Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Exklusiv

Airbnb-Vermietung im Visier der Innsbrucker Stadtpolitik

Über 1500 Betten wurden auf der Online-Plattform zum Jahreswechsel in Innsbruck angeboten. Der Datenschutz bleibt Hemmschuh der Politik.

Auch viele ganzjährig nutzbaren Wohnungen landen in Innsbruck mittlerweile auf der Plattform.

© AFPAuch viele ganzjährig nutzbaren Wohnungen landen in Innsbruck mittlerweile auf der Plattform.



Von Marco Witting

Innsbruck – Innsbrucks Stadtpolitik tummelt sich mittlerweile öfter auf der Online-Buchungsplattform Airbnb. Es sind aber keine Urlaubspläne, die zum Handy oder zum Computer greifen lassen. Vielmehr ist es der Umstand, dass immer mehr ganz normale Wohnungen in Innsbruck auf der Plattform landen – und die Politik. BM Georg Willi nimmt die Vermieter dieser Einheiten jetzt noch schärfer ins Visier.

Einen Brief, wonach städtische Wohnungen hier nicht untervermietet werden dürfen, gab es ja bereits. Mit 31.12. 2018 fand Willi in Innsbruck Angebote für 1568 Betten in 568 Zimmern. Wohlgemerkt jene, die noch frei waren. Insgesamt dürfte die Zahl deutlich höher liegen. „Ich möchte mit Vertretern des Gemeinderats, des Tourismusverbandes und den Spezialisten des Instituts für Geografie eine Strategie entwickeln, die auf diesem Bereich Waffengleichheit sicherstellt“, sagte Willi. Die Ziele: Jede Airbnb-Vermietung müsse erfasst werden, damit auch alle Abgaben und Steuern bezahlt werden. Und Airbnb „muss radikal eingeschränkt“ werden, wenn dadurch ganzjährig nutzbarer Wohnraum dem Markt entzogen wird. Es brauche eine Lösung nach dem Vorbild von München, wo es zeitliche Beschränkungen der Vermietdauer gibt. Willi schweben diesbezüglich knapp zwei Monate vor. „Dafür brauchen wir die legistischen und raumordnerischen Rahmenbedingungen. An denen werden wir arbeiten, gemeinsam mit dem Land.“ Willi hat wenig Hoffnung, dass es zuvor schon eine bundesweite Lösung dafür gibt. Er nimmt auch die Wirtschaftskammer in die Pflicht, diese solle hier „mitziehen“. Weil durch die Plattform Wohnraum dem Markt entzogen werde und das auf Kosten jener Gelder gehe, die die Bürger im Börserl haben.

Insgesamt gab es laut Innsbrucks Bürgermeister zum Stichtag 31.12. in Tirol 4383 Angebote mit 24.000 Betten – viele auch ganz normale touristisch genutzt. Als zusätzlicher Vertriebskanal sei hier Airbnb in Ordnung, sofern auch die Betriebe bei den TVB registriert sind. Tourismusreferent Vize-BM Franz Gruber (VP) sieht im Datenschutz einen Hemmschuh für die öffentliche Hand.

„Wie bei der Leerstandsabgabe stoßen wir hier auch an die Grenzen. Es ist aber klar, dass wir dafür jetzt die rechtlichen Grundlagen dazu schaffen müssen, dagegen vorzugehen“, sagte Gruber.

Willi berichtet unterdessen auch von mehreren Hausversammlungen in der Stadt, bei denen die Vermietung von Wohnungen durch Airbnb negativ erwähnt wurde.