Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


Innsbruck

Brennpunkt Mentlgasse: „Es braucht sofort eine Lösung“

170 Menschen kamen in Wilten zur Bürgerversammlung und schilderten die Zustände um die Mentlvilla. Die Stadtpolitik ringt um ein Alkoholverbot und sucht nach zweitem Standort für Betreuungseinrichtung.

© IKM/Freinhofer



Von Marco Witting

Innsbruck – BM Georg Will­i war es sichtlich ernst. Das Angebot des Rechtsvertreters mehrerer Eigentümer wolle er annehmen und eine Woche lang in einer Wohnung im Haus Mentlgasse 10 wohnen. Als kurz darauf Vize-BM Franz Gruber (VP) erklärte, gegebenenfalls mit Willi hier eine Politiker-WG zu gründen, um sich die Situation vor Ort tatsächlich anzusehen, fiel ein wenig der Druck ab, der sich über zwei Stunden im Stadtteilzentrum Wilten aufgebaut hatte. 120 Minuten lang wurde im übervollen Saal über die „untragbaren Zustände“ (Zitat mehrerer Anwohner) rund um die Mentlvilla diskutiert. Am Ende blieben die bereits bekannten Positionen, die koalitionären Auffassungsunterschiede über ein Alkoholverbot und die Suche nach weiteren Standorten in der Stadt, in der Drogenkranke betreut werden können.

Es war eine emotionale, aber nie untergriffige Diskussion. Und alle Wortmeldungen strichen hervor, dass es Einrichtungen wie die Mentlvilla brauche. Doch über das Wo und das Wie, darüber gingen die Meinungen naturgemäß auseinander. Anrainerin Sabine Edlinger ergriff als Erste das Wort und schilderte eindringlich, wie sich in den vergangenen drei Jahren der Lärm, die Schlägereien, die Pöbeleien gesteigert hätten. „Das Bild eines Drogentoten vor unserem Haus kriege ich nicht mehr aus dem Kopf“, erklärte sie. Und weiter: „Wir brauchen sofort Maßnahmen und Luft zum Atmen.“ Eine weitere Bewohnerin aus der Gegend sprach davon, dass sie „Angst hätte“, in die Garage zu gehen. Und dass sie wisse, dass bereits mehrere Menschen weggezogen seien, weil sie sich nicht sicher fühlten. „Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt“, gestand sie weiter.

Jürgen Gschnell, Bereichsleiter der Caritas, die die Mentl­villa ja betreibt, hatte „volles Verständnis“ für die Beschwerden der Anwohner. Eine Position, die die Caritas schon mehrfach eingenommen hatte. Auch die Mentlvilla sei Anrainer in diesem Bereich. Man habe auf der Straße aber keine Handhabe. „Außerdem haben wir leider nicht die Ressourcen, um hier länger eine Betreuung anzubieten.“ Dass die Einrichtungen teilweise nicht lange genug offen halten können, darin orteten etliche Bürger ein Problem. Eine Ausdehnung wünschen die Anrainer nicht. „Dann haben wir gar keine Ruhe mehr.“ Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler schilderte die Anstrengungen der Polizei. „Wir hatten 400 Kontrollen in zwei Wochen und einige Dutzend Anzeigen. Wir haben hier eine Mixtur aus verschiedenen Gruppen, die nur schwer polizeilich in den Griff zu bekommen sind.“ Kirchler ortete eine leichte Entspannung, aber noch keine Lösung.

Eine Lösung sehen viele in einem Alkoholverbot. Dies wird wohl im Dezember beschlossen. Gruber, der sich dafür ausspricht, erklärte: „Wir haben hier eine andere Meinung als BM Will­i, es gibt für das Verbot im Gemeinderat ein­e Mehrheit. Es muss jedem klar sein, dass wir das Problem damit allein nur verlagern.“ Dieser Verlagerung (und auch dem Alkoholverbot) möchte Willi durch einen weiteren Standort entgehen. „Wir suchen. Es braucht auch Präventionsmaßnahmen und eine Entzerrung des Themas, sonst stehen wir in einem halben Jahr in einem anderen Stadtteil wieder auf einem Podium.“

Gruber bestätigte, dass man in Sachen Drogenprävention in den vergangenen Jahren „Versäumnisse“ gemacht habe. Er wolle das jetzt als Ressortzuständiger ändern. Die Politik versprach zeitnahe Lösungen. Auch nach der Versammlung wurde die Thematik noch heiß diskutiert. FP-Stadträtin Andrea Dengg meinte beispielsweise, dass sie „schockiert“ sei, dass es nur so kurze Betreuungszeiten gäbe. Hier müsse die Stadt „Geld in die Hand nehmen“. Dengg beklagte auch, dass die FPÖ-Warnungen, dass es in Innsbruck Drogenprobleme gibt, stets abgekanzelt wurden.