Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Landespolitik

Erstes Treffen für Mautregion rückt näher

Während am Brenner neue Transit-Rekordzahlen zu vermelden sind, nimmt Tirol EU-Kommissarin Violeta Bulc für die Maut-Pilotregion in die Pflicht.

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© www.muehlanger.at



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ganz so schnell schießen offenbar auch die Brüsseler Beamten nicht. Nicht bereits im Dezember, sondern erst im Jänner soll es jetzt zum ersten Koordinierungstreffen hinsichtlich einer „Maut-Pilotregion“ mit der EU-Kommission kommen. Das bestätigte gestern LHStv. Ingrid Felipe (Grüne).

Wie berichtet, will EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc ebensolche einrichten. Bis März sollen handfeste Ergebnisse vorliegen. Das versprach Bulc bei ihrer Tirol-Visite Anfang Dezember. Soll eine solche Korridormaut funktionieren, braucht es neben Nord- und Südtirol sowie dem Trentino aber auch die Bayern. Über die bereits existente „Brenner-Korridor-Plattform“ – ein Experten- und Technikergremium unter Führung von EU-Koordinator Pat Cox – soll Bulc nun beim Wort genommen und die Sache vorangetrieben werden.

"Am Ende des Tages müssen wir es schaffen, die Zahl der Transit-Lkw über den Brenner zu halbieren", sagt Ingrid Felipe (LHStv. Grüne)
"Am Ende des Tages müssen wir es schaffen, die Zahl der Transit-Lkw über den Brenner zu halbieren", sagt Ingrid Felipe (LHStv. Grüne)
- TT/Julia Hammerle

Denn das, was das große Tiroler Ziel ist, nämlich die Halbierung der Lkw-Transitzahlen, dürfte erst mit einer einheitlich hohen Maut zwischen München und Verona zu erreichen sein. Denn das könnte den hohen Anteil an Ausweichverkehr reduzieren. 300.000 zusätzliche Lkw-Fahrten über den Brenner will das Land bekanntlich durch eine Verschärfung beim sektoralen und Nachtfahrverbot erzielen. Die Begutachtung für beide Verordnungen läuft. Wirtschaftskammerboss Christoph Walser hat bereits diesbezügliche Forderungen angemeldet. Wie etwa eine neuerliche Landesförderung für die Umrüstung der Tiroler Lkw-Flotte auf den Euro-VI-Standard, ebenso wie Nachverhandlungen hinsichtlich der Übergangsfristen im Ziel- und Quellverkehr, die TT berichtete.

Was die Förderung betrifft, so kann sich Felipe selbige nur vorstellen, wenn sie sich auf alternative Antriebe und eben nicht mehr auf Verbrennungsmotoren beziehe. Hinsichtlich der Übergangsfristen zeigt sie Gesprächsbereitschaft: „Wir werden uns die Stellungnahme der Wirtschaftskammer genau anschauen.“ Die Begutachtungsfrist läuft bis 4. Februar.

Was die gestern bekannt gewordenen Asfinag-Transitzahlen 2018 am Brenner betrifft, meint Felipe: „Auch wenn die Zahlen jetzt nicht so rasant gewachsen sind – es ist der befürchtete Anstieg.“ Umso mehr bedarf es eines Bündels an Maßnahmen – auch des Ausbaus von Öffis und der verstärkten Kontrolle.

Während der motorisierte Individualverkehr (Pkw, Motorräder) bei der Asfinag-Hautptmautstelle Schönberg mit 11,4 Mio. Fahrten um gut 146.000 zurückging, stieg der klassische Lkw-Transitverkehr im Vergleich zu 2017 um weitere 7,4 Prozent auf 2,42 Millionen Fahrten an. Am meisten Lkw wurden im Juni (220.245), am wenigsten im Dezember (163.936) gezählt. Der stärkste Anstieg entfiel auf den Jänner (+21,6 %), das größte Minus wurde im September (-4,8 %) verzeichnet.




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