Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Exklusiv

Krach in VP: Putsch gegen Klubchef Anzengruber

In der Innsbrucker ÖVP geht es wieder einmal rund: Gemeinderats-Klubchef Hannes Anzengruber soll vom Klub abmontiert werden.

In der Innsbrucker ÖVP geht es
wieder einmal rund: Gemeinderats-Klubchef Hannes Anzengruber soll vom Klub abmontiert werden.

© ÖVPIn der Innsbrucker ÖVP geht es
wieder einmal rund: Gemeinderats-Klubchef Hannes Anzengruber soll vom Klub abmontiert werden.



Innsbruck – Er hatte bei der Gemeinderatswahl das beste Vorzugsstimmenergebnis aller ÖVP-Kandidaten und gilt parteiintern als große Zukunftshoffnung: Schließlich könnte Hannes Anzengruber beim Stadtparteitag Vizebürgermeister Franz Gruber als Obmann ablösen und später dann auch in der Stadtregierung. Als Gemeinderats-Klubchef agiert der Wirtschaftsbündler umtriebig, ihm wird zugleich ein ambitionierter Zug zur Macht nachgesagt. Doch jetzt verweigern ihm Klubmitglieder wie seine Stellvertreterin Birgit Winkel oder Ex-Stadtrat Andreas Wanker die Gefolgschaft. Offenbar soll Anzengruber als Klubchef ersetzt werden.

Zur letzten Klubsitzung, in der es um leistbares Wohnen mit dem Wohnpaket des Landes ging, erschienen die beiden Gemeinderäte vom Arbeitnehmerbund (AAB) nicht einmal mehr. Und im Gegensatz zu Winkel, Gruber und Wanker votiert Anzengruber für den Verbleib des bisherigen Pächters auf der Möslalm.

Der Konflikt ist vielschichtig und wird von den Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmer- und Wirtschaftsbund überlagert. Auch persönliche Animositäten spielen wie einfache Machtfragen über die Nachfolge von Franz Gruber eine große Rolle. Der gerät ebenfalls zunehmend unter Druck und verhehlt die Spannungen nicht. „Es gibt seit einigen Wochen einen Knatsch in der Gemeinderatsfraktion. Und über den müssen wir intern Gespräche führen.“

Mehr wollte Gruber nicht sagen. Klar sei aber, dass es in jeder Partei unterschiedliche Auffassungen gebe. Gruber hatte nach der Gemeinderatswahl angekündigt, innerhalb eines Jahres einen Stadtparteitag zu organisieren. Dieser werde „nach der Europa-Wahl“ stattfinden, im Sommer oder Frühherbst. Der Vizebürgermeister bekräftigt noch einmal, nicht mehr anzutreten.

Anzengruber spricht ebenfalls offen von Schwierigkeiten im Klub. „Ich erkenne bei vielen Parteifreunden große Sympathien für meinen eingeschlagenen Weg. Die politische Arbeit und die Abläufe in unserer Gemeinderatsfraktio­n verlaufen anders, als ich es aus der Wirtschaft kenne.“ Es gelt­e, den Motor, der teilweis­e stottert, besser zum Laufen zu bringen. Dass es am Freitag hektische Beratungen gegeben und sich Anzengruber und Gruber in ihren Aussagen abgestimmt haben, zeigt, wie sehr der Hut in der Innsbrucker VP brennt. Denn auch der Klubchef kündigt intensive Gespräche „mit den Vertretern der Fraktion an“. Alles deutet derzeit aber auf einen schwarzen Showdown hin. (pn, mw)