Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Bezirk Kitzbühel

Investoren-Hotels in Fieberbrunn: „Von Bodensparen kann keine Rede sein“

LA Sint kritisiert Rolle des Landes bei Investoren-Hotels in Fieberbrunn. Land verweist auf Gemeindeautonomie.

Im Herbst wurde für ein Investoren-Hotel in Fieberbrunn geworben. Ein zweites Projekt sowie ein Großhotel lassen die Bettenzahl anschwellen.

© StrozziIm Herbst wurde für ein Investoren-Hotel in Fieberbrunn geworben. Ein zweites Projekt sowie ein Großhotel lassen die Bettenzahl anschwellen.



Innsbruck – Dass in Fieberbrunn innerhalb relativ kurzer Zeit drei große Hotels aus dem Boden sprießen, hat im Vorjahr für Diskussionen gesorgt. Zwei der Projekte sind Investorenmodelle. Solche Konzepte, bei denen sich international finanzkräftige Anleger Wohnungen kaufen und in einem Hotelbetrieb an Touristen vermieten, werden in Tirol immer öfter umgesetzt und sind etwa aus Sicht des Grundverkehrs umstritten. Für das dritte Großhotel verkaufte die Gemeinde 38.000 m² an einen bulgarischen Baumogul und übernimmt auch etwa Zufahrtstraße und Umwelt-Ausgleichsmaßnahmen. Mit den drei Projekten steigt in Fieberbrunn die Zahl der Gästebetten um 20 % auf mehr als 6000, kritisiert LA Markus Sint (Liste Fritz). „Dieser radikale Gästebettenboom verändert ein Dorf und verschlingt viel Steuergeld, um fehlende Infrastruktur zu errichten“, warnt er. Auch Hotel-Obmann und ÖVP-LA Mario Gerber kritisiert solche Großanlagen, weil sie zu Lasten der heimischen Hotellerie gehen würden.

Zum „Gästebetten- und Investorenboom“ in Fieberbrunn hat Sint jüngst 47 Fragen an LH Günther Platter und LR Johannes Tratter gestellt, etwa zur Rolle des Landes bei der Prüfung und Widmungsgenehmigung. Mit den Antworten zeigt er sich unzufrieden. „Beide verstecken sich hinter Unzuständigkeit und hinter der Gemeindeautonomie“, so Sint. Als „skurril“ bezeichnet er Tratters Aussage, wonach das Land bei solchen Großprojekten vorab eine flächensparende Bebauung prüfen würde. „Angesichts der Tatsache, dass allein zwei der drei Großprojekte mehr als 50.000 Quadratmeter Grund und Boden in Fieberbrunn beanspruchen, kann von Bodensparen keine Rede sein“, kritisiert Sint. Das Bodensparen gelte „nicht für den Tourismus, nur für die Einheimischen“. Sint kritisiert zudem, dass Tratter in seiner Antwort einerseits betone, die Widmung sei Gemeindesache, „andererseits lässt er wissen, der Widmung solcher Einzelstandorte gehe eine ausführliche aufsichtsbehördliche Prüfung voraus – was jetzt?“.

Tratter betont, dass Gemeinden einen Rechtsanspruch auf aufsichtsbehördliche Genehmigung hätten, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen einhalten. Zur Kritik, dass durch diese Anleger-Projekte 1050 Gästebetten und Druck auf die Hotellerie entstehen, verweisen Platter und Tratter darauf, dass es in Fieberbrunn im 4-Stern-S-Bereich noch kein Hotel, im 4-Stern-Bereich bislang 973 Gästebetten gebe. „Dies beleuchtet, dass Fieberbrunn vor allem im Bereich der gehobenen Beherbergung grundsätzlich kein Überangebot ausweist“, so Platter. Dass Gemeinde und Land Konkurrenz aus dem Ausland für die heimische Tourismusbranche fördern würden, weist Tratter zurück. „Es obliegt im Sinne des freien Kapitalverkehrs den Gemeinden, an wen sie Grundstücke veräußern“, so Tratter. (mas)

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