Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Landespolitik

Gemeinsames Lawinenwarnsystem für Tirol, Südtirol und Trentino

Weil Wetter und Lawinengefahr keine Rücksicht auf politische Grenzen nehmen, haben die Länder Tirol, Südtirol und Trentino ein gemeinsames Lawinenwarnsystem umgesetzt.

Die Landeshauptleute von Trentino, Südtirol und dem Bundesland Tirol – Maurizio Fugatti, Arno Kompatscher und Günther Platter (v. l.) – drückten gestern gemeinsam den Startknopf für „Albina“.

© LPA/Peter DaldosDie Landeshauptleute von Trentino, Südtirol und dem Bundesland Tirol – Maurizio Fugatti, Arno Kompatscher und Günther Platter (v. l.) – drückten gestern gemeinsam den Startknopf für „Albina“.



Bozen, Innsbruck, Trient – Nach drei Jahren intensiver Arbeit war es gestern so weit: Per Knopfdruck haben die Landeshauptleute von Tirol, Südtirol und dem Trentino den ersten grenzüberschreitenden, mehrsprachigen und täglich aktuellen Lawinenwarnbericht der Welt ans Netz gehen lassen. LH Günther Platter, LH Arno Kompatscher und LH Maurizio Fugatti bezeichneten das unter dem Namen „Albina“ geführte Projekt als Musterbeispiel für interregionale Zusammenarbeit im Sinne der Bevölkerung. Insgesamt deckt das neue System ein Warngebiet von 25.000 km² ab.

Die bisher separaten Lawinenberichte fließen nun länderübergreifend auf der gemeinsamen Website www.lawinen.report zusammen, wo täglich über die Lawinensituation informiert wird. Neu ist, dass die Prognosen statt am Morgen des jeweiligen Tages bereits am Vortag gegen 17 Uhr veröffentlicht werden. Dargestellt werden diese in Grafik und Text, dazu gibt es relevante Informationen zu Schneehöhe, Neuschnee, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Wind. Auch Hintergrundinformationen zu Gefahrenstufen und -mustern bietet das neue Service.

Rudi Mair, Lawinenwarndienst: "Das internationale Interesse ist überwältigend. Wir haben bereits schriftliche Anfragen aus anderen Ländern.“
Rudi Mair, Lawinenwarndienst: "Das internationale Interesse ist überwältigend. Wir haben bereits schriftliche Anfragen aus anderen Ländern.“
- Robert Parigger

„Mit der Bündelung der Erfahrung und des Wissens der Expertinnen und der Experten schaffen wir einen Gesamtüberblick, der für die Sicherheit der Wintersportlerinnen und Wintersportler einen deutlichen Mehrwert bietet – denn Lawinen machen an geografischen Grenzen nicht Halt“, betonte LH Platter, der als leidenschaftlicher Tourengeher im Nord-Süd-Tiroler Grenzgebiet künftig auch selbst das grenzenlose Lawinenwarnsystem nutzen wird. Insgesamt gibt es laut Platter in der Projekt-Region 10,5 Millionen Ski fahrende Gäste sowie geschätzte 700.000 Tourengeher. Von Albina als Serviceleistung würden sowohl Einheimische als auch Touristen profitieren. LH Kompatscher sieht ein Projekt umgesetzt, das so vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen wäre: „Der Euregio-Lawinenlagebericht zeigt, dass die Europaregion mit dem Europäischen Verbund für Territoriale Zusammenarbeit EVTZ dort angekommen ist, wo sie sein soll. Die Zusammenarbeit zwischen dem Euregio-Büro und den Lawinenwarndiensten ist vorbildlich.“ Auch Trentinos Landeshauptmann Maurizio Fugatti lobte die Zusammenarbeit und wies darauf hin, dass das neue System in einer Pilotphase schon vergangenen Winter im Trentino umgesetzt und erfolgreich erprobt worden ist.

Für Rudi Mair, den Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, ist der grenzübergreifende Lawinenwarnbericht ein Meilenstein, der schon jetzt bei Experten für Aufsehen gesorgt hat: „Das internationale Interesse ist überwältigend. Wir haben bereits schriftliche Anfragen aus anderen Ländern“, freut sich der höchste Lawinenwarner des Landes. Federführend koordinierend sind im Lawinenwarndienst Christoph Mitterer und Norbert Lanzanasto für den neuen Lawinenwarnbericht verantwortlich. Die Kosten belaufen sich auf 915.000 Euro – 676.000 Euro stammen aus Interreg-Mitteln. (np)

Der Lawinenwarnbericht berücksichtigt die Lawinensituation in allen drei Ländern, ist mehrsprachig und außerdem täglich aktuell.
Der Lawinenwarnbericht berücksichtigt die Lawinensituation in allen drei Ländern, ist mehrsprachig und außerdem täglich aktuell.
- Screenshot Lawinenwarndienst Tir