Letztes Update am Fr, 23.11.2018 09:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


SPÖ

Aufregung um Sager: Für Dornauer wird es eng, Blanik bleibt loyal

Wegen seines umstrittenen Sagers im Landtag schoss sich zuerst die Tiroler ÖVP am Donnerstag auf den neuen Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer ein. Auch von der eigenen Bundespartei kommt nun scharfe Kritik. Klubchefin Elisabeth Blanik stellt sich hinter Dornauer.

Der designierte Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer.

© Vanessa Rachlé / TTDer designierte Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer.



Wien, Innsbruck - Eigentlich war alles bereits in der Landtagssitzung am vergangenen Donnerstagabend geklärt. Eine äußerst unpassende und flapsige Formulierung des geschäftsführenden SPÖ-Chefs Georg Dornauer im Zusammenhang mit der krank im Bett liegenden Grün-Landesrätin Gabriele Fischer ("Ich will mir die Frau Landesrätin gar nicht in der Horizontalen vorstellen") sorgte für Irritationen.

Zuvor hatte nämlich LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) darauf verwiesen, dass Fischer krank im Bett liege. Grün-Mandatar Michael Mingler forderte aufgrund von Dornauers Wortmeldung eine Entschuldigung, die auch postwendend erfolgte. Dornauer erklärte, dass er sich ausschließlich auf die Bettlägerigkeit der Landesrätin bezogen habe. Sollte dies falsch rübergekommen sein, so entschuldige er sich selbstverständlich dafür. Zum Video der Landtagssitzung kommen Sie >> hier.

"Es spricht für Sie, dass Sie das sofort klargestellt haben", sagte danach Landtagsvizepräsident Anton Mattle (ÖVP) an die Adresse Dornauers. ÖVP-Klubchef Jakob Wolf meinte sogar, er hätte es nie so verstanden. Nach einer SMS Fischers an Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha leistete der SP-Politiker noch einmal Abbitte, weil der Begriff offensichtlich doch "falsch" aufgefasst worden sei. Die Abgeordneten quittierten die neuerliche Entschuldigung mit anerkennendem Applaus. Damit war das Thema vermeintlich abgehakt: bei allen Abgeordneten, auch den Grünen.

ÖVP schoss sich auf Dornauer ein

Eine Woche später, und nach der Wahl Dornauers zum neuen Tiroler SPÖ-Chef, begann es jedoch zu rumoren. Mittwochnachmittag twitterte Tirols VP-Pressesprecher und Ersatzbundesrat Sebastian Kolland seine Empörung: "Letzte Woche im Landtag noch zum Fremdschämen, diese Woche Parteiobmann. So geht neue SPÖ in Tirol." Das ging durch die Decke, schließlich schickte er nur die Videosequenz ohne die Entschuldigungen mit.

Die Bundes-ÖVP forderte sofort Konsequenzen, schließlich habe sie Efgani Dönmez sofort aus dem ÖVP-Parlamentsklub ausgeschlossen. "Ich erwarte mir rasche und klare Konsequenzen der SPÖ-Bundesspitze für Dornauer", forderte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer.

SPÖ-Frauenchefin fordert Rücktritt

Vor dem Bundesparteitag am Samstag reagierte dann auch die dort zur Wahl stehende Pamela Rendi-Wagner. "Die Aussage von Georg Dornauer jun. ist inakzeptabel", wurde der neue SPÖ-Chef sofort aus allen Bundesgremien hinauskomplimentiert. Noch einen Schritt weiter ging Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek. "Sexistisch" sei das Verhalten Dornauers. Als Bundesfrauenvorsitzende verlangt sie Konsequenzen und dass Dornauer von den Landesfunktionen zurücktritt.

Blanik bleibt loyal

Und wie steht die Tiroler SPÖ dazu? Klubchefin Elisabeth Blanik hat Dornauers Aussage im Landtag "natürlich als unpassend" empfunden, "doch er hat sich sofort dafür entschuldigt". Einen Rücktritt schließt sie aus. Frauenchefin NR Selma Yildirim will ein persönliches Gespräch mit Dornauer führen und im Parteivorstand darüber reden. Wie Blanik hält sie einen Rückzug zum derzeitigen Zeitpunkt für nicht angemessen.

Dornauer selbst geht davon aus, dass die Landespartei hinter ihm steht. "Ein Rücktritt steht für mich definitiv nicht zur Diskussion." Sexismus habe in der Sozialdemokratie und auch bei ihm keinen Platz. "Meine Aussage war unglücklich formuliert und wurde leider missverstanden. Ich entschuldige mich auch an dieser Stelle nochmals", sagte er gestern. (pn, TT.com)