Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.01.2019


Innsbruck

Innsbrucker ÖVP droht jetzt die Spaltung

Arbeitnehmer-, Bauern- und Seniorenbund, ÖVP Frauen und Junge ÖVP fordern unverholen die Ablöse von Klubchef Hannes Anzengruber (Wirtschaftsbund).

Das war einmal: Die Innsbrucker ÖVP zerfällt wegen interner Machtkämpfe und ist zerrissen.

© ÖVPDas war einmal: Die Innsbrucker ÖVP zerfällt wegen interner Machtkämpfe und ist zerrissen.



Innsbruck – Die Risse in der Innsbrucker ÖVP sind offenbar nicht mehr zu kitten: Arbeitnehmer-, Bauern- und Seniorenbund, ÖVP Frauen und Junge ÖVP fordern unverholen die Ablöse von Klubchef Hannes Anzengruber (Wirtschaftsbund). Das haben sie auch der Landespartei mitgeteilt. „Wir hätten uns vom Klubobmann eine breite Basis der Klubarbeit erwartet. Davon wurden wir leider enttäuscht und der Unmut vieler Mitglieder wird immer deutlicher“, wird eine klare Lösung in der Innsbrucker VP gefordert.

Es liegen offenbar bereits drei Unterschriften für Anzengrubers Abwahl vor, entscheidend wird jedoch sein, ob sich Gemeinderat Reinhold Falch vom Seniorenbund ebenfalls anschließt. Montag ist eine Sitzung anberaumt. Seniorenbund und ÖVP bilden im Gemeinderat schließlich eine gekoppelte Fraktion.

Die Landes-ÖVP ist in Alarmstimmung, VP-Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl hat gestern allerdings offen Partei für Anzengruber ergriffen. „Er ist das Gesicht der Erneuerung für die ÖVP in der Landeshauptstadt.“ Natürlich gebe es Differenzen, doch Hörl fordert die Innsbrucker ÖVP zur Geschlossenheit auf.

Von der ist die Stadtpartei jedoch weiter entfernt denn je. Eine der treibenden Kräfte gegen den Klubobmann, dem Alleingänge und mangelndes politisches Gespür vorgeworfen werden, ist Bundesrätin Klara Neurauter. Beharren die Gemeinderäte Andreas Wanker und die stellvertretende Klubchefin Birgit Winkel – beide vom Arbeitnehmerbund – weiter auf Anzengrubers Rückzug, könnten er und Mariella Lutz – beide Wirtschaftsbund – den Klub verlassen und künftig als wilde Gemeinderäte politisch tätig sein.

Noch-Stadtparteichef und Vizebürgermeister Franz Gruber war gestern voll im Krisenmodus. Schließlich zerrinnt ihm die Partei zwischen den Fingern. Nächste Woche soll es deshalb einen klärenden Parteivorstand geben. (pn)