Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.11.2018


Exklusiv

Fernpass: Land Tirol plant jetzt Mautpflicht

Das Land ließ ein Mautmodell am Fernpass prüfen und überlegt eine Maut wie am Felbertauern. Der Bund soll sich offenbar beim geplanten Tschirganttunnel bewegen.

© TscholStauzone Fernpass: Jetzt wird sogar überlegt, die Strecke samt dem geplanten Scheiteltunnel zu bemauten.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Fernpassstrecke ist eine der Tiroler Stauzonen. Wie die Verkehrssituation nachhaltig entlastet werden kann, darüber wird seit Jahren heftig diskutiert. Die schwarz-grüne Landesregierung hat sich im Koalitionsprogramm auf die Errichtung des 1360 Meter langen Fernpassscheiteltunnels politisch geeinigt. Doch nach wie vor zieht die Landesregierung nicht an einem Strang. Während die ÖVP den Tunnel bis 2025 realisieren möchte, hoffen die Grünen weiterhin, dass die Tunnelpläne platzen.

Allein mit einem Verkehrsleitsystem und der Fernpassstrategie werde man schlussendlich nicht weiterkommen, unterstreichen die Tunnelbefürworter. Zwischen 2007 und 2017 hat der Verkehr um 30 Prozent zugenommen. Durchschnittlich fahren rund 14.000 Fahrzeuge pro Tag über den Fernpass, an Spitzentagen sind es sogar 26.000. An mehr als 50 Tagen gibt es wegen der Blechlawine deshalb Blockabfertigungen. Kritiker befürchten wiederum, dass mit dem Tunnel eine weitere Transit-Route durch Tirol entsteht und das Fahrverbot für Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen fällt. Insgesamt soll der Tunnel die Fahrt über den Fernpass um 3,5 Kilometer abkürzen und die steilen Passagen umfahren.

Zuletzt hat die Umweltbehörde festgestellt, dass es für den Tunnelbau keine Umweltverträglichkeitsprüfung benötige, ein Naturschutzverfahren reicht aus. Ein Baubeginn wird 2021 anvisiert, der Tunnel dürfte rund 110 Millionen Euro kosten.

Jetzt gibt es rund um den Tunnel und die Fernpassstrecke eine weitere Entwicklung. Denn das Land Tirol überlegt ernsthaft, den Straßenabschnitt zu bemauten. Als Vorbild dient der Felbertauern in Osttirol. Das Mautmodell wurde in den vergangenen Wochen geprüft und auch mit der Wirtschaft wurde Kontakt aufgenommen. Für die Bevölkerung im Außerfern soll es natürlich Ausnahmen, wie in Osttirol, geben. Die Mauteinnahmen wären natürlich eine willkommene Einnahmequelle.

Zum einen stehen Erhaltungsmaßnahmen beim Lermooser Tunnel sowie beim Grenztunnel Füssen an. Rund 60 Millionen Euro müssen dafür aufgebracht werden. In Zeiten von angespannten öffentlichen Haushalten sehr viel Geld. Gleichzeitig kann die Maut als Querfinanzierung verwendet werden. Möglicherweise soll noch heuer eine Grundsatzentscheidung über die Maut am Fernpass getroffen werden.

Eine politische Weichenstellung für ein weiteres, seit Jahren in der Warteschleife hängendes Projekt könnte ebenfalls in den nächsten Wochen erfolgen. Obwohl der Tschirganttunnel ebenfalls umstritten ist, wird er von der ÖVP, der Wirtschaft und Landeshauptmann Günther Platter seit Jahren vehement gefordert. Der Tunnel ist als direkte Anbindung vom Inntal zum Fernpass geplant und soll die Gemeinden am Mieminger Plateau sowie in Tarrenz, Imst und Nassereith vom Verkehr entlasten.

Der Bund und die Autobahnstraßenfinanzierungsgesellschaft Asfinag standen dem Vorhaben bisher äußerst skeptisch gegenüber. Wohl auch wegen der Kosten, die rund 340 Millionen Euro betragen würden. Die Experten im Verkehrsministerium haben den Tschirgant-tunnel als nicht sinnvoll bewertet. Weil außerdem die Gefahr einer zweiten Transitachse besteht und die verkehrspolitische Sinnhaftigkeit fehlt. Das Projekt wurde von der Prioritätenliste gestrichen.

Das soll sich jetzt ändern. Wie es heißt, gibt es derzeit intensive Verhandlungen zwischen Platter und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Zuletzt machten sogar Spekulationen die Runde, dass Hofer einem Tirol-Besuch bereits Mitte Dezember grünes Licht für Vorarbeiten in Aussicht stellen werde. Ob es dazu kommt, steht noch nicht fest. Von einem Durchbruch beim Tschirgant ist allerdings die Rede.