Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Exklusiv

Kufstein: Wenn der Notarzt im Stau steht

An verkehrsreichen Tagen soll die Zufahrtsstraße zum Kufsteiner Krankenhaus nur noch für Einsatzfahrzeuge, Besucher und Anrainer offen sein. Probleme gibt es mit der Überwachung.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein – In den großen Skigebieten rüstet man sich für die kommende Saison. Was aber am Berg mit Freude erwartet wird, sorgt im Tal oft für das Gegenteil. Gerade in der Stadt Kufstein sieht man einem die städtische Straßeninfrastruktur lahmlegenden Umstand mit einigem Ärger entgegen: So sorgen seit mehreren Jahren die Autofahrer, die der Vignettenpflicht und dem Grenzkontrollen-Stau von der Inntalautobahn auf das niederrangige Straßennetz entfliehen, für ein Verkehrschaos. Besonders gravierend ist es am Wochenende, wenn die Tagesskigäste mit dem Urlauberschichtwechsel zusammenkommen. Die Situation ist derart problematisch, dass nun auch das Bezirkskrankenhaus Alarm schlug. Die Zufahrt zum Spital, die am Kreisverkehr Süd im Stadtteil Endach beginnt bzw. in diesen mündet, ist mit Regelmäßigkeit dicht.

„Das geht so weit, dass die Krankenwagen und der Notarzt nicht mehr weiterkommen“, schildert Rudolf Puecher, Obmann des Gemeindeverbands Bezirkskrankenhaus Kufstein und Bürgermeister von Brixlegg, gegenüber der TT. Das habe bereits zu brenzligen Situationen für Patienten geführt. Daher habe man sich auch an die Stadt gewandt und eine Gegenmaßnahme angeregt.

Nur was tun? Immerhin sucht man in der Stadt schon lange nach Lösungen für die kaum noch erträgliche Verkehrsbelastung.

Als eine rasch umsetzbare Maßnahme erwies sich eine temporäre Sperre der Ab- und Zufahrt des Kreisverkehrs in Richtung Krankenhaus. Bereits in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates hätte sie eigentlich beschlossen werden müssen. „Aber uns wurde von der Behörde mitgeteilt, dass ohne ein Verkehrsgutachten eine solche Sperre nicht lange halten würde“, erklärt Bürgermeister Martin Krumschnabel, warum der Punkt wieder abgesetzt wurde. Im Ganzen wäre die Umsetzung äußerst schwierig, wie der Stadtchef weiter erklärt. Gedacht ist, an Tagen, an denen ein starkes Verkehrsaufkommen erwartet wird, die Abfahrt zu sperren. Ausgenommen wären Einsatzfahrzeuge, Besucher des Krankenhauses und Bewohner des Stadtteils.

„Das Problem dabei ist die Überprüfung, ob jemand berechtigt ist, die Straße zu benützen“, zeigt Krumschnabel auf. Aber trotzdem habe man der Krankenhausführung zugesagt zu helfen. Ihm würde jedoch eine für ihn wesentlich bessere Lösung vorschweben: Im Bereich des Krankenhauses existiert in Richtung Heizwerk eine Privatstraße der Stadtwerke, die zum Krankenhaus führt. „Die Stadtwerke haben zugesagt, die Straße für diesen Zweck zu öffnen“, erklärt Krumschnabel.

Dagegen legte sich aber die Kufsteiner Krankenhausführung quer. Die Straße müsste nämlich an einer Stelle ins Areal der Einrichtung münden, „an der wir erweitern wollen“, sagt Obmann Pueche­r. Zudem müsste man mit einem sechsstelligen Betrag für den Ausbau rechnen. „Das sehe ich nicht ein, dass wir das bezahlen sollen“, erinnert Puecher an die Erschließungskosten. „Eine temporäre Sperre hilft auch den Anrainern“, fügt der Verbands­obmann an. Für Krumschnabel hingegen sollte das bei einem „Krankenhaus-Budget von 100 Millionen Euro nicht so ins Gewicht fallen“.