Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Innsbruck-Land

Gemeinderat erteilt Bordell in Gries eine Abfuhr

Der Gemeinderat lehnte ein Bor­dell nahe der Grenze ab. Dabei hatte der Antragsteller eine Belebung fürs gesamte Wipptal versprochen.

© dpa(Symbolfoto)



Von Denise Daum

Gries a. Br. – Einstimmig abgelehnt. Auch die kurzfristige Entscheidung, eine geheime Abstimmung durchzuführen, änderte nichts daran: Der Gemeinderat von Gries am Brenner will einfach kein Bordell haben. Auch wenn man der Meinung war, dass sich der Antrag wohl von selbst erübrigt habe: Just gestern wurde nämlich bekannt, dass über die ansuchende Gesellschaft, die den Nachtklub in der Nähe der italienischen Grenze betreibt, wo eben auch die Beschäftigung von bis zu zwei Prostituierten gewünscht ist, das Konkursverfahren eröffnet wurde.

Trotzdem wollte Bürgermeister Karl Mühlsteiger den Antrag behandelt wissen. „Es ist in dieser Gemeinderatsperiode das erste Ansuchen um die Erteilung einer Bordellgenehmigung. Mir ist einfach wichtig zu wissen, wie der Gemeinderat grundsätzlich zu diesem Thema steht“, erklärt Mühlsteiger. Das war nach einer relativ kurzen Diskussionsrunde klar: absolut negativ. Während der Diskussion stieß auch einer der Antragsteller zur Sitzung. Als die Stimmzettel ausgezählt waren, wollte dieser eine Erklärung für das Nein. „Ich verstehe nicht, warum das abgelehnt wird. Da oben ist der sicherste Ort, so viel Polizei wie da ist.“ Und: „Das Wipptal stirbt aus. Die jungen wandern ab, weil sie nirgends hinkönnen.“ Ein Umbau des Lokals wäre zudem finanziell im Rahmen, beteuert der Antragsteller.

Bürgermeister Mühlsteiger bezweifelt, dass „ein Bordell das Wipptal belebt. Ich glaube nicht, dass die Jungen sagen, los, hauen wir uns am Abend an die Bar im Bordell.“ Gries am Brenner, so der Bürgermeister, habe das falsche Einzugsgebiet für ein derartiges Etablissement. „Da muss auch von der Infrastruktur mehr angeboten werden. Der klassische Besucher hat andere Ansprüche als nur den Bordellbesuch. Da braucht’s ein Kino, Restaurants und so weiter in der Umgebung.“

Die Gemeinde Gries am Brenner erhält immer wieder Ansuchen um Bordellgenehmigung. Das dürfte an der Lage der Grenzgemeinde liegen, in Italien sind Bordelle nicht erlaubt.