Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.12.2018


Exklusiv

Kochlehrling an Innsbrucker Klinik droht Abschiebung

Ein 22-jähriger Afghane mit Lehrstelle an der Innsbrucker Klinik zittert vor der Berufung zu seinem Asylbescheid.



Nach einem negativen Asylbescheid hat Abbas jetzt Berufung gegen den Bescheid eingelegt.

© LindnerNach einem negativen Asylbescheid hat Abbas jetzt Berufung gegen den Bescheid eingelegt.



Von Marco Witting

Innsbruck – Abbas spricht langsam. Aber nur, weil er beim Gespräch mit der Zeitung ein wenig aufgeregt ist. Denn Deutsch kann der 22-Jährige gut. Sehr gut sogar. Seit April ist Abbas in der Großküche der Innsbrucker Klinik als Kochlehrling angestellt. Er lernt schnell. Er hat gute Noten. Er ist beliebt. Doch nach einem ersten negativen Asylbescheid droht dem jungen Mann – trotz Berufung – die Abschiebung. In der Innsbrucker Klinik versteht man das nicht.

Abbas’ Eltern sind Afghanen. Doch dort lebte der junge Mann nie. Die Familie war in den Iran geflüchtet, weil sein Stamm politisch verfolgt wurde. Im Iran lernte er etwas kennen, das ihm noch heute Angst macht, wenn er die Polizei sieht. „Wir sind oft grundlos mit dem Stock geprügelt worden“, sagt er. Mehr möchte er dazu gar nicht sagen. 2015 flüchtete er aus dem Iran. Einen Monat war er auf der Flucht, landete in Traiskirchen, der Tennishalle in Innsbruck und in der Traglufthalle. Heute wohnt Abbas in einer kleinen Garçonnière und geht jeden Tag in der Klinik seiner Arbeit nach.

Chef Josef Lindner ist voll des Lobes für seinen Schützling. „Er ist sehr fleißig und beliebt. Hat beste Noten und ist unglaublich ordentlich.“ Es gebe fast keine Kochlehrlinge mehr, sagt der Leiter der Großküche. 1200 Knödel hatte Abbas an diesem Tag u. a. zu drehen. Während Lindner mit Blick auf die Lehrbestätigung durch das AMS anfügt: „Da gibt es ja auch für uns keine Planungssicherheit. Abbas dürfte bis 2021 hier eine Lehre machen. Wir wissen aber nicht, wie lange er bleiben darf.“

Dass nun auch aus öffentlichen Betrieben Lehrlinge, selbst aus Mangelberufen, abgeschoben werden, versteht man in der Klinik nicht. Sprecher Johannes Schwamberger sagt: „Es gibt zwei Punkte. Einerseits das Menschliche. Und andererseits auch das Betriebliche. Es gibt angeblich 708 fehlende Köche in Tirol. Wenn man ihn abschiebt, dann sind es 709. Wir bitten als Unternehmen und Menschen, hier eine Ausnahme zu machen.“

Für den 22-jährigen Lehrling ist die Situation besonders schwierig. Als afghanischer Staatsbürger würde ihn Österreich in sein Heimatland zurückschieben. Nur: Dort hat der junge Mann gar nie gewohnt und kennt auch niemand. „Es ist schwer, Pläne zu machen“, sagt er zu dem schwebenden Verfahren. Die Situation sei belastend, heißt es aus seinem Umfeld, wo auch bestätigt wird, dass Abbas sich mittlerweile sehr gut integriert hat in Innsbruck. Dafür würde nicht zuletzt sein Engagement bei Vereinen und der Flurreinigung sprechen.