Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


Exklusiv

Asylheime der TSD: Bei Sicherheit wird nachgeschärft

Innsbruck wird dem Land einen weiteren Streifen für die Errichtung des Manage-mentcenters abtreten. Damit steht einer Neuausschreibung nichts mehr im Wege.

Im Asylheim in der Innsbrucker Reichenau hat der Syrer seine Ehefrau erschlagen. Das Sicherheitskonzept wird nachgeschärft.

© Zeitungsfoto.atIm Asylheim in der Innsbrucker Reichenau hat der Syrer seine Ehefrau erschlagen. Das Sicherheitskonzept wird nachgeschärft.



Innsbruck – Nach den Gewalttaten in Asylheimen der Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste (TSD) mit einer Schwerverletzten und einer getöteten Syrerin gerät das dortige Sicherheitskonzept ins Visier. Der Betriebsrat fordert Adaptierungen, die FPÖ ortet massive Schwachstellen. 35 Sicherheitsmitarbeiter der TSD sind derzeit für die Kontrolle der 84 Unterkünfte und Heime zuständig.

In der schwarz-grünen Landesregierung führten die tragischen Vorfälle ebenfalls zu Debatten. In der Regierungsklausur wurde deshalb beschlossen, das Sicherheitskonzept der TSD in Zusammenarbeit mit der Polizei laufend zu evaluieren. Gestern saßen Polizei, Politik und Vertreter der TSD sowie von Gewaltschutzeinrichtungen an einem runden Tisch zusammen. Dabei wurde die aktuelle Situation analysiert. „Die Gewaltprävention ist der Landesregierung ein großes Anliegen und wird auch verstärkt in die Arbeit der TSD einfließen. Daneben ist der bestehende intensive und enge Austausch des Sicherheitsteams mit der Polizei für beide Seiten wichtig und hilfreich“, betonte die zuständige Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) nach der Sitzung.

Laut Sicherheitskonzept 2019 wird der Schwerpunkt darauf gelegt, den Aufenthalt von unbefugten Personen in den Unterkünften zu verhindern. Warum der Syrer, der von seiner später erschlagenen Frau getrennt gelebt hat, überhaupt noch nach 22 Uhr das Asylheim Reichenau betreten konnte, ist nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen.

Zu den verstärkten Sicherheitsvorkehrungen gehört darüber hinaus die Abnahme von verbotenen Gegenständen, die zur Gewaltanwendung verwendet werden können, sowie die Konfliktprävention. „Diese Aufgaben sollen insbesondere durch Standposten an den zwei Großunterkünften in Innsbruck und Lienz, durch mobile Streifen und stichprobenartige Besuche gewährleistet sein“, heißt es. Ein durchgängiger 24-Stunden-Bereitschaftsdienst soll ein permanenter Ansprechpartner für Exekutive und Bevölkerung sein. Gabriele Fischer ist überzeugt, dass mit Hilfe der unterschiedlichen Expertisen und Blickwinkel ein breites Bild an Möglichkeiten und Maßnahmen gezeichnet werden könne, „die uns dabei helfen, Gewalt zu verhindern. Es ist unser aller Anliegen, dass alle Menschen in Tirol sicher leben können.“

Der stellvertretende Landespolizeidirektor Edelbert Kohler bezeichnet die Kooperation mit den TSD als sehr positiv. „Im Vergleich zu 2015 konnten die Problemsituationen massiv entschärft werden.“ Man dürfe jetzt nicht einfach die beiden Gewalttaten über das gesamte System stülpen. Die Polizei stehe beratend zur Seite, die Gewaltprävention steht für Kohler ebenfalls im Vordergrund. (pn)