Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.01.2019


Tirol

Ideen für neue Wohnkonzepte im Alter

Leistbares Wohnen im Alter: In Tirol entsteht gerade ein Pilotprojekt, das ältere Menschen frühzeitig für ein gemeinsames Wohnprojekt gewinnen will.

In Tirol soll demnächst das erste Zwei-Generationen-Wohnprojekt entstehen – noch ist es in der Planungsphase.

© iStockphotoIn Tirol soll demnächst das erste Zwei-Generationen-Wohnprojekt entstehen – noch ist es in der Planungsphase.



Von Liane Pircher

Innsbruck — In jungen Jahren bestimmt oft der Job den Wohnort. Später, nicht nur wenn etwaige vorhandene Kinder längst aus dem Haus sind, verändern sich die Wohnbedürfnisse. Was vorher gut war, passt plötzlich nicht mehr. Die meisten Menschen beschäftigen sich fast zu spät mit dem Gedanken, wie und wo sie im Alter wohnen möchten.

Anders denkt hier die Aldranserin Margit Schäfer: In ihrem Brotberuf Lektorin und Lehrerin für Pflegeausbildungen weiß sie, dass viele den richtigen Zeitpunkt für dieses Thema verpassen. Das soll ihr nicht passieren. Deshalb tüftelt sie seit mehreren Monaten an dem Projekt „JAAA (von jung alt zu alt alt) Wohnprojekt".

„Viele Menschen verpassen den Zeitpunkt, sich rechtzeitig mit dem Thema Wohnen im Alter zu beschäftigen“, so Margit Schäfer
 (FH-Lektorin und Initiatorin des JAAA-Wohnprojektes).
„Viele Menschen verpassen den Zeitpunkt, sich rechtzeitig mit dem Thema Wohnen im Alter zu beschäftigen“, so Margit Schäfer
 (FH-Lektorin und Initiatorin des JAAA-Wohnprojektes).
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Schäfer plant ein bis dato für Tirol neues Wohnprojekt für zwei Generationen: „Es soll ein Haus mit mehreren Mietwohnungen werden, das eine Wir-Kultur lebt. Die Bewohner sollen privat sein dürfen und trotzdem auch Gemeinschaft pflegen", erklärt sie. Und: Alle sollen von Anfang an bei der Planung mit dabei sein. Am besten an einem Ort, wo sich Stadt und Land berühren — abseits der Inntalfurche. Also dort, wo es Wald und Spazierwege, aber auch eine Infrastruktur gibt. Schäfer beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema alternatives Wohnen und hat sich auch Beispiele im deutschsprachigen Raum angeschaut. Sie weiß auch, dass in Tirol momentan kaum alternative Modell­e existieren. Wenn, dann vereinen diese eher junge mit alten, also mehr als nur zwei Generationen. So gibt es aktuell etwa das Integrationshaus Neu, Haus im Leben oder Vernetzt wohnen. Für Menschen der Generationen über 60, die sich nach Alternativen zum „Wohnen daheim und allein" umsehen, gibt es in Tirol praktisch nichts, und später „daheim" oder „Heim".

Schäfers Projekt soll Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile verhindern und eine neue Kultur des Miteinanders schaffen, ohne dass jemand die Rolle einer „Leihoma" oder Ähnliches einnehmen müss­e. Mehr als 50 Interessierte kamen zu einem ersten Treffen. Es wurde viel diskutiert, erste Kontakt­e zu politischen Entscheidungsträgern — u. a. zwecks Förderungen — von der Initiatorin geknüpft. In etwa fünf Jahren soll das Wohnprojekt bezogen werden. Schäfer trifft mit ihrer Idee ein gesellschaftpolitisch heißes Thema. Immerhin leben in Österreich etw­a 93 Prozent der Menschen über 70 in jener Wohnung, die sie auch in jüngeren Jahren bewohnt haben. 40 Prozent davon leben teils ungewollt in Einpersonenhaushalten, die restlichen sieben Prozent in Heimen oder betreutem Wohnen. „Es kommt ein­e Generation in die Jahre, die die Kinder aus der Verantwortung für Betreuung und Pflege im Alter entlässt, und da braucht es neue Wohnformen", sagt Schäfer.

Übrigens: Am 18. Februar um 19 Uhr gibt es ein neues Treffen im Innsbrucker Haus der Begegnung. Anmeldung per Mail: jaaa_Wohnprojekt@aon.at.