Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Landespolitik

Projekt schlägt hohe Wellen

Die künstliche Welle am Ziller in Fügen nimmt Form an. Der Gemeinderat will zwar mitsurfen, aber der Flächenverbrauch für das Gesamtkonzept sorgte für Diskussionsstoff.

© Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Fügen – Sie ist wieder aufgetaucht. Größer als zuvor. Verpackt in einem großzügigen Freizeitprogramm. Auftrieb erhält sie vom Tourismusverband Erste Ferienregion im Zillertal. Die Rede ist von der Welle oder auch Dreamwave genannt. Dabei handelt es sich um eine künstliche Surfwelle, die in einem Seitenarm des Zillers entstehen soll.

Seit Jahren gibt es Bestrebungen, dieses Projekt im Zillertal zu realisieren. Der Mayr­hofner Markus Bair tritt nun als Betreiber auf. Das Patent für die Welle kommt von der Deutschen Firma Dreamwave. Der Clou an der Sache: Auch der Fügener TVB ist mit an Bord. Er kauft bzw. pachtet die notwendigen Grundstücke nördlich des Rischbaches und plant mit. Zudem hat die Uni Innsbruck ein Modell der Surfwelle gebaut – um alle technischen Fragen zu klären. Sie funktioniert.

Am Mittwochabend stellten Bair und der TVB-Aufsichtsrat das Projekt dem Fügener Gemeinderat vor. „Es ist eine Weltneuheit, die größte stehende Welle. Wir Zillertaler könnten endlich einmal die Ersten mit einem Leuchtturmprojekt sein. Der TVB ist mit bis zu 100.000 € in Vorleistung gegangen“, sagte TVB-Obmann Ernst Erlebach. Neben der Surfwelle sind auf 4,5 Hektar ein Hochseilgarten, Biotop, Gartenlabyrinth, Parkplatz und ein Gebäude mit kleiner Sauna, Umkleide, Shops sowie Gastro geplant. Der Ziller-Radweg wird in die Freizeit-Anlage integriert.

Doch dafür musste der Gemeinderat die 4,5 ha Grund erst aus der landwirtschaftlichen Vorrangfläche nehmen. Sonst kann der TVB die Grundstücke nicht erwerben und das Projekt ist hinfällig.

Drei Stunden lang diskutierten die Mandatare. Das Projekt an sich kam gut an. Nur die Größe sorgte bei manchen für Kopfschütteln. „Zuerst war es nur die Welle mit einem Kiosk. Wir wollen die Natur erhalten und nicht alles verbauen“, sagte GR Christian Hotter. Surfen alleine sei laut Bair als Angebot zu wenig, das würde sich nicht rechnen. Der Flächenverbrauch sei nicht viel größer als ursprünglich geplant und „alles ist sehr naturnah geplant, wir betonieren da ja nicht alles zu“. Für Tino Schmidhofer sind die 4,5 ha zu viel: „Ich glaube, das kann man noch eindampfen.“

Auch BM Dominik Mainusch forderte eine verkleinerte Version des Projektes. „Die neu geplante Bundesstraße hat bereits viel verschlungen. Wir sind jetzt bei 15 ha. Schön langsam müssen wir aufpassen. Dieses Projekt ist für mich ein extremer Flächenfraß“, sagte GR Annelies Sprenger. Sie könne der Welle in dieser Größe nicht zustimmen.

„Die Fläche ist ja nicht irgendwo mitten im Grünen, sondern neben einer Industrieanlage, einem Lagerplatz und einer lauten Straße. Das muss man schon differenziert sehen“, sagte GR Roland Pfister. Er finde es toll, dass sich ein Zillertaler über das Projekt drübertraue. Erlebach betonte zudem, dass bereits Firmen wie Jochen Schweitzer oder Red Bull Anfragen zur Welle geschickt hätten. GR Heinz Binder sieht im Projekt ein Naherholungsgebiet, das vor allem auch für Einheimische einen Mehrwert habe.

Ob alle Attraktionen in der geplanten Größe notwendig seien, stellte auch GR Viktoria Neuner-Opbacher in Frage. „Man sollte dem Unternehmen aber schon die Chance geben, sich zu entwickeln.“ Sie sehe in der raumordnerischen Änderung kein Problem, immerhin habe man mit der Widmung noch Möglichkeiten, einzugreifen.

„Mir ist das noch zu wenig detailliert“, sagte GR Roland Unterlercher. GR Jakob Dreier und GR Sebastian Schwarzen­auer sahen zudem Probleme bei der Integration des Ziller-Radweges. Einige Mandatare wollten die Entscheidung daher auf Jänner vertagen. Die Untergruppe für Raumordnung tagt im Februar. Doch Bair müsse bis Weihnachten seinem Projektpartner in Deutschland eine fixe Zusage geben. Auch der TVB stehe unter Druck. „Wir haben eine Deadline von den Förderstellen“, sagte Erlebach. Zudem betonte Bair, dass man stetig planerisch auf die Vorgaben der Behörden reagiere. „Betriebstechnisch geht das ganze Projekt nicht kleiner. Dieses Risiko können wir nicht eingehen“, sagte er. Bair investiere rund acht Millionen Euro.

BM Mainusch schlug vor, das Raumordnungskonzept zu ändern und die 4,5 ha aus der landwirtschaftlichen Vorrangfläche zu nehmen. Er wolle Bair eine Sicherheit und politische Projektzusage erteilen. „Ich wusste nicht, dass man es nicht verkleinern kann. Aber wir verbauen uns ja nichts. Wir haben noch immer die Widmung und wenn wir den Bebauungsplan auf null einfrieren, muss jedes Objekt von uns abgesegnet werden“, sagte Mainusch.

Mit neun Jastimmen, vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen fiel der Startschuss für die Welle in Fügen.