Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.01.2019


Bezirk Schwaz

Umfahrung: Verhandlungs-Puzzle in Fügen

Das Land verhandelt mit den von der Umfahrung betroffenen Grundeigentümern, die das eingereichte Projekt beeinsprucht haben. Mit Binderholz wurde eine Einigung gefunden, mit Möbel Wetscher ist sie in Aussicht.

Der neuen Umfahrungsstraße wird bei Wetscher Max u. a. das Parkdeck mit darunter liegenden Garagen und Waschbox weichen müssen.

© DählingDer neuen Umfahrungsstraße wird bei Wetscher Max u. a. das Parkdeck mit darunter liegenden Garagen und Waschbox weichen müssen.



Von Angela Dähling

Fügen – Bis Ende des Jahres 2018 einen Baubescheid für die Umfahrung Fügen in Händen zu halten. Das war der Wunsch. Erfüllt wurde er nicht, doch der Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch bleibt noch zuversichtlich, dass der Zeitplan mit vorgesehenem Baustart Ende 2019 eingehalten werden kann. „Sofern nicht jemand bei der Bescheidbekämpfung alle Rechtsmittel bis zur Enteignung ausschöpft“, setzt er nach. Denn ein Enteignungsverfahren – und das werde es notfalls geben – wirke sich zeitverzögernd aus. „Die Zwangsrechteinräumung will keiner, aber wir werden das Projekt nicht wegen Einzelner kippen, denen auch das bestmögliche Angebot nicht reicht“, betont der Bürgermeister und lässt durchblicken, dass es da Einzelne gebe, die Forderungen beim Grundtauschverhältnis hätten, die nach der geltenden Rechtslage im Zuge des Agrarverfahrens nicht durchführbar wären.

Als „sehr konstruktiv und positiv“ bezeichnet Christian Molzer, Vorstand Abteilung Verkehr und Straße im Amt der Tiroler Landesregierung, die bisherigen Gespräche. Er ist zuversichtlich, mit allen neun Grundeigentümern, die Einsprüche einlegten, eine Einigung zu finden.

Einspruch machte u. a. die Firma Binder. Der Grund: Die neue Straße sollte unterirdisch nur 80 cm neben deren Bürogebäude verlaufen. Vom Land beauftragte Statiker sahen darin kein Problem. Doch Binder lieferte ein Gegengutachten. „Wegen der Lärmbeeinträchtigungen und aus statischen Gründen wehrten wir uns. Es geht um die Sicherung des Gebäudes und um unmittelbare Schallübertragung“, erklärt Geschäftsführer Reinhard Binder. Laut ihm habe es vor einem Dreivierteljahr noch geheißen, dass der Abstand zwischen neuer Straßen und Firmengebäude zehn Meter betragen würde, plötzlich seien 80 cm daraus geworden. Laut Molzer sei hier die Vorplanung, die es schon länger gebe, offenbar als Detailplanung interpretiert worden. Inzwischen wurden die Pläne so geändert, dass der Abstand zirka fünf Meter betragen wird. „Damit ist das für uns erledigt und von uns aus kann gebaut werden“, sagt Reinhard Binder. In den Verhandlungen war auch die Zillertalbahn eingebunden. „Jetzt können wir einen Teil der Straße beim Binder unter ein Bahngleis verlegen, was vorher nicht möglich war“, erklärt Molzer, warum die Straße so nah an das Firmengebäude gerückt worden war. Positiver Nebeneffekt: Durch die Verlegung werde nun auch weniger Grund vom benachbarten Hanser-Bauern gebraucht.

„Wir hätten die Verhandlungen auch gerne schon vor Weihnachten abgeschlossen. Dass es dazu nicht kam, liegt nicht an uns“, sagt Martin Wetscher. Der Chef des gleichnamigen Möbelhauses hat noch einiges mit dem Land auszuverhandeln, nachdem er das Einreichprojekt beeinsprucht hat. „Weil so viele Dinge noch offen sind“, sagt er. Es gehe unter anderem darum, ob ein Wohnhaus („Malerhaus“), das vermietet ist, abgerissen werden muss. Der östlich an die Bahngleise angrenzende Parkplatz des Unternehmens samt darunter liegender Betriebstankstelle, Garagen und Waschboxen müsse für die Straße weichen und auch der so genannte Wetscher-Turm. Neben Unklarheiten bezüglich der Entschädigungen seien auch Erschließungsfragen offen. „Es muss bei der Erschließung halt alles nachher genauso perfekt funktionieren wie vorher und was Gescheites für die nächste Generation sein“, fordert Wetscher. „Grundsätzlich gibt es von uns ein Okay, wenn die Bedingungen erfüllbar sind“, sagt er. Laut Molzer müsse das Wohnhaus nicht abgerissen werden, aber vielleicht könnte oder sollte es. Man werde jedenfalls gemeinsam daran arbeiten, das Einreichprojekt einvernehmlich zu optimieren und auch mit den anderen Betroffenen die Einsprüche abarbeiten. LHStv. Josef Geisler: „Wir sind dabei, die offenen Fragen in sehr konstruktiver und partnerschaftlicher Art abzuarbeiten. Alle Beteiligten sind daran interessiert, die Umfahrung Fügen so rasch wie möglich auf Schiene zu bringen.“