Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Bezirk Schwaz

Achenseebahn: Mehr Macht für die Gemeinden

Im Februar gibt es bei der Achenseebahn eine außerordentliche Hauptversammlung. Dabei soll der Stimmenanteil von drei Gemeinden von 30 auf über 50 Prozent steigen.

Pro und Contra gibt es um die Elektrifizierung der Achenseebahn mit Appenzeller Garnituren.

© ZwicknaglPro und Contra gibt es um die Elektrifizierung der Achenseebahn mit Appenzeller Garnituren.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Spekulationen um die Zukunft der Achenseebahn gab es in den vergangenen Monaten genug. Soll der Bahn im 130. Bestandsjahr endgültig der Dampf ausgehen? So lautete oft die nicht unberechtigte Frage. Mittlerweile hat sich aber hinter den politischen Kulissen einiges bewegt. Von einem Soforthilfepaket von Land und Bund in der Höhe von 1,2 Millionen Euro sprach schon im Dezember LHStv. Josef Geisler. Inzwischen wurde die Zahlung von der Landesregierung beschlossen. Aber das mit einem Vorbehalt: Die Gemeinden Eben, Jenbach und Achenkirch sollen die Aktienmehrheit bekommen und damit wieder das Sagen bei der Dampfzahnradbahn haben.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Kittl hatte schon im Oktober des Vorjahres eine außerordentliche Hauptversammlung mit dem Ziel angekündigt, das Grundkapital durch Ausgabe von Aktien zu erhöhen. Am 8. Februar soll es nun so weit sein. Dabei soll das Grundkapital von rund 411.000 Euro auf 638.330 Euro erhöht werden. Den Ausgabebetrag pro Aktie beziffert Vorstand Georg Fuchshuber mit 370 Euro.

„Die SPÖ hat sich schon im Sommer 2018 für den Erhalt der Achenseebahn als öffentliches Verkehrsmittel und touristisches Angebot starkgemacht. Gemeinsam mit der FPÖ brachte man im Herbst einen Dringlichkeitsantrag im Tiroler Landtag ein“, sagt SP-Verkehrssprecher LA Philip Wohlgemuth. Er will ein langfristig gedachtes Konzept für die künftige Entwicklung der Bahn. „Dabei muss auch das Potenzial einer Elektrifizierung der Bahn einen zentralen Stellenwert einnehmen“, heißt es in einer Aussendung. Die Bundesregierung sei nun gefordert, die Achenseebahn wieder in das mittelfristige Investitionsprogramm für Privatbahnen aufzunehmen. Und auch Evelyn Achhorner als FPÖ-Verkehrssprecherin meldete sich zu Wort. Aus ihrer Sicht sei das Verkehrsministerium offen für den Ausbau und die Modernisierung der Bahn. „Hätten wir nicht mit der SPÖ einen derartigen medialen Druck erzeugt, wäre die Bahn nun Geschichte“, ist ihr Resümee. Nun habe die Regierung die notwendigen Gelder freigegeben, „damit sie zumindest weiterbetrieben werden kann“, betont Achhorner. Eine Modernisierung müsse in den kommenden Jahren kommen. Notwendig sei nach ihrer Meinung auch die Verlängerung der Bahn bis Pertisau.

LHStv. Josef Geisler betont, dass es eine Grundlagenerhebung der Achenseebahn durch das Land bereits gegeben habe, um für die Zukunft die richtigen Weichen zu stellen. Bei den Elektrifizierungsplänen hält sich seine Begeisterung jedoch in Grenzen. Auch ein neuer Verein in Jenbach stemmt sich energisch gegen eine Elektrifizierung.

„Ich hoffe, dass ich die angekündigten 1,2 Mio. Euro bis Ende Februar bekomme. Denn es ist nicht nur in das rollende Material zu investieren, sondern auch in den Streckenteil Eben-Seespitz, der mir bisher Sorgen machte“, sagt Vorstand Georg Fuchshuber. In einer Sofortaktion habe man im Herbst auf der Flachstrecke drei Langsam-Fahrstellen eingerichtet. Der Planungsauftrag für die Gleisbauarbeiten sei schon vergeben. Der Gleisbau selbst müsse wegen des engen Zeitfensters auch während des im Mai startenden Fahrbetriebes erfolgen. Allein das Rollmaterial erfordere Kosten in der Höhe von 300.000 Euro.

Einen beträchtlichen Finanzaufwand werde es aber auch in Zukunft brauchen, wie Vorstand Georg Fuchshuber aufzeigt. So erfordere die Erneuerung des derzeitigen Gleisbestandes samt Ausweiche rund 15 Millionen Euro. Eine Verlängerung der Strecke von Seespitz nach Pertisau koste inklusive der Elektrifizierung der Gesamtstrecke von Jenbach nach Pertisau aber weitere 15 Millionen Euro.