Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.12.2018


Exklusiv

Tratter plant Campus für Berufsschulen in Innsbruck

Sanierungsbedürftige Standorte am Lohbachufer und St. Nikolaus sollen durch Neubau verschmelzen. Grundsatzbeschluss soll Anfang 2019 fallen.

Aus dem alten Berufsschulzentrum am Lohbachufer soll ein neuer Berufsschulcampus werden. Der Standort St. Nikolaus würde aufgelassen.

© Foto TT / Rudy De MoorAus dem alten Berufsschulzentrum am Lohbachufer soll ein neuer Berufsschulcampus werden. Der Standort St. Nikolaus würde aufgelassen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der bautechnische Zustand des Innsbrucker Berufsschulzentrums Lohbachufer hatte zuletzt 2011 für Schlagzeilen gesorgt. In einem Dringlichkeitsantrag des damaligen LA Gottfried Kapferer (Liste Fritz) wurde das Land zu einer umfassenden Sanierung der Gebäude aufgefordert. Ein knappes Dreivierteljahr später stürzte ein Deckenteil einer Klasse während des Unterrichts zu Boden und verletzte eine Schülerin, die TT berichtete.

Sieben Jahre sind seither vergangen. Mit der Neuauflage von Schwarz-Grün II hat Landesrat Johannes Tratter (VP) die Hochbauagenden über. Er plant nun die Errichtung eines eigenen Schulcampus für Berufsschulen in Innsbruck. Und zwar am Standort Lohbachufer. Dort, wo derzeit besagte Berufsschulen für Elektrotechnik, Handel und Büro sowie Schönheitsberufe bereits situiert sind. Integriert sind auf diesem Areal auch ein Schülerheim sowie ein Internat. Sowohl der bauliche als auch der technische Zustand der Gebäude seien absolut sanierungsbedürftig, sagt Tratter. Auch die Barrierefreiheit fehle. Seit Jahren sind dort Schüler teils in Containern untergebracht.

Nicht viel anders verhält es sich mit der Berufsschule für Bäcker, Chemielaboranten und Fleischer in St. Nikolaus. Auch diese Schule gehöre saniert und modernisiert – zum Teil bestehe Denkmalschutz.

Schätzungen der Baudirektion zufolge dürfte eine Sanierung der beiden Schulstandorte einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Tratter schlägt daher die Zusammenführung beider Schulstandorte vor: „Anstatt eines langjährigen Sanierungsflickwerks wäre das überlegenswert.“ Je nach Flächenbedarf des neuen Berufsschulcampus wird ein Mix aus Neubau und Generalsanierung am Standort Lohbachufer angedacht. Die Kosten dürften auch hier in den zweistelligen Millionenbereich gehen. Jedoch sei der Mehrwert eines Berufsschulcampus ungleich höher, sagt Tratter. Infrastruktur und Verkehrsanbindung seien ideal. Tratter baut auf die Unterstützung der Wirtschaftskammer, schließlich sei auch der Fachkräftemangel in Tirol spürbar. Abstimmungsgespräche mit Bildungs-LR Beate Palfrader (VP) hätten noch zu erfolgen. Nachnutzungsoptionen für den aufzulassenden Standort in St. Nikolaus bestünden – allenfalls für betreutes Wohnen und Pflege. Kammerpräsident Christoph Walser würde solch einen Campus jedenfalls begrüßen: „Das würde die Schulen aufwerten.“ Finanziell sei es aber eine Angelegenheit des Landes.

Tratter will einen Grundsatzbeschluss der Regierung im Jänner 2019 erreichen, im Februar soll ein Architekturwettbewerb vorbereitet werden. Baustart soll 2021 sein.