Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Landespolitik

Wie viel Tourismusgeld soll in Infrastruktur fließen?

(Symbolbild)

© Fotolia(Symbolbild)



Innsbruck – Für viel Aufregung hat die FPÖ gesorgt. Deren Tourismussprecher Alexander Gamper hatte gemeint, dass Tourismusverbände in maroden Gemeinden immer öfter zum Handkuss kämen und anstatt zu werben, zu viel Tourismusgeld in Infrastruktur fließen würde. Gamper hatte das Ausmaß von teils mehr als 50 Prozent bei manchen TVBs gestört.

„Das stößt mir sauer auf“, sagt Mario Gerber, Hotelier und ÖVP Tourismussprecher im Landtag. Die TVB-Investitionen seien in manchen Regionen „lebenswichtig“. Die Tourismusabgabe, die Betriebe zu entrichten haben, zu hinterfragen hält Gerber für „sehr gefährlich“. „Die Unternehmer, die die Abgabe zahlen, haben in der Vollversammlung ein Stimmrecht und sind zum Teil auch in TVB-Aufsichtsräten vertreten.“ Die Investitionen in die Infrastruktur würden jedoch zu wenig nach innen beworben, räumt Gerber ein. „Das wäre aber wichtig, um die Tourismusgesinnung im Land zu heben.“

Tourismusverbände seien nicht hauptsächlich für die Bewerbung einer Destination zuständig, meint NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer, selbst auch Hotelier. „Investitionen in die touristische Infrastruktur speziell für den Sommertourismus können nachhaltig zu einem Nächtigungsplus führen.“ Dies sehe man an den TVBs Stubaital, Achensee, Lechtal oder Tannheimer Tal. Insgesamt hätten die TVBs 175 Millionen Euro 2017 budgetiert. Umgerechnet auf die Nächtigungszahlen entspreche das 3,60 Euro, die die TVBs pro Gast und Tag zur Verfügung hätten, sagt Oberhofer.

Zu Wort gemeldet hat sich gestern auch der Leiter der Tourismusabteilung im Land, Gerhard Föger. „Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass ein TVB nicht unreflektiert Gemeindeaufgaben substituiert, selbst wenn er diesbezüglich vereinzelt unter Druck steht.“ Hier sei die Unternehmerschaft, die in den TVB-Gremien agiere, jedoch durchaus in der Lage, die erforderlichen Prioritäten zu setzen und sich auf tourismusrelevante Maßnahmen zu konzentrieren. „Mehr Sorge bereitet mir, wenn alte Infrastruktur oft jahrelang nicht geschlossen wird, weil sich der Bürgermeister nicht traut“, meint Föger. (aheu)