in den kommenden drei Wochen noch sämtliche rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Uns wurde zu einem Neuantrag geraten, weil Abraham eigentlich alle Voraussetzungen erfüllen würde.“ Ein negativer Bescheid der Behörde aus dem August sei auch von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen. Burgstaller versteht nicht, warum ein junger Mann, der in einem Mangelberuf in Tirol arbeitet, das Land verlassen muss. Auch für den Telfer Bürgermeister Christian Härting ist die Vorgangsweise der Asylbehörde nicht nachvollziehbar. „Dass die Sprachkenntnisse des Nigerianers und dessen Ausbildung zum Kellner in der Entscheidung nicht berücksichtigt wurden, verstehe ich nicht.“ Schließlich würde die Wirtschaft Lehrlinge und Fachkräfte in Mangelberufen händeringend suchen. Der Bürgermeister appelliert an die Behörden, die negative Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Wie mir auch der Integrationsbeauftragte unserer Gemeinde bestätigt, ist der junge Mann sehr gut integriert und spricht inzwischen sehr gut Deutsch.“

Für Härtings Vizebürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Cornelia Hagele (ÖVP) muss es in solchen Fällen eine positive Interessenabwägung zugunsten der Asylwerber in einem Lehrberuf geben. „Hier sollte der Bund entsprechende Voraussetzungen schaffen“, sieht sie massiven Handlungsbedarf. „Für mich ist die Position der Regierung hier unverständlich.“ (mw, pn)