Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Exklusiv

Blauth geht: Klinik startet 2019 mit viel Gesprächsstoff

Die Innsbrucker Klinik steht vor einem überraschenden Abgang: Der bekannte Leiter der Unfallchirurgie, Michael Blauth, soll vorzeitig im Februar die Abteilung verlassen. Offenbar führten die Fusion der Unfallchirurgie mit der Orthopädie sowie die späte Ausschreibung seiner Nachfolge zu Differenzen.

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Innsbruck — Der über die Grenzen Tirols hinaus anerkannte Leiter der Unfallchirurgie an der Innsbrucker Klinik, Michael Blauth, bereitet derzeit überraschend seinen Abgang vor. Mit 1. Februar soll er die Medizinische Universität verlassen. Früher als geplant, was seit Tagen hinter den Kulissen für Spekulationen sorgt. Blauth selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

An der Kardiologie führt Medizin-Rektor Wolfgang Fleischhacker Sondierungsgespräche über den neuen Klinikchef. Dass fachlich bestqualifizierte Bewerber von der Berufungskommission nicht berücksichtigt wurden, beschäftigt indessen sogar die Landespolitik. Die Klubchefin der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, ortet in einer Anfrage an Gesundheits-LR Bernhard Tilg (VP) politische Einflussnahme. „Warum sind die beiden Personen mit den besten Gutachten nicht einmal in den Dreiervorschlag aufgenommen worden?", fragt sie. An der Med-Uni spricht man von einer „akademischen Watschn". Tilg und Fleischhacker weisen die Kritik zurück. Dennoch: Die Klinik startet mit viel Gesprächsstoff ins neue Jahr.

Unfallchirurgie und Orthopädie werden verschmolzen

Dass die Unfallchirurgie mit der Orthopädie verschmolzen wird und künftig unter „Orthopädie und Traumatologie" firmiert, mag indirekt eine Rolle bei Blauths vorzeitigem Abgang spielen. Ursprünglich wollte er im Herbst gehen. Zwar wurde die Besetzungskommission im Herbst eingesetzt, die Stelle für den neuen Klinikchef aber erst am 2. Jänner ausgeschrieben. Relativ spät. Die Abteilung könnte bis zur Berufung interimistisch geleitet werden, was Blauth wohl als Missachtung seiner langjährigen Tätigkeit sehen dürfte. So hat er seinen frühzeitigen Abschied angekündigt.

Vielschichtig stellt sich die Gemengelage an der Kardiologie dar: Nach der Abberufung von Michael Franz 2015 forcieren Med-Uni und Tirol Kliniken augenscheinlich einen kompletten Neuanfang mit einem Klinikmanager, der noch dazu von außen kommen soll. Der Haken dabei: Ein fachlich und wissenschaftlich bestens beleumundeter Kardiologe an der hauseigenen Innsbrucker Klinik wurde nicht einmal in den Dreiervorschlag aufgenommen. Daran scheiden sich die Geister, schließlich soll er von den Gutachtern an die erste Stelle gereiht worden sein.

Wie ist das möglich? Laut Universitätsgesetz muss sich nämlich die Begründung des Besetzungsvorschlags vor allem aus den Gutachten ergeben. Der namhafte österreichische Herzchirurg mit Innsbrucker Vergangenheit und Abteilungsleiter der Herzchirurgie am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Günther Laufer, möchte zu den Vorgängen in Innsbruck nicht Stellung beziehen. Nur allgemein: „Es müssten schon gewichtige andere Gründe vorliegen, um zu einem gänzlich abweichenden Ergebnis zu kommen."

Kommission bemühte sich um beste Entscheidung

Rektor Fleischhacker will das nicht so eng sehen und den Dreiervorschlag vorwiegend auf die Gutachten reduzieren. „Sie können davon ausgehen, dass ich in diesem Verfahren als Rektor nach bestem Wissen eine Auswahlentscheidung treffen werde — zum Wohle der PatientInnen, unserer Studierenden und der Forschung in diesem Fachgebiet", sagt er.

Gesundheits-LR Tilg wird in der Beantwortung der Landtagsanfrage schon deutlicher: „Es kann jedenfalls festgehalten werden — und dies wurde mir seitens der Tirol Kliniken ausdrücklich bestätigt —, dass im Auswahlverfahren der Medizin-Uni jedenfalls Fragen der Versorgungsmedizin und der Führungs- und Sozialkompetenz eine angemessene Berücksichtigung finden." Die Kommission sei jedenfalls ernsthaft bemüht gewesen, die beste Entscheidung für den Dreiervorschlag zu treffen.

Detail am Rande: An allen anderen Kliniken, wo sich der Innsbrucker Kardiologe in der Vergangenheit beworben hat, wurde er in den Dreiervorschlag aufgenommen. Dass nach seiner Ausbootung zuletzt für ihn massiv auf allen Ebenen interveniert wurde, sorgt allerdings ebenfalls für Irritationen. (pn)